Anfangsverdacht

Nach Zugunglück: Ermittlungen gegen Lokführer

Nach dem Zugunglück bei Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) mit einem Toten ermittelt die Staatsanwaltschaft Cottbus nun gegen einen der beteiligten Lokführer.

- Der Anfangsverdacht lautet auf fahrlässige Tötung und fahrlässigen Eingriff in den Bahnverkehr, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Mitarbeiter eines privaten Eisenbahnunternehmens seine Lok entgegen der gängigen Praxis allein vor die Waggons gespannt und dabei nicht bemerkt, dass die Hauptbremsleitung zwischen Lok und Waggons geschlossen war. Der mit Schotter beladene Güterzug war am Donnerstag vergangener Woche im Bereich einer Weiche am Bahnhof Hosena mit einem stehenden Güterzug kollidiert. Durch die Wucht waren mehr als 20 Waggons aus dem Gleisen gesprungen und hatten ein benachbartes Stellwerksgebäude völlig zerstört. Ein Weichenwärter konnte nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Der Lokführer des stehenden Zuges und ein Fahrdienstleiter erlitten einen Schock. Der Lokführer des auffahrenden Zuges hatte sich kurz vor dem Aufprall mit einem Sprung aus dem Führerhaus in Sicherheit gebracht. Er liegt mit schweren Beinverletzungen noch immer im Krankenhaus und ist nicht vernehmungsfähig.

Nach den bisherigen Ermittlungen konnte bei der Einfahrt in den Bahnhof nur die Lok bremsen, aber nicht die tonnenschweren und mit Druckluftbremsen ausgestatteten Wagen. Dies stimme mit Aussagen von Zeugen überein, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Bremskraft der Lok allein habe aber nicht ausgereicht, um den Zug am Haltesignal zu stoppen und die Kollision zu verhindern. Nach Angaben des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) wurde der Fahrtenschreiber des Unglückszuges jetzt gefunden und soll ausgewertet werden. Fehler in der Stellwerkstechnik oder an den Gleisanlagen schließen die EBA-Experten inzwischen als Unfallursache aus, wie eine Sprecherin bestätigte. "Die Fahrzeuge und die betrieblichen Abläufe stehen weiter im Fokus der Ermittlungen", sagte sie.