Schuljahr

Brandenburg stellt 450 neue Lehrer ein

Ausblick auf das kommende Schuljahr - Pilotprojekt zur Integration lernschwacher Kinder

- Mit dem Ende der großen Ferien beginnt am Montag an den Brandenburger Grundschulen ein Pilotprojekt zur Integration lernschwacher Kinder. 85 Schulen beteiligen sich an dem Modellversuch, wie Bildungsministerin Martina Münch (SPD) am Donnerstag in Potsdam sagte. 119 neue Stellen wurden dafür geschaffen - insgesamt werden in diesem Schuljahr 450 neue Lehrer eingestellt.

Dadurch würden alle ausscheidenden Lehrer ersetzt, so Münch. Bei etwa einem Drittel der 450 Stellen handele es sich um befristete Verträge, die in unbefristete umgewandelt würden. Die übrigen knapp 300 Lehrkräfte würden neu eingestellt. Damit ist die Zahl der tatsächlichen Neueinstellungen höher als 2011/12. Damals wurden 136 Lehrer neu eingestellt.

FDP kritisiert "Mogelpackung"

Die FDP bezeichnete Münchs Ankündigung jedoch als Mogelpackung. Noch im Juni dieses Jahres habe das Ministerium angekündigt, 550 Lehrkräfte neu einzustellen, sagte FDP-Bildungsexperte Andreas Büttner. Für die Zukunft der Kinder seien ausreichend qualifizierte Lehrkräfte notwendig.

Münch sagte, sie habe ursprünglich noch 100 weitere Stellen schaffen wollen. Angesichts der angespannten Haushaltslage sei dies im Kabinett aber nicht durchsetzbar gewesen. Es gebe keinen Mangel an Bewerbern, sagte Münch mit Blick auf den Lehrernachwuchs, für den Brandenburg offensichtlich attraktiv sei. Den Pädagogen werde auch künftig die Verbeamtung angeboten. Der Bedarf an frischen Lehrkräften sei regional aber sehr unterschiedlich. Mehr als die Hälfte der unbefristeten Einstellungen fielen in die Schulamtsbereiche Perleberg (Prignitz) und Brandenburg/Havel, während der Bereich Cottbus nur zehn neue Lehrkräfte verzeichne. Münch erhofft sich eine Verjüngung des Kollegiums: Während das Durchschnittsalter jetzt bei 50 Jahren liege, betrage es bei den Neuzugängen 34,4 Jahre.

Bei den 119 Lehrkräften für die Pilotschulen handelt es sich laut Münch um Sonderpädagogen, Lehrer mit einer sonderpädagogischen Zusatzausbildung oder um Lehrkräfte, die bereits Erfahrungen an inklusiven Schulen sammeln konnten. Sie sollen den gemeinsamen Unterricht von lernschwachen und normal entwickelten Schülern unterstützen.

Die Inklusion sei eine der wichtigsten bildungspolitischen Herausforderungen, sagte Münch. Ziel sei es, dass sich jedes Kind bestmöglich entwickeln könne - ob hochbegabt oder lernschwach. Es gehe um eine "Schule für alle", in der Kinder mit- und voneinander lernen würden. Davon profitierten durchaus auch leistungsstarke Schüler und das Lernniveau sinke nicht ab - im Gegenteil. "Jedes Kind lernt mit seinem Tempo."

In Berlin gibt es bereits seit Jahren Modellschulen, in denen alle Kinder, darunter auch förderbedürftige, miteinander lernen. Die Bildungsverwaltung ist gerade dabei, ein Inklusionskonzept zu entwickeln, dass vom Schuljahr 2014/15 an für alle Schulen gelten soll. Zunächst sollen lernschwache und verhaltensauffällige Schüler sowie Kinder mit Sprachstörungen an Regelschulen integriert werden.

Grundschulen werden geschlossen

Ab dem Schuljahr 2015/2016 sollen alle Regelschulen im Land einige behinderte Kinder aufnehmen, während die Förderschulen langfristig geschlossen werden.

Ebenfalls ein großes Thema in der Bildungspolitik wird in den kommenden Jahren der demografische Wandel sein. Jüngsten Prognosen zufolge soll sich die Zahl der Geburten von rund 19.000 im Jahr 2011 auf etwa 9900 im Jahr 2030 halbieren. Dies werde sich auch auf die Schülerzahlen auswirken, warnte Münch. Schon heute seien in ländlichen Gebieten teils nur noch zehn Kinder in einer Klasse. "Bei einer noch geringeren Zahl ist das nicht mehr machbar."

Ab September werde sich eine Kommission mit diesem Problem befassen, kündigte Münch an. Etwa ein Jahr lang soll sie über künftige Mindestgrößen, zumutbare Wege und alternative Lösungen beraten. "Wir wollen keine Schulen schließen, aber ich kann nicht ausschließen, dass es so kommen wird", sagte die Ministerin. Bereits zum Ende des vergangenen Schuljahres mussten einige Grundschulen geschlossen werden - laut Münch sind noch weitere gefährdet. Über das ganze Land verteilt ist die Zahl der Einschulungen allerdings noch stabil: 19.500 Kinder beginnen diesen Herbst mit der Schule. Insgesamt wird es in diesem Schuljahr rund 268.000 Schüler geben, 2000 weniger als 2011/2012.

Die Landesverkehrswacht mahnte die Autofahrer anlässlich des Schulstarts am kommenden Montag, vor allem in Schulgebieten besondere Rücksicht auf die Kinder zu nehmen. Gerade Erstklässler könnten Gefahren oft nicht richtig beurteilen sowie Entfernungen und Geschwindigkeiten schlecht einschätzen, hieß es. Im Jahr 2011 seien 709 Kinder im Straßenverkehr verunglückt, drei von ihnen tödlich.