Psychiatriepatienten

Neue Gedenkstätte für die von den Nazis ermordeten Kranken

Bald gibt es für alle sechs nationalsozialistischen Mordanstalten von Psychiatriepatienten eine Gedenkstätte.

- Am 17. August wird auch in Brandenburg/Havel ein solcher Gedenk- und Lernort eröffnet, wie die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten am Donnerstag in Oranienburg ankündigte.

Die im Original erhaltenen ehemaligen Werkstattgebäude des "Alten Zuchthauses" erinnern an die rund 9000 "Euthanasie"-Opfer, die dort zwischen Januar und Ende Oktober 1940 in einer Gaskammer starben. Weitere Tötungsstätten waren in Grafeneck, Hartheim, Pirna-Sonnenstein, Bernburg und Hadamar. Dort gibt es bereits Erinnerungsorte für die insgesamt über 100.000 geistig und körperlich behinderten Opfer. Auf Beschluss des Bundestags soll auch an dem Ort in Berlin-Tiergarten, an dem die "Euthanasie"-Morde geplant wurden, ein Denkmal errichtet werden.

Zur Eröffnung der Brandenburger Gedenkstätte werden Brandenburgs stellvertretender Ministerpräsident Helmuth Markov (Die Linke) und der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, erwartet. Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, erklärte, der Gedenk- und Lernort schließe eine wichtige Lücke bei den NS-Gedenkstätten in Deutschland. In Brandenburg habe sich "die Keimzelle für den nationalsozialistischen Massenmord durch Giftgas" befunden.

Im Mittelpunkt der Dauerausstellung stehen die Bedeutung der Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg als Ort der ersten "Probevergasung" im Januar 1940 sowie des systematischen Massenmordes an jüdischen Anstaltspatienten. Außerdem informiert die Ausstellung über die direkte Verbindungslinie zum Massenmord an den europäischen Juden. Die Schau erinnert zudem an mehr als 8300 Opfer namentlich in einem Gedenkbuch. Anhand von Fotos und Dokumenten aus dem Besitz ihrer Familien werden Biografien von Ermordeten nachgezeichnet.

Die Kosten für Gebäudesanierung und Dauerausstellung der Gedenkstätte betrugen rund 741.000 Euro. Das Land Brandenburg und der Bundeskulturbeauftragte stellten dafür jeweils Fördermittel in Höhe von 357.000 Euro bereit. 26.800 Euro steuerte die Stiftung bei.