Kriminalität

Neonazis in Brandenburg auch in Rockerbanden

Verbindung der beiden Milieus wird enger

- In der Rockerszene mischen in Brandenburg zunehmend auch Neonazis mit. Laut Landeskriminalamt haben sich momentan etwa 300 Mitglieder in kriminellen Rockergruppen und deren Unterstützerclubs organisiert. Etwa 25 Angehörige der rechtsextremistischen Szene sind nach Einschätzung der Verfassungsschutzbehörde derzeit Mitglied in einem solchen Rockerclub. Dies teilte jetzt Innenminister Dietmar Woidke (SPD) auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Ness mit.

In letzter Zeit habe es Hinweise darauf gegeben, dass Rechtsextreme in Clubs eingetreten seien. Diese würden derzeit überprüft, heißt es in der Antwort auf die Anfrage. Aus der rechtsextremistischen Szene bestünden Kontakte zu den "Hells Angels MC", vor allem in Potsdam, aber auch zu den "Red Devils MC Potsdam", so der Minister. Rechtsextremisten in Eberswalde hätten Kontakte zu den "Dragsäuen Germany" in Eberswalde. Vor allem der Süden ist in den Fokus der Behörden gerückt: Laut Verfassungsschutz unterhalten Rechtsextremisten aus Cottbus, Spremberg und Lauchhammer und aus der Musikszene Kontakte zum "Calavera MC Lauchhammer", zu den "Bones MC Lauchhammer" und jetzigen "Hells Angels". Gegen drei Mitglieder des "Gremium MC Spremberg", die auch als Rechtsextremisten einzustufen sind, lägen staatsschutzrelevante Erkenntnisse vor, so der Innenminister. Grundsätzlich reklamieren die Clubs, unpolitisch zu sein, so der Minister. In den selbst geschaffenen Regeln der polizeilich relevanten Rockergruppierungen seien aber keine Passagen bekannt, in denen sich vom Rechtsextremismus abgrenzen. Bei "Gremium MC" finde sich der Passus: "Wir distanzieren uns deutlich von Rechten & Linken Ideen - wir glauben nur an uns." Die Kenntnisse ließen nicht darauf schließen, dass MCs von Rechtsextremisten regelrecht "durchsetzt" sind, so das Fazit. Seit Jahren beobachtet das Ministerium aber, dass rechtsextremistische Bands in Clubhäusern der Rocker auftreten. Der SPD-Abgeordnete Klaus Ness sieht die Notwendigkeit, "diese Allianzen noch stärker zu beobachten".

Innenminister Woidke stuft die Rockerclubs weiterhin als gefährlich ein. Allerdings scheint der staatliche Druck Wirkung zu zeigen: Am Wochenende wurde bekannt, dass sich die Ortsgruppe der "Bandidos del Este" in Hennigsdorf (Oberhavel) zum 12. Juli aufgelöst hat.