Erlenhof

Schafe zählen, schlafen gehen

Auf dem Kienitzer Erlenhof übernachten Gäste wie Wanderschäfer

- Wer mit Barbara Brunat bei einer Tasse Kaffee hinter ihrem Holzhaus in Kienitz sitzt und den Schafen auf der Weide zuschaut, der bekommt ungefähr eine Ahnung davon, was die langjährige Hauptstädterin bewogen hat, aufs Land zu ziehen. Es ist diese friedliche Idylle, die einfach wohltuende Ruhe, die einen sofort umfängt. "Berlin reicht uns, wenn es in der Nähe ist. Aber ich brauche die Großstadt nicht mehr tagtäglich", sagt Brunat.

Das kann sie auch, hat sie sich mit dem Erlenhof im Oderbruchdörfchen Kienitz doch eine beneidenswerte Alternative geschaffen. "Das sind Skuddenschafe, eine unkomplizierte, allerdings vom Aussterben bedrohte Rasse", erzählt die ehemalige Kinderkrankenschwester mit Blick auf die knapp 30 Tiere große Herde hinter dem Haus. Als das Berliner Ehepaar vor acht Jahren nach Kienitz kam, das alte Bauernhaus für den kranken Vater auf Vordermann brachte und sich selbst ein Holzhaus dazu baute, merkte es schnell, dass zwei Hektar grüne Idylle ziemlich viel Arbeit machen. "Also schafften wir uns diese tierischen Rasenmäher an", erinnert sich die 58-Jährige und streichelt Hofhund "Emmi", einen Schafspudel. Mitte der 90er-Jahre hatten Brunats das Oderbruch für sich entdeckt - ursprünglich, weitläufig. "Es ist gut, dass immer wieder Menschen zu uns kommen, die uns bestätigen, wie schön wir es hier haben - weil es für uns Normalität geworden ist", bekennt die Hausherrin des Erlenhofes, die "auf dem Lande" sowohl das Spinnen und Stricken, als auch das Marmeladekochen erlernt hat. Ergebnisse dessen verkauft sie in "Barbaras Lädchen", einem Zimmer voller leckerer und nützlicher Sachen, die nicht nur von Barbara Brunat selbst, aber aus der Region stammen.

Hölzerne Behausungen

Dafür, dass Gäste in diese idyllische Einsamkeit kommen, hat Brunat letztlich selbst gesorgt: Passend zu den Schafen stellte sie sich nachgebaute Schäferwagen in den Garten - hölzerne, enge Behausungen, wie sie einst Wanderschäfer als Quartier nutzten. "Wir sind häufig nach einfachen Übernachtungsmöglichkeiten gefragt worden, vor allem von Radwanderern, die auf dem nahe gelegenen Oder-Neiße-Radweg unterwegs sind", erzählt Brunat. Kurzerhand machte sie die beiden Schäferwagen zu winzigen Fremdenzimmern. Und die Nachfrage war groß. Obwohl oder gerade weil die Quartiere so eng und spartanisch eingerichtet sind, wollen vor allem viele Großstädter hier ländliche Ruhe finden. Nur wenige Quadratmeter groß, reicht das winzige Fremdenzimmer auf Rädern gerade mal fürs Übernachten. Zum Duschen oder Zähneputzen muss man quer über den Hof. Unter dem Motto "Schäferstündchen im Schäferwagen" kehren vor allem Paare ein, erzählt die ehemalige Kinderkrankenschwester, die inzwischen auch Gutscheine mit diesem Slogan verkauft. "Viele nutzten dieses Angebot als Geburtstagsgeschenk für den Partner", sagt die Hausherrin. In dem einen Schäfer-Wagen muss man auf der Doppelbank schon eng zusammenrücken, damit zwei Personen Platz finden. Viel mehr gibt es außer einer Nachttischlampe und einem kleinen Ofen an Inventar nicht. Im zweiten Quartier auf Rädern schlafen die Gäste wie in Schiffskojen übereinander. So bleibt Platz für einen kleinen Gasherd und eine winzige Sitzecke.

Für Gäste mit Kindern, die etwas mehr Komfort brauchen, entstand im vergangenen Herbst zusätzlich ein Block-Ferienhäuschen. Karl-Heinz Brunat hat zudem einen mehr als 100 Jahre alten Original-Schäferwagen aufgemöbelt, der allerdings nur einer Person Platz bietet. Zur Not kann auch die hölzerne Grillhütte daneben für eine Nacht umfunktioniert werden. "Das wars dann aber auch", sagt Brunat. Bekannte rieten ihr, das brachliegende Nachbargrundstück zu kaufen, um mit den Schäferwagen angesichts der großen Nachfrage zu expandieren. Doch das will die Erlenhof-Chefin nicht. "Das ganze soll im kleinen Rahmen bleiben, damit die die Idylle nicht zerstört wird. Denn die ist ja gerade das, was meine Gäste so schätzen", stellt die 58-Jährige klar.

"Die Leute beschränken sich auf das Wesentliche, um zu entspannen und zu sich selbst zu finden. Umso intensiver empfinden sie das, was da ist."

www.erlenhof-im-oderbruch.de Übernachtungen im Schäferwagen kosten 25 Euro, das Frühstück 6 Euro.