Polizei

Rocker-Club in Hennigsdorf löst sich auf

Berliner Innensenator Henkel verteidigt hartes Vorgehen

Der anhaltende Druck der Sicherheitskräfte auf die kriminelle Rocker-Szene in der Region zeigt offensichtlich Wirkung: Die Ortsgruppe der Bandidos del Este in Hennigsdorf am Nordwestrand Berlins hat sich nach eigenen Angaben zum 12. Juli aufgelöst. Dies geht aus der deutschen Internetseite der Gruppierung hervor, wo gleichzeitig die Auflösung des Chapters in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) bekanntgegeben wird. Die brandenburgische Polizei konnte den Vorgang zunächst nicht bestätigen.

Damit setzt sich die Reihe der Selbstauflösungen von Rockervereinigungen im Bundesgebiet fort. Dabei bleibt jedoch unklar, ob dies womöglich eine Taktik ist, um Vereinsvermögen zu retten und Nachfolgeorganisationen zu gründen. Ende Juni hatte sich in Hannover der mächtige Ortsclub der mit den Bandidos verfeindeten Hells Angels nach einer Polizeirazzia aufgelöst. Er folgte damit den Beispielen Berlins, Potsdams und Bremens. In der vergangenen Woche war es dann für den Schweriner Ableger der Hells Angels so weit - ebenfalls nach einer Durchsuchungsaktion der Sicherheitskräfte.

Die Chefs der Innenressorts in Berlin und Brandenburg betonen immer wieder ihre Entschlossenheit, rigoros gegen die Rocker-Szene vorzugehen. "Das Signal ist klar: Wir dulden in Brandenburg keine organisierte Kriminalität", sagte Innenminister Dietmar Woidke (SPD) nach der großen Razzia Anfang Juni.

Sein Berliner Amtskollege Frank Henkel (CDU) sagte der Nachrichtenagentur dpa am Wochenende, der Rechtsstaat werde mit allen Mitteln gegen die Rockerkriminalität kämpfen. "Dabei haben wir es mit einer der brutalsten und gefährlichsten Gruppen zu tun, die systematisch das staatliche Gewaltmonopol unterlaufen." Der Berliner Innensenator ließ keinen Zweifel an seiner Linie: "Ich werde dieses praktizierte Recht des Stärkeren nicht dulden", betonte der CDU-Politiker.

Anfang Juni war das Hennigsdorfer Clubhaus der Bandidos Ziel einer großangelegten Polizei-Razzia, an der sich auch die Spezialeinheit GSG 9 beteiligte. Es wurden Drogen, Bargeld, scharfe Schusswaffen, zwei gestohlene Motorräder, mehrere Fahrzeuge und Baseballschläger beschlagnahmt. Damals überprüften rund 1100 Beamte insgesamt fast 80 Wohnungen, Arbeitsstätten und Vereinsheime der Bandidos, mit der Niederlassung in Hennigsdorf als Schwerpunkt. Auch wenn dort das Chapter "Berlin BMC del Este" angesiedelt war, lag der Schwerpunkt der Aktivitäten in der Hauptstadt.