Finanzierung

Neue Fenster fürs Schloss

Stiftung investiert knapp zehn Millionen Euro in Babelsberg

- Mehr als zwei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung soll nun auch Schloss Babelsberg saniert werden. Mit den umfangreichen Arbeiten wird im Frühjahr 2013 begonnen, kündigte der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Hartmut Dorgerloh, am Dienstag in Potsdam an. Seit zwei Jahren schon ist das Schloss für Besucher geschlossen. Bislang wurden laut Dorgerloh rund 2,5 Millionen Euro allein für die nötige Sicherung der Bausubstanz investiert. Jetzt stehen weitere 9,7 Millionen Euro für die Außenarbeiten bereit. Das Geld stammt aus dem sogenannten Masterplan des Bundes sowie der Länder Berlin und Brandenburg. Im Jahr 2015 soll die derzeit geplante Sanierung beendet sein.

Zugang ab 2016 noch unklar

Ob das Schloss ab Frühjahr 2016 zumindest teilweise für Besucher zugänglich sein wird, ist noch unklar. "Sollte die Stiftung erneut Geld zur Verfügung stellen, werden wir im Gebäudeinneren weiterarbeiten", sagte Schlösserdirektor Dorgerloh. Das verwinkelte Gebäude im neugotischen Stil soll als Museum und als Haus für politische Geschichte konzipiert werden. "Alle Räume werden allerdings wohl nie zugänglich sein", so Dorgerloh. Es fehlten die für den Brandschutz vorgeschriebenen Fluchtwege. Schloss Babelsberg war in den 1830er-Jahren nach den Plänen von Karl Friedrich Schinkel entstanden. Nach dessen Tod wurde es umgebaut. Dem Preußenkönig und späteren Kaiser Wilhelm I. und seiner Gemahlin Augusta schwebte ein sommerlicher Landsitz im englischen Tudorstil vor. Es sollte das Lieblingsschloss der beiden werden - "klein, aber niedlich und bequem eingerichtet, und die Aussicht wirklich schön ...", wie Augusta schließlich befand. Vom Teesalon aus genoss die feine Hofgesellschaft einen grandiosen Blick über die Havelseen zur Glienicker Brücke hinüber. Im achteckigen Tanzsaal mit seinem Sternenhimmel wurden zahlreiche Feste gefeiert. Das pittoreske, neugotische Gebäude und der von Peter Joseph Lenné und Fürst von Pückler-Muskau gestaltete weitläufige Park dienten aber nicht nur als ein Ort des sommerlichen Vergnügens und der Muße, hier wurde auch Geschichte geschrieben: Der damalige König Wilhelm traf sich im Schloss Babelsberg regelmäßig mit Otto von Bismarck. Am 22. September 1862 fand im Schloss und im Park das Gespräch zwischen König Wilhelm I. und Otto von Bismarck statt, das mit Bismarcks Ernennung zum Ministerpräsidenten Preußens und Außenminister endete.

Die Rote Armee besetzte das Schloss im Frühjahr 1945. Damals verschwand das meiste Mobiliar oder wurde kaputtgeschlagen. "Die Möbel der Gründerzeit waren nicht jedermanns Geschmack", sagte Generaldirektor Dorgerloh. Zu DDR-Zeiten lag das Schloss im Schatten der Mauer. Damals wurde es als Richterschule und für die Hochschule für Film und Fernsehen genutzt. Nach der politischen Wende war dort zunächst das Archäologische Landesamt untergebracht. Seit 1993 nutzt es die Schlösserstiftung für Ausstellungen.

"Trotz einiger Schäden ist das Schloss gut über die Jahre gekommen", sagte Schlösserchef Dogerloh. "Die Bausubstanz aus dem 19. Jahrhundert ist so schlecht nicht." An vielen Stellen bestehe aber Handlungsbedarf: So müssten lose Materialien gefestigt, Risse geschlossen und unsachgemäße Reparaturen rückgängig gemacht werden. Die gesamte Fassade aus Ziegel und Naturstein werde gereinigt. Aufgrund des Material-Mixes aus Ziegeln, Naturstein, Zementputz, Holz und Zinkguss ist dies ein aufwendiges Verfahren.

Auch energetische Verbesserungen

Im Dach seien Zimmermannsarbeiten notwendig. Dabei werde es auch energetische Verbesserungen geben. In die Dämmung fließen 200.000 Euro aus dem Energiesparprogramm der Bundesregierung.

Was für jeden sichtbar sein wird: Die Original-Eichenholzfenster von 1860 werden aufgearbeitet und ohne die bisherigen Sprossen neu eingesetzt. Auch Wilhelm und seine Gemahlin ließen einst an den Fenstern im Hauptgeschoss die Sprossen entfernen. Wegen der besseren Sicht. "Großglasfenster waren damals der neueste Schrei", sagte Schlösserdirektor Dorgerloh, "so ein Panoramafenster konnte sich nur der Kaiser leisten." Erst 1945 wurden wieder Sprossenfenster eingebaut.

Ein Drittel der bereitstehenden fast zehn Millionen Euro soll für die Instandsetzung der vier Terrassen ausgegeben werden, sagte Projektleiter Max Daiber. Zuletzt durfte offiziell nicht einmal mehr die "goldene Terrasse" mit dem Mosaiksteinboden betreten werden. Es fehlt die nötige Tragschicht. Die blaue Terrasse soll neue Pflanzflächen erhalten und Wege aus weißem Mosaikbelag. Auf der Porzellan-Terrasse wird auch der um 1863 erbaute Städte-Brunnen restauriert.