Die Spur der Großen Fledermaus

Auf einem Gutshof in der Märkischen Schweiz kann man die Tiere live erleben

- Wer denkt, dass die nachtaktiven Fledermäuse tagsüber schlafen, wird jetzt auf dem ehemaligen Gutshof Julianenhof eines besseren belehrt. Im Internationalen Fledermausmuseum, das der Naturschutzbund Deutschlands (NABU) in dem einstigen Vorwerk zwischen Strausberg und Neuhardenberg ehrenamtlich betreibt, gibt es neuerdings Kino der besonderen Art. In der Wochenstube der Großen Bartfledermaus auf dem Dachboden wurden zwei Infrarot-Kameras installiert, die digital auf den Computer im Museum übertragen, was die Hautflügler dort so treiben.

Ein deutliches Piepsen ist zu hören, dazu drängeln, putzen und zanken die weiblichen Tiere unaufhörlich in dem Spalt zwischen zwei Holzbalken. "Unsere Besucher sind begeistert. Das Kino fördert die Akzeptanz von Fledermäusen", erzählt Museumsleiterin Ursula Grützmacher. Sie kennt die zahlreichen Vorurteile, wird oft genug noch gefragt, ob sich Fledermäuse tatsächlich in den Kopfhaaren von Menschen verfangen. Die nachtaktiven Hautflügler paaren sich ihren Angaben nach im Herbst, befruchtet wird das Ei jedoch erst im Frühjahr. Anschließend ziehen sich die trächtigen Weibchen in die Wochenstube zurück, um etwa Ende Juni in der Regel jeweils ein Junges zu gebären. "Dort finden sich neben den künftigen Müttern auch weibliche Tiere älterer Generationen, die als Kindergärtnerinnen fungieren", informiert die hauptberufliche Diplom-Ökonomin. Die "Ammen" kümmern sich ihren Angaben nach um die Jungen, wenn die Mütter nachts auf Jagd gehen.

Mit finanzieller Unterstützung des Brandenburger Umweltministeriums wurde das Fledermauskino als neueste Attraktion in Julianenhof realisiert. Damit erfüllte der NABU den vielfachen Wunsch von Besuchern. "Die waren häufig enttäuscht, dass sie bei uns im Museum keine lebenden Fledermäuse zu Gesicht bekamen. Aber die streng geschützten Tiere dürfen nun mal in ihren Quartieren nicht gestört werden", erzählt Projektleiterin Grützmacher. Die scheuen Flattertiere seien schon "irgendwie faszinierend", bekennt auch Alexander Lemm, der mit Fledermäusen zuvor noch nie etwas zu tun hatte. Der IT-Spezialist aus Strausberg übernahm die technische Umsetzung des Kino-Projekts, eine Herausforderung, wie er sagt. "Wichtig war ja der passende Standort der Kameras und Mikrofone auf dem relativ dunklen Dachboden." Per Mausklick lässt sich das tierische Leben vor der Kamera auch aufzeichnen. Zu Gesicht bekommen Besucher die nachtaktiven Insektenfresser aber nicht nur durch die Kameras. Die großen Holztüren am hinteren Giebel des Museumskomplexes sind weit geöffnet. In den Abendstunden beginnt dort ein reger Flugbetrieb. Zwar hat das Museum täglich nur zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet. Doch veranstaltet der NABU regelmäßig sogenannte Bat-Detektor-Abende. Die Geräte ermöglichen das Hören der Ultraschallrufe, mit denen sich die Fledermäuse beim Fliegen verständigen. Der nächste Fledermausabend findet am 23. Juni ab 20.30 Uhr statt. Mit etwas Glück sind im Juli auch die Fledermaus-Mütter auszumachen, die ihre Jungen am Körper mit sich tragen, ehe der Nachwuchs selbst das Fliegen lernt. "Neun Fledermausarten haben wir hier in Julianenhof nachgewiesen. Neben der Wochenstube der Großen Bartfledermaus gibt es auch Sommer- und Winterquartiere für andere Arten wie das Braune Langohr oder die Wasserfledermaus", erläutert Grützmacher.

Arten aus aller Welt

Im Sommer bieten neben Baumhöhlen auch zahlreiche Spalten und Nischen in den alten Gemäuern des 150 Jahre alten Gutshofs Unterschlupf. Aber auch spezielle Nistkästen werden von den Tieren angenommen. Das Museum zeigt eine ganze Kollektion, hat viele unterschiedliche Exemplare auch an der Wand eines Nebengebäudes angebracht. Im vergangenen Jahr kamen knapp 4000 Besucher aus ganz Deutschland, laut Grützmacher Leute mit Interesse oder Neugier. Das zeigt auch ein Blick ins Gästebuch. "Ein großartiges Projekt", wird da gelobt. "Voll cool hier, um Bio zu lernen", steht zudem in krakeliger Kinderschrift geschrieben. Im Feldermausgarten werden ausgewählte Arten aus aller Welt vorgestellt, beispielsweise die australische Gespensterfledermaus, mit einer Flügelspannweite von 60 Zentimetern die größte der Welt, die auch kleine Säugetiere frisst. Entsprechende Infosäulen stehen in einem gestalteten Garten, der vor allem Pflanzen beherbergt, auf denen sich von Fledermäusen bevorzugte Insekten tummeln. In der Dauerausstellung im weiß getünchten einstigen Pferdestall erfährt der Besucher Wissenswertes über die Lebensweise einheimischer Fledermausarten. Gäste des Museums werden zudem sensibilisiert für die Bedrohung von Lebensräumen durch die Landwirtschaft oder die fledermausfreundliche Modernisierung von Dächern.

Weitere Informationen unter www.fledermausmuseum-julianenhof.de