Ausbildung

Dramatischer Nachwuchsmangel bei Brandenburgs Schäfern

Brandenburgs Schäfern geht der Nachwuchs aus. Der Manager des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg, Marc Mennle, befürchtet ein Aussterben des traditionsreichen Berufsstandes.

- Derzeit würden zwei Jugendliche im ersten Lehrjahr ausgebildet, sagte Mennle. Das reiche nicht, um die altersbedingte Aufgabe von Betrieben auszugleichen.

Gegenwärtig werden landesweit rund 1900 junge Leute in den "grünen Berufen" ausgebildet: vom Tierwirt bis zum Gärtner. Auch diese Zahl ist in den vergangenen Jahren nach Angaben des Landesamtes für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung gesunken. Grund sei der demografische Wandel mit weniger Geburten.

Mennle betonte, er könne niemanden ruhigen Gewissens empfehlen, Schäfer zu werden. "Aus betriebswirtschaftlichen Gründen ist das nicht zu befürworten." Was am Ende übrig bleibe, reiche kaum zum Überleben. Der Verein habe errechnet, dass ein Schäfer fünf Euro Gewinn pro Mutterschaf im Jahr erziele.

Zu DDR-Zeiten wurden Wolle, Fleisch und Leder der Tiere subventioniert. Auf dem Gebiet des heutigen Landes Brandenburg wurden allein 392.000 Merinoschafe gehalten. Heute sind es rund 72.000 Tiere mehrerer Rassen. 6000 Halter sind registriert - aber nur 60 arbeiten im Haupterwerb. "Schafhaltung ist mehr Berufung denn Beruf", sagte Mennle.

Der Schäfer beklagte die fehlende Anerkennung für die Arbeit seiner Berufskollegen. "Wir sind in der Regel das lustige Rahmenprogramm bei Volksfesten", meinte er. Schäfer in traditioneller Berufskleidung mit einigen Tieren - möglichst mit ein paar Lämmern - würden gern eingeladen. Der wichtige Beitrag zum Vertragsnaturschutz und zur Deichpflege werde hingegen vergessen. "Mit unseren Tieren kommen wir dorthin, wo ein Fahrzeug aufgeben muss." Schaf- und Ziegenhalter hätten im Vorjahr 1175 Hektar Fläche gepflegt. Die Tiere weideten auf rund 620 Kilometer Deich.

Mennle berichtet von bürokratischen Hürden. Beispielsweise kämen die Schäfer nicht in den Genuss von preiswerterem Agrardiesel zum Betanken ihrer Geländewagen, die kein Statussymbol seien. "Die brauchen wir, um zum Teil mehrmals täglich Wasser zu den Tieren zu bringen." Sorgen bereiteten seinen Berufskollegen auch Schäden an den Herden durch wiederangesiedelte Wölfe.