Immobilien

Im Berliner Umland fehlen Tausende Wohnungen

Vor allem Potsdam, Teltow und Falkensee wachsen. In anderen Regionen steht jede vierte Wohnung leer

- Im Berliner Umland werden schon jetzt Tausende neue Wohnungen benötigt. Vor allem Potsdam, Teltow und Falkensee haben erheblichen Neubaubedarf. "Die Lage wird sich noch verschärfen", sagte die Vorstandschefin des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), Maren Kern, bei der Jahrespressekonferenz in Potsdam. In den ländlichen Regionen könnte hingegen in einigen Jahren jedes fünfte Haus leer stehen.

Der BBU und seine 215 märkischen Mitgliedsunternehmen bewirtschaften in Brandenburg knapp die Hälfte der Mietwohnungen und rund 30 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes. Der Verband prognostiziert, dass sich der Markt im Speckgürtel um Berlin und in den ferneren Regionen bis 2020 weiter deutlich unterschiedlich entwickeln wird.

Zuzug in den Speckgürtel

Besonders drastisch gestalte sich die Nachfrage in Potsdam. Im Jahr 2020 werde die Landeshauptstadt mit rund 176.000 Einwohnern rund 20.000 mehr zählen als noch 2010, sagte BBU-Chefin Maren Kern. Es werde ein Bevölkerungszuwachs von rund zwölf Prozent erwartet. Nach BBU-Schätzungen würden in Potsdam rund 10.000 neue Wohnungen benötigt, davon etwa 7500 als Mietwohnungen. Derzeit halte die Zahl der Baufertigstellungen in Potsdam nicht mit dem Wachstum Schritt. "Setzt sich die Tendenz fort, dass dort pro Jahr nur rund 700 Wohnungen fertiggestellt werden, ist die Leerstandsreserve von 1500 Wohnungen in etwa fünf Jahren aufgebraucht", so Kern. In der Landeshauptstadt stehen derzeit rund 1,9 Prozent der Wohnungen leer, das ist ein Spitzenwert im Land. In Eberswalde in Barnim hingegen sind es 13,8 Prozent. Landesweit liegt die Quote bei 8,5 Prozent. In Teltow liege der Neubaubedarf bis 2020 bei rund 2200 Wohnungen, in Falkensee bei 1700 Wohnungen. "Wir schätzen den Investitionsbedarf in neuen Wohnungen im Berliner Umland auf 3,2 Milliarden Euro", sagte die Verbandschefin. Im Speckgürtel aber ist Bauen bekanntlich teuer. Die Kosten für den Neubau von Mehrfamilienhäusern seien seit 2005 um rund 34 Prozent gestiegen.

Maren Kern schlägt einen "Runden Tisch" vor: "Politik, Bauindustrie und Wohnungswirtschaft sollen dort Möglichkeiten für mehr mietengünstigen Neubau erarbeiten." Wie sehr sich der geplante Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld auf den regionalen Wohnungsmarkt auswirke, sei derzeit immer noch nicht abschätzbar. Es falle nur auf, dass "in unmittelbarem Flughafenumfeld teilweise besonders wenig Wohnungen leer stehen." Auf die berlinfernen Regionen hingegen rollt laut BBU-Chefin Kern eine zweite Leerstandswelle zu. Die Bevölkerungszahl dort gehe in den nächsten Jahren weiter zurück. Die Wohnungsunternehmen müssten aufgrund drastisch gekürzter Fördermittel und ausbleibender Altschuldenhilfe des Bundes dann auch noch ihre Abrissprogramme zurückfahren, so Kern.

In den ländlichen Regionen des Landes wie der Uckermark oder Prignitz könnte der Wohnungsleerstand auf teilweise über 40 Prozent steigen. Bereits jetzt sei der 2002 als Bund-Länder-Programm gestartete Stadtumbau Ost zum Stillstand gekommen, sagte die BBU-Chefin.

Nachdem in den vergangenen zehn Jahren in Brandenburg von BBU-Mitgliedsunternehmen 52.000 Wohnungen abgerissen und der Leerstand halbiert worden sei, sei diese "Erfolgsgeschichte" nun gefährdet. "Bereits im vergangenen Jahr sind mit 2200 so wenig Wohnungen abgerissen worden wie noch nie seit Beginn des Programms", bedauert Verbandschefin Maren Kern.

Zumauern statt abreißen

Weil es keine Altschuldenhilfe mehr gebe, könnten die Wohnungsunternehmen leer stehende Wohnungen nur noch zumauern statt abreißen. In Brandenburger Landkreisen wie Elbe-Elster, Uckermark oder Oberhavel könnten deshalb in einigen Jahren bis zu 40 Prozent der Wohnungen leer stehen. Um in Brandenburg den Stadtumbau Ost fortzusetzen, für den der Abriss von 35.000 Wohnungen bis zum Jahr 2016 nötig sei, seien 300 Millionen Euro an Fördermitteln sowie 140 Millionen Euro für die Altschuldenhilfe nötig.