Grundstücke

Amt hat keine Zeit für Uferweg-Planung

Spandauer Anlieger am Groß Glienicker See sind dennoch beunruhigt. Sie fürchten um ihre Stege

- Entwarnung für die Grundstückseigentümer am Groß Glienicker See. Der Uferweg auf der Spandauer Seite, für den sie Teile ihrer Gärten abgeben müssten, rückt in weite Ferne. Derzeit kann das Bezirksamt Spandau noch nicht einmal die Voraussetzung dafür schaffen - nämlich einen Bebauungsplan, der diesen Uferweg festschreibt. "In den nächsten fünf Jahren sehe ich keine Möglichkeit, ein solches Planungsverfahren für den Groß Glienicker See zu beginnen", sagt Spandaus Baustadtrat Carsten Röding (CDU). "Es sei denn, es verändern sich Rahmenbedingungen, dann kann man darüber nachdenken." Dem Dezernenten fehlt Personal. Denn für andere Projekte im Bezirk laufen derzeit mehr als 100 Bebauungsplanverfahren, "über 30 davon mit höchster Priorität", sagt der Stadtrat. Doch nur dreieinhalb Stellen stehen in seiner Abteilung für Stadtplaner zur Verfügung. Und die haben alle Hände voll zu tun, um die bereits begonnenen Verfahren weiterzuführen.

Anlieger sind erleichtert

Viele Grundstückseigentümer am Groß Glienicker See sind erleichtert. "Eine wunderbare Nachricht", sagt Eva Bayreuther von der Bürgerinitiative Groß Glienicker See. "Das freut uns." Etwa 120 Parzellen gibt es am See. Die Bezirksverordneten-Versammlung Spandau hatte auf Initiative der SPD im März 2012 beschlossen, dass es den öffentlichen Uferweg geben soll. Eine Breite von 15 Metern ist vorgesehen. Doch die meisten Anlieger lehnen das ab. Stadtrat Röding kennt die Widerstände. "Und wenn der B-Plan für den Groß Glienicker See da wäre", sagt er, "hätte man die Fläche noch nicht." Denn dann müssten erst langwierige Verhandlungen über den Ankauf geführt werden, möglicherweise sogar Enteignungsverfahren. "Die Grundstücke am See haben einen hohen Wert", sagt Eva Bayreuther. "Wenn der Bezirk Teile davon abschneiden will, wird es zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen kommen." Sie sei nicht davon überzeugt, dass der Bezirk siegen würde. Eva Bayreuther befürchtet, dass wegen des Uferwegs viel Publikum an den See kommen wird. Bis jetzt ist er durch einen Schilfgürtel abgeschirmt, in dem Wasservögel nisten. "Den Uferweg werden Hundebesitzer nutzen und die Bewohner der neuen Häuser in der Landstadt Gatow", sagt sie. "Jede Attraktion zieht Menschen an."

Doch obwohl der Uferweg auf absehbare Zeit nicht angelegt wird, stellen sich auch die Berliner Anlieger des Gewässers auf eine Auseinandersetzung mit dem Bezirksamt Spandau ein. Sie fürchten, dass die Behörde ihnen nicht mehr erlaubt, die Stege zu benutzen, die vom Grundstück durch das Schilf in den See führen. Die Stege gehören den Grundstückseigentümern, aber der Spandauer Teil des Groß Glienicker Sees gehört dem Bezirksamt Spandau. Die Behörde kaufte den Anteil des Gewässers 2010 für etwa 255.000 Euro, um so den öffentlichen Zugang dauerhaft zu sichern. Zwar gibt es Pachtverträge über die Steganlagen. "Aber unsere Sorge ist, dass der Bezirk diese Verträge kündigt oder sie nicht mehr verlängert", sagt Eva Bayreuther. "Das wäre ein herber Verlust." Denn dann könnten viele Anlieger nicht mehr von ihrem Grundstück aus an den See. "Wir klären jetzt, ob wir dagegen vorgehen können", sagt Bayreuther. Die Initiative habe eine Rechtsauskunft in Auftrag gegeben, die die Möglichkeit prüfen soll, die Stege zu erhalten. Außerdem sei ein Fonds gegründet worden. "Wir bereiten uns auf juristische Auseinandersetzungen mit dem Bezirksamt vor." Doch derzeit könne man nur abwarten.

Bezirk will Verträge nicht verlängern

Die Stege seien nicht genehmigt, sagt Stadtrat Röding. Für die meisten Anlagen gebe es einen Pachtvertrag, der mit dem früheren Eigentümer des Sees abgeschlossen worden sei und der Ende 2013 auslaufe. Diese Verträge habe das Bezirksamt Spandau übernommen, so Röding. "Ich sehe aber keine Möglichkeit, dass wir sie über 2013 hinaus verlängern können." Doch die Anlieger würden in jedem Fall zuerst informiert, bevor offizielle Schritte eingeleitet würden. Steganlagen sollten begrenzt und gebündelt werden, heißt es auch in einer Broschüre der Senatsumweltverwaltung über den Groß Glienicker See. Die hohe Zahl der Stege im flachen Wasser wirke sich negativ auf die Wasserorganismen aus.

Der Groß Glienicker See ist etwa 67 Hektar groß. Durch seine Längsachse läuft die Grenze zwischen Berlin und Brandenburg. Für die Potsdamer Seite des Gewässers gibt es bereits einen rechtskräftigen Bebauungsplan, der einen Uferweg festschreibt. Um ihn anzulegen, sind 3400 Quadratmeter Fläche von privaten Grundstücken nötig. Die Eigentümer wehren sich seit Jahren dagegen. Einige haben Sperren auf ihren Grundstücken errichtet. Anfang 2012 hat die Stadt bereits Anträge auf Enteignung gestellt.