Immobilie

Landtag wird teurer - oder später fertig

Finanzminister und Baufirma streiten über Kosten, doch mehr als 20.000 Besucher auf der Baustelle kümmert das kaum

- Sonnenschein über dem Alten Markt. Ein paar Wolken am Himmel und Zehntausende Interessierte, die sich den Rohbau des neuen Brandenburger Landtags ansehen wollen. Zum ersten Mal ist an diesem Sonnabend Gelegenheit dazu. Chöre singen dazu Gospel, Seemannslieder und Popsongs. Ein rundum gelungener "Tag der offenen Baustelle" - wäre da nicht die Diskussion um längere Bauzeit und steigende Kosten für das große Prestige-Projekt. Bislang ist die Fertigstellung für den Herbst 2013 geplant.

In einer Podiumsdiskussion vor der Nikolaikirche stehen sich Finanzminister Helmuth Markov (Linke) und Alexander Naujoks, Vorstandschef des Bauträgers, der BAM Deutschland gegenüber, doch sie nennen keine Einzelheiten. Man verhandele mit der BAM seit mehr als einem Jahr, weil es Nachträge gebe, sagt der Minister. "Was wir nachträglich bestellt haben, müssen wir auch zusätzlich bezahlen." Es gebe andere Kosten, die das Land nicht verursacht habe, und für die die BAM trotzdem Geld wolle. "Das will ich nicht bezahlen." Er rede über diese Summen nicht öffentlich, so der Finanzminister. "Wir verhandeln, und wenn wir fertig sind, sagen wir, wie viel mehr der Bau kostet, und aus welchen Gründen."

Mehr Datenleitungen erforderlich

Auch der Stuttgarter Naujoks vermeidet detaillierte Zeit- und Kostenangaben. "Es gibt zwei Zeitansätze", sagt er hinterher, auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Der eine liege im Herbst, und der andere sei "das Jahresende 2013". Beides sei machbar. Darüber werde jetzt mit dem Land diskutiert.

Das Vorhaben entsteht in privat-öffentlicher Partnerschaft. Naujoks verweist auf den Vertrag, der aus dem Jahr 2008/2009 stammt. "Da wurden auch die technischen Grundlagen gelegt." Im Landtag solle jedoch keine alte, sondern neue Technik installiert werden. Dies bedeute mehr Datenübertragung, "einen Wust an Kabeln", sagt der BAM-Vorstandschef. Die alte Version habe 30 Kilometer an Medienleitungen vorgesehen. "Jetzt ist die sechsfache Menge vorgesehen, also 180 Kilometer." Deshalb müsse nachgerüstet werden. Wenn es mehr Datenleitungen gebe, müssten Kühlung und Lüftung verändert werden. "Aus einer Änderung ergeben sich weitere", so Naujoks. Die Fertigstellung im Herbst 2013 sei machbar, wenn man mehr Personal beim Bau einsetze. "Da entsteht ein gewisser Kostenfaktor, und den muss man abwägen." Wenn man diese Mehrkosten nicht wolle, dann werde der Bau erst zum Jahresende fertig. Man müsse sich auf eine Standardtechnik für den Landtag einigen und dann bei Firmen erfragen, was diese Technik kostet. "Genau in diesem Prozess sind wir jetzt."

Ob Herbst oder Winter 2013 - auf der Schaustelle spielt diese Diskussion am Sonnabend nur eine Nebenrolle. Die Besucher sind im Banne der Fassaden, die sich schon abzeichnen, der roten Ziegel und Säulen. Sie sehen das kupferne Dach in der Sonne glänzen und betreten über das Treppenhaus den künftigen Landtag. Die Pracht des alten Stadtschlosses ist zu ahnen. Etwas wie Ehrfurcht und Andacht liegt in der Luft. "Die Terminverschiebung ist mir völlig egal", sagt eine ältere Dame. "Hauptsache, es wird vernünftig gemacht."

Auch ihre Begleiterin meint: "Wenn man sieht, was hier gemacht wird, sollte man nicht auf die Woche gucken." Die beiden Potsdamerinnen sind 1943 geboren. Ihren Namen wollen sie nicht nennen. Aber sie erzählen aus der gemeinsamen Schulzeit. "Als die Ruine des Schlosses noch stand, haben wir Steine sichern müssen", sagt eine der beide. Große Ziegel seien es gewesen, die gestapelt und dann für andere Bauten verwendet wurden. "Ich bin beeindruckt, dass ich den Neubau jetzt von innen gesehen habe", sagt die andere Dame. "Dass er so riesenhaft ist, habe ich von außen nicht so empfunden." Unter einem Zelt im Hof arbeitet Steinmetz Martin Richter, umringt von Neugierigen. Mit dem Bildhauereisen bearbeitet er einen Sandstein für das Gesims. "Toll", raunt ein Besucher seiner Begleiterin zu. "Toll", antwortet sie. Auch Christa Kauert sieht sich staunend im Innenhof um. Seit 1965 lebt sie in Potsdam. Dass der Bau länger dauern könnte, "stört mich nicht", sagt die 70-Jährige. Sie bewundert die Fenster, die Klinker und das Dach. Aber noch teurer sollte der Landtag nicht werden, meint sie.

Verhandlung über Zusatzleistungen

Auch Finanzminister Markov will weitere Kosten vermeiden. "Wir verhandeln seit einem Jahr mit der BAM über zusätzliche Leistungen", sagt der Linken-Politiker. "Wir können noch keinen genauen Fertigstellungstermin sagen, weil wir noch nicht am Ende der Verhandlungen sind." Es gehe um viel Geld, so Markov, "denn Bauzeitverzögerung kostet Geld." Im Vertrag stehe, dass der Bauträger dafür sorgen müsse, dass Datensignale im Landtagsgebäude empfangen und von dort gesendet werden können. "Da steht nicht, welche Technik zu benutzen ist", sagt Markov. "Und ich bin nicht dafür verantwortlich, wenn heutzutage eine andere Technik üblich ist als vor fünf Jahren." Dass die heutige Technik teurer sei, "das ist nicht meine Sache." Doch der Bauträger führe auch an, dass auf Wunsch des Landes Änderungen zum Beispiel an Wänden im Gebäude vorgenommen wurden, die sich auf die Signalübertragung auswirken. "Über diese Einzelheiten reden wir." Für die Bausumme seien 120 Millionen Euro vorgesehen gewesen. "Wo wir am Ende landen werden, kann ich Ihnen noch nicht sagen", sagt Markov. Das debattieren wir mit der BAM." Er müsse pingelig sein, wenn es um die Finanzierung geht, sagt Markov. "Es ist nicht mein Geld, sondern das der Steuerzahler."