Helmuth Markov

Der Minister und das liebe Vieh

Helmuth Markov streitet sich mit einer Pferdepension in Bötzow. Die Behörde verlangt den Abriss von Unterständen

- Die dörfliche Idylle hat den Ausschlag dafür gegeben, dass Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) mit seiner Familie vor etwa zehn Jahren nach Bötzow im Kreis Oberhavel gezogen ist und dort ein Haus baute. Damals arbeitete er noch als Europaabgeordneter im fernen Brüssel und Straßburg und war nicht oft zu Hause. Heute findet er wieder etwas mehr Zeit für die Familie. Doch von Idylle kann keine Rede mehr sein: Markov und seiner Familie stinkt es gewaltig. Etwa 25 Meter von ihrem Haus entfernt liegt ein Misthaufen. Der sorgt nicht nur für Geruchsbelästigung, sondern auch für jede Menge Fliegen - die den Weg auf den sonntäglichen Erdbeerkuchen finden. Seit Jahren liegen die Markovs deshalb mit den Besitzern der nahe gelegenen Pferdepension im Streit.

Auseinandersetzung eskaliert

Jetzt ist die Auseinandersetzung eskaliert: Das Betreiberpaar Heinzig soll auf Anweisung des Bauordnungsamtes Oranienburg die eingezäunten Ausläufe für die Pferde hinter dem Stall bis 24. Mai entfernen. Und damit auch den Misthaufen. "Uns droht nun, dass wir die Pferdepension schließen müssen", sagt Jacqueline Heinzig. Sie gibt den Markovs dafür die Schuld.

Die Berliner Pferdefreunde hatten den Vierseithof in der Nähe des Krämerwaldes Ende 2006 gekauft und mit viel Aufwand hergerichtet. Anfang 2007 eröffneten sie die Pferdepension an der Dorfaue. "Hier gab es schon seit mehr als hundert Jahren Pferde", sagt Jacqueline Heinzig. "Einst war der Hof die Umspannstation für die Kutschen auf der alten Hamburger Poststraße, später ein Zuchtstall - ein Ort mit langer Tradition." Der Reitstall verfügt über acht Innenboxen und sieben sogenannte Paddockboxen, das sind eingezäunte Ausläufe mit Unterständen für Pferde. Zudem gibt es eine kleine Halle und einen Naturreitplatz. Derzeit betreuen Jacqueline und Andreas Heinzig 15 Pferde.

Vor etwa fünf Jahren hatten sich die Markovs erstmals über die Geruchsbelästigung beklagt, erinnert sich Jacqueline Heinzig. Man habe daraufhin den Misthaufen, der etwa 25 Meter von Markovs Haus entfernt liegt, mit einer Plane abgedeckt und ummauert. Ende 2010 kam dann die Anzeige. Gestellt habe sie Frau Markov, behauptet Jacqueline Heinzig. Der Vorwurf: Von den Unterständen, die Heinzigs gebaut hatten, gehe eine unzumutbare Geruchs- und Lärmbelästigung aus, und es gebe zu viel Ungeziefer. Nach Informationen der Berliner Morgenpost haben allerdings weder Helmuth Markov noch seine Ehefrau Anzeige gestellt. Dennoch wurden die Ordnungsbehörden tätig.

Nach einer Besichtigung durch das Bauordnungsamt im März 2011 kam das für die Heinzigs schockierende Ergebnis: Angeblich haben sie die Paddocks, die nachts als Unterstände für die Pferde dienen, in einem Wohngebiet errichtet. Sie hätten einen Bauantrag stellen müssen. Heinzigs sind immer noch anderer Ansicht. "Da wir einen eingetragenen landwirtschaftlichen Betrieb haben, können wir Unterstände bis zu fünf Meter Höhe auch ohne Baugenehmigung errichten", sagt Jacqueline Heinzig. Im Katasteramt werde die Fläche als landwirtschaftliches Nutzland geführt. Die Betreiber stellten im Sommer 2011 dann doch nachträglich einen Bauantrag - aber unter Vorbehalt. Der Bauantrag wurde durch die Gemeinde Oberkrämer abgelehnt. Die Untere Wasserbehörde und das Umweltamt dagegen hätten keine Probleme gesehen, sagt Jacqueline Heinzig.

Das Ehepaar hat Widerspruch eingelegt. Doch nun wird die Zeit knapp. Bis Ende Mai soll das Ehepaar die Paddocks abreißen. "Das werden wir nicht hinnehmen. Es geht um unsere Existenz", sagt Jacqueline Heinzig. "Wir werden notfalls bis vors Verwaltungsgericht ziehen."

Die Markovs haben längst eine mehr als zwei Meter hohe Glaswand vor ihrem Haus errichtet. Offenbar aber liegen nur sie mit der Pferdepension im Clinch. Denn andere Nachbarn sehen sich nicht belästigt. Inzwischen haben Anwohner 25 Unterschriften für den Erhalt der Pferdepension gesammelt.

Heinzigs haben auch einen Brief an Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) geschrieben - in der Hoffnung, dass er sie unterstützt. Die Geschichte dürfte Platzeck nicht gefallen: Sein Finanzminister steht nun als Pferdehasser da. Für einen stellvertretenden Ministerpräsidenten, der Markov auch ist, kein schönes Image, ausgerechnet im ländlichen Brandenburg.

"Reine Verwaltungsangelegenheit"

Alles Privatsache, heißt es zum Fall im Potsdamer Finanzministerium. Also gibt es auch keinen Kommentar. Finanzminister Helmuth Markov will sich ebenfalls partout nicht zu dem Konflikt um die angeblich illegalen Unterstellboxen äußern. Der 59 Jahre alte Linke-Politiker sagte der Berliner Morgenpost am Dienstag: "Es geht hier um eine reine Verwaltungsangelegenheit."