Countdown Flughafen: Noch 41 Tage

Servieren, renitente Passagiere fesseln - und stets lächeln

Die Lufthansa bildet am BER 240 neue Flugbegleiter aus

- Als die viertgrößte spanische Fluggesellschaft Spanair Anfang des Jahres Insolvenz anmeldete, war Sonia Gutierrez (37) verzweifelt. 15 Jahre lang hatte sie als Flugbegleiterin die Passagiere betreut. Diesen Beruf wollte sie unbedingt weiter ausüben. Als sie sich abends bei dem sozialen Netzwerk Facebook einloggte, sah sie, dass die Lufthansa am Standort Berlin 240 Flugbegleiter suchte. Eine ehemalige Kollegin hatte den Hinweis dort gepostet. Da Sonia Gutierrez schon vor acht Jahren aus Madrid nach Berlin gezogen war, war dies für sie der perfekte Zufall. "Ich habe mich sofort beworben und bin froh, dass es geklappt hat."

Im Schulungszentrum der Lufthansa in Schönefeld absolviert sie derzeit einen vierwöchigen Kurs. Danach muss sie zehn Tage nach München und wird von dort aus zusammen mit erfahrenen Flugbegleitern der Lufthansa an Bord eingesetzt. Erst dann ist ihre Ausbildung bei der größten deutschen Fluggesellschaft zu Ende. Darum kam sie trotz ihrer langjährigen Erfahrung an Bord nicht herum. "Der Kurs war aber auch gut, um die anderen Kollegen schon einmal kennenzulernen", sagt Sonia Gutierrez. "Denn für die Arbeit an Bord ist ein gutes Team sehr wichtig."

Ein Drittel ihrer neuen Kollegen ist aus der Region Berlin und Brandenburg. Die anderen kommen aus dem Rest Deutschlands, aber auch aus dem Ausland wie etwa Italien, Frankreich, der Türkei und dem Iran. Sie alle sprechen Deutsch und Englisch. Eine weitere Sprache ist wünschenswert, aber nicht Voraussetzung. 100 Stellen hat die Lufthansa nach wie vor zu besetzen, bevor die Arbeit für die neuen Flugbegleiter zeitgleich mit der Eröffnung des Flughafens BER beginnt. Von diesem Zeitpunkt an will die Lufthansa ihr Streckennetz am Standort Berlin deutlich ausbauen. Derzeit fliegt die Airline mit dem Kranich im Logo elf Ziele von Berlin aus an. Diese Zahl soll Anfang Juni auf 50 steigen, wenn man das Angebot der Kooperationspartner dazu zählt.

Elena Asseva Ivanova (22) hat gerade erst mit der Ausbildung begonnen. Zu Hause hat sie bereits drei Tage einen Online-Kurs gemacht, bei dem ihr Grundlagen beigebracht wurden. Bei der Ausbildung in Schönefeld geht es zuallererst darum, die Flugbegleiter auf Notfälle vorzubereiten und sie mit dem Service vertraut zu machen. Dafür wurde ein Raum wie das Innere einer Kabine mit Sitzreihen und Bordküche nachgebaut. Dort lernt Elena Asseva Ivanova, die Fluggäste lächelnd zu bedienen, aber auch richtig zu reagieren, wenn die Wunschmahlzeit vergriffen ist und sich ein Passagier beschwert. Sollte der Fluggast handgreiflich werden, muss er zum Schutz der Crew und der anderen Passagiere gefesselt werden. Damit Elena Asseva Ivanova auch mit körperlich überlegenen Passagieren fertig wird, zeigen ihr die Ausbilder Tricks.

Bevor sie sich bei der Lufthansa beworben hat, war sie persönliche Assistentin des früheren Bundesliga-Fußballers Francis Kioyo (heute SpVgg Bayreuth). "Jetzt freue ich mich auf das Reisen und die vielen Länder, die ich als Flugbegleiterin hoffentlich kennenlernen werde", sagt Elena Asseva Ivanova. "Außerdem sind die Arbeitszeiten künftig deutlich flexibler als in meinem alten Job." Wenn sie Bereitschaftsdienst hat, weiß sie spätestens eine Stunde vor Abflug Bescheid, dass sie beispielsweise für einen erkrankten Kollegen einspringen muss. "Doch das ist ohnehin nur an einigen Tagen im Monat der Fall, sodass man sich gut darauf einstellen kann", sagt ihre Kollegin Sonia Gutierrez.