Neues Palais

Einblick ins Hundezimmer

Das Lesekabinett von Friedrich II. im Neuen Palais ist wieder zugänglich. Eröffnung am 28. April zur Schau "Friederisiko"

- Ein winziges Zimmer im prunkvollen Neuen Palais im Potsdamer Park Sanssouci als Rückzugsort für den Preußenkönig: Das Kleine Lesekabinett in der einstigen Privatwohnung von Friedrich II. war jahrzehntelang geschlossen - mit Beginn der Sonderausstellung "Friederisiko" am 28. April wird der restaurierte Raum wieder zugänglich sein. Die Schau ist Herzstück zahlreicher Veranstaltungen anlässlich des 300. Geburtstags des Herrschers in diesem Jahr.

Vom prächtigen Speisezimmer mit Kronleuchter führt eine Tür in ein zwölf Quadratmeter großes und 6,20 Meter hohes Zimmer - eines der kleinsten im Palais. Dort hatte sich Friedrich der Große (1712 bis 1786) mit seinen Hunden aufgehalten und gelesen, sagte Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), Hartmut Dorgerloh, am Montag in Potsdam. Deshalb sei es auch oft Hundezimmer genannt worden.

Friedrich II. als Regelbrecher

Der Raum in der Königswohnung sei aufwendig restauriert worden, sodass nun ein authentischer Einblick möglich sei, sagte der Fachbereichsleiter für Holzrestaurierung der Stiftung, Thomas Kühn. Unter anderem seien Holzkonstruktionen an originalen Möbelstücken wie Armlehnsesseln oder einem Kanapee stabilisiert und Schnitzereien ergänzt worden. "Die Möbel waren zuvor ziemlich kaputt und zusammengefallen", sagte Kühn. Sie seien teilweise im Depot der Stiftung eingelagert gewesen.

Ein besonderes Merkmal des Lesekabinetts ist eine dem Original nachempfundene grüne Wandbespannung aus Seide. Der Stiftung zufolge wurde der Stoff auf Grundlage gefundener Faserreste am Sofa hergestellt.

Neben den prunkvollen Räumen wie dem Marmorsaal gebe das Palais gerade durch die Details wie dem Kleinen Lesekabinett einen umfassenden Einblick in die Persönlichkeit des Preußenkönigs, betonte Dorgerloh. "Die Lage und Struktur seiner Wohnung wirft Fragen auf." So habe sich Friedrich nicht an die damals strengen Regeln des königlichen Lebens gehalten. Stattdessen habe er seine Wohnung nach individuellen Vorstellungen maßschneidern lassen. "Das war ein Zeichen von Souveränität. Er war so erfolgreich, dass er sich nicht nach dem Standard einrichten musste." Ungewöhnlich sei für damalige Wohnverhältnisse ein Schiebefenster im Kleinen Lesekabinett gewesen, durch das die Hunde des Königs Dorgerloh zufolge freien Auslauf in den Park hatten. Auch ein an der Wand hängendes Bücherregal habe nicht der geltenden Norm entsprochen.

In knapp zwei Wochen öffnet die Sonderausstellung "Friederisiko. Friedrich der Große". Sie läuft bis zum 28. Oktober. 350.000 Besucher werden in der etwa sechs Millionen Euro teueren Schau erwartet. 70 der insgesamt rund 630 Räume des Palais - entstanden nach dem Siebenjährigen Krieg und als Zeichen der Stärke des Königs - sind dann zu besichtigen, viele davon erstmals. Das Untere Fürstenquartier hatte der Monarch ganz nach seinem Geschmack eingerichtet. "Er hat sich an keine Regeln gehalten", erläutert Dorgerloh. "Das Beste, Schönste und Teuerste war gerade gut genug." Die Friederisiko-Schau soll Ideen, Denken und Handeln des Königs vermitteln. 500 zusätzliche Exponate werden in zwölf Themenkomplexen präsentiert. Erläutert werden unter anderem ein ganz normaler Tagesablauf des Königs, sein Verhältnis zu Freunden oder seine Ansichten zur Religion.

Der Preußenkönig wäre am 24. Januar 300 Jahre alt geworden.