Countdown Flughafen: Noch 53 Tage

Mit Hightech für mehr Sicherheit

35 Millionen Euro werden am neuen Großflughafen BER in die neueste Kontrolltechnik investiert

- Es ist nur ein schmaler Strich, der auf dem Bildschirm zu sehen ist. Doch dem Mann in Uniform vor dem Monitor signalisiert das Bild: Gefahr! Zu Recht, denn der Strich entpuppt sich als Springmesser mit langer scharfer Klinge, das der Passagier in seinem Handkoffer unerlaubt mit an Bord seines Fluges nach Budapest schmuggeln wollte.

Was derzeit von Bundespolizisten und Mitarbeitern der privaten Sicherheitsfirma Securitas bis zu drei Mal in der Woche in Schönefeld intensiv geprobt wird, muss vom 3. Juni an reibungslos funktionieren. Dann wird der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) eröffnet, und pro Stunde müssen bis zu 4500 Passagiere kontrolliert werden, ob sie Waffen und andere gefährliche Gegenstände mit dabei haben. Anders als in Tegel wird die in der EU einheitlich vorgeschriebene Luftsicherheitskontrolle nicht für jeden Abflug einzeln am Gate vorgenommen, sondern zentral für alle Flüge. Dafür sind in der Haupthalle des Terminals 30 sogenannte Kontrolllinien eingerichtet - also Sicherheitsschleusen, in denen die Passagiere und deren Handgepäck kontrolliert werden.

Zentralisierte Kontrollen

Solche zentralisierten Kontrollen sind inzwischen weltweit Standard, vor allem, weil sich dadurch Personal und Technik wesentlich effektiver als bei Einzelkontrollen einsetzen lässt. Der Nachteil: Sollte doch mal ein Passagier - gewollt oder ungewollt - mit verdächtigen Utensilien im Gepäck durch die Kontrolle schlüpfen, muss gleich die gesamte Abflughalle geräumt werden. Eine Entscheidung, die den Flugplan an einem Airport kräftig durcheinanderbringen kann. "Wir haben da überhaupt keinen Spielraum: Wenn es einen solchen Verdacht gibt, dann muss geräumt werden", sagt Horst Lang, Chef der für die Berliner Flughäfen zuständigen Direktion der Bundespolizei.

Die Furcht vor einem solchen Szenario ist nicht unbegründet. Im Januar 2010 hatte es am Flughafen München stundenlang Chaos gegeben, weil ein Passagier den Kontrollbereich vorzeitig verlassen hatte. Dabei sollte sein Laptop noch auf Sprengstoff untersucht werden. Der Verdacht erwies sich am Ende als unbegründet, der Geschäftsmann, der kein Deutsch sprach, hatte nur die Aufforderung zum Warten nicht verstanden. Doch bis zur Klärung des Zwischenfalls war der Flughafen über Stunden lahmgelegt. Für den Betreiber ist das eine teure Angelegenheit. Damit sich das in Schönefeld nicht wiederholt, vor allem aber, damit es niemandem gelingt, mit Waffen in den Abflugbereich oder gar in ein Flugzeug zu gelangen, beteiligen sich auch die Bundespolizisten und Securitas-Mitarbeiter intensiv am BER-Probebetrieb. Allein die Bundespolizei wird am BER mit 750 Beamten präsent sei. Die gesamte Direktion, die auch den Schutz des unterirdischen Bahnhofs und der angrenzenden Bahnanlagen übernimmt, verfügt sogar über 4200 Einsatzkräfte. Darunter sind allein 54 Sprengstoff-Spezialisten und 50 Experten für Ausweisdokumente. "Insgesamt werden wir am neuen Großflughafen mehr Beamte im Einsatz haben als an den beiden Alt-Flughäfen in Tegel und Schönefeld", sagt Polizeidirektor Lang.

Doch auch technisch wird am Willy-Brandt-Flughafen in Sachen Sicherheit aufgerüstet. Insgesamt 42 Kontrolllinien sind am BER aufgebaut, 30 davon nebeneinander in der Haupthalle, weitere zwölf in anderen Teilen des Terminals. Dort werden zum Beispiel Transfer-Passagiere aus unsicheren Herkunftsländern vor der Weiterreise überprüft. Auch vor Abflügen nach Israel und in die USA wird es wie bisher gesonderte Kontrollen geben.

Gepäck doppelt durchleuchtet

Die am BER aufgestellten Röntgengeräte zur Kontrolle des Handgepäcks sind laut Polizeidirektor Lang "das Modernste an Technik, was wir in Deutschland haben". Zu den Besonderheiten gehört, dass das Gepäck aus zwei Blickwinkeln gleichzeitig durchleuchtet wird. Was auf dem einen Bild nur ein schmaler Strich, ist auf dem anderen als Messer gut zu erkennen. Die Chance, dass jemand unbemerkt gefährliche Gegenstände durch die Kontrolle bekommt, sinkt so erheblich.

Weitere Besonderheit: Ein Teil der Geräte ist bereits in der Lage, Flüssigkeiten auf gefährliche Substanzen hin zu untersuchen. Seit einem versuchten Terroranschlag 2006 in London ist die Mitnahme von Getränken und Parfüms im Handgepäck streng reglementiert. Sollten die Verbote aber, wie in der EU derzeit diskutiert, 2013 gelockert werden, muss es eine geeignete Kontrolltechnik an den Flughäfen geben. Mehr als 500 verschiedene Substanzen sollen die neuen Geräte "erkennen" und auf ihre Gefährlichkeit hin bewerten können. Wie notwendig Sicherheitskontrollen sind, zeigen die Zahlen der aktuellen Berliner Flughäfen. Dort kam es laut Bundespolizei im Vorjahr zu insgesamt 200.000 sogenannten Feststellungen, das heißt, es wurden zu lange Messer und Scheren (Gesamtklingenlänge von mehr als sechs Zentimetern) oder andere unerlaubte Gegenstände im Handgepäck gefunden. Pro Monat werden zudem etwa neun Tonnen Flüssigkeiten einbehalten.

Insgesamt 35 Millionen Euro hat der Bund in die Kontrolltechnik am BER investiert. Refinanziert wird das Geld über die Luftsicherheitsgebühr, die jeder Fluggast beim Ticketkauf zahlen muss.