Hohe Benzinpreise

Der Tanktourismus lebt wieder auf

Wegen der hohen Benzinpreise fahren viele Brandenburger nach Polen. Doch so richtig billig ist es in Slubice nicht mehr

- Jetzt, da die Benzinpreise in Deutschland historische Höchststände erreicht haben und auch die polnischen Tankstellen preislich nachziehen, sollten deutsche Kunden noch sorgfältiger sein, rät er. "Wer sein Geld vorher umtauscht, zahlt keine Transaktionsgebühren", bestätigt Mario Quast vom deutsch-polnischen Kooperationszentrum der Sparkassen in Frankfurt. Die polnische Nationalbank gebe jeden Tag einen aktuellen Wechselkurs heraus, Tankstellen würden allerdings ihren eigenen festlegen - und da käme der Kunde meistens schlechter weg.

Hohe Preise im Grenzraum

Angesichts eines ohnehin hohen Preisniveaus müsse man nicht mehr ausgeben, als nötig, sagt Mario Quast, dessen Angaben nach die Preise erfahrungsgemäß im Grenzraum am höchsten angesetzt sind. "Fährt man weiter ins Land hinein, kann man dort auch günstiger tanken." Und doch: Der Tanktourismus boomt.

Slubice habe in der Tat das Preisniveau einer polnischen Großstadt, bestätigt Katarzyna Trietz vom deutsch-polnischen Verbraucherinformationszentrum in Frankfurt. Das tröstet viele deutsche Kunden wenig. "Ich habe keine Zeit, noch weiter zu fahren", sagt Frank Kassner aus Eisenhüttenstadt, der neben seinem Tank wie viele andere auch noch Reservekanister an einer Slubicer Tankstelle befüllt. "Sicher ist sicher, wer weiß, wie weit die Preistreiberei noch geht, und so spart man schon mal einen Zwanziger." Allerdings sei auch in Polen nicht mehr so viel zu sparen wie früher.

20 Grozy Ökosteuer pro Liter zusätzlich machten den Diesel-Kraftstoff zeitweise genauso teuer wie in Deutschland. Beim Benzin orientiert man sich inzwischen wohl auch an deutschen Preisen - je nach Wechselkurs sank die Ersparnis auf zehn bis 15 Cent pro Liter. Das führte Anfang Februar zu gähnender Leere an den polnischen Zapfsäulen. Die deutschen Kunden verzichteten, und die Polen selbst können sich das teuere Benzin oder die aktuellen Dieselpreise aufgrund geringerer Einkommen erst gar nicht leisten. Durch den nochmaligen deutschen Preisschub für Kraftstoff zieht es die deutschen Kunden inzwischen wieder zurück an die polnischen Tankstellen. Immerhin liegen die Preise für Diesel inzwischen wieder 15 Cent unter den deutschen, bei Super sind es sogar 25 bis 28 Cent pro Liter.

In der Woche kämen die Grenzbewohner, an den Wochenenden Berliner und Potsdamer, sagt Tankwart Jaroslaw Szudek aus Slubice. Zeit für ein längeres Schwätzchen hat er nicht, die Kunden stehen Schlange.

Einkaufen in Polen lohnt sich nach wie vor, wenn man gleich mehrere Sachen im Nachbarland erledigt und weiß, wo es sich sparen lässt, sagt die deutsch-polnische Verbraucherberaterin Trietz und verweist auf die Internetseite der Verbraucherberatung mit aktuellen Preisvergleichen.

Unter www.konsument-info.eu finden sich aktuelle Erhebungen zu Kosten für ausgewählte Lebensmittel, Benzin und Dienstleistungen. Was sich in Polen nicht lohnt, dafür hat Verbraucherberaterin Trietz einen einfachen Tipp: "Schauen Sie einfach, was polnische Kunden in Deutschland kaufen - Waschmittel, Schokolade, Butter, Drogerieartikel."

"Tanken, Einkaufen, Friseur, chemische Reinigung", fasst sie die Bereiche zusammen, in denen sich wirklich sparen lässt. Stark nachgefragt werden ihren Angaben nach polnische Handwerkerleistungen rund um den Hausbau. "Da gibt es gegenüber deutschen Firmen offenbar große Sparpotenziale." Das kann auch Quast bestätigen. Allerdings: "Entscheidend ist nicht mehr in erster Linie der Preis, sondern Service und Qualität." Ohnehin sieht er das östliche Nachbarland nicht länger als Schnäppchenparadies. "Die polnischen Preise werden damit auch weiter anziehen. Schnäppchen sind da höchstens noch auf den Grenzbasaren zu machen", ist der Sparkassen-Fachmann überzeugt.

Bereits seit Jahren hat das östliche Nachbarland seinen Angaben nach ein stabiles bis dynamisches Wirtschaftswachstum, ist zu einem attraktiven Standort für Investitionen geworden. "Polen exportiert beispielsweise mehr Autoteile nach Deutschland als umgekehrt." Die Arbeitslosenquote liegt bei zwölf Prozent, Löhne steigen kontinuierlich.

Laut Mario Quast vom Kooperationszentrum betrug das polnische Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr 4,3 Prozent, der EU-Durchschnitt liegt bei lediglich 1,7 Prozent. Spürbar wird diese Entwicklung auch beim Wechselkurs: Vor Weihnachten bekam der Kunde für einen Euro 4,50 Zloty, heute sind es gerade noch 4,13 Zloty. Die polnische Währung wird angesichts des Wirtschaftswachstums zunehmend stärker, während der Euro aufgrund der Finanzkrise eher schwächelt.

Euro-Einführung kein Thema mehr

Kein Wunder also, dass die Euro-Einführung in Polen derzeit kein Thema mehr ist. Ursprünglich war sie für dieses Jahr geplant. "Das wird in den nächsten fünf Jahren wohl nichts", glaubt Polen-Experte Quast, "die polnische Nationalbank installiert zwar derzeit Infozentren zur Aufklärung der Bevölkerung dazu, aber laut den EU-Vorgaben sind mindestens drei Jahre Vorbereitung auf die Euro-Einführung notwendig."

Befürchtungen, die deutschen Kunden könnten gänzlich ausbleiben, hat er nicht. "Viele interessieren die aktuellen Wechselkurse gar nicht so sehr. Für sie ist der Einkauf in Polen Gewohnheit oder aber sie kaufen gezielt polnische Produkte, die sie so in Deutschland nicht bekommen."