Countdown Flughafen: Noch 64 Tage

Und immer grüßt Willy Brandt

Berlins ehemaliger Bürgermeister wird zum Werbebotschafter für den neuen Flughafen BER

Er warb für Berlin, als der Rest der Welt die geteilte Stadt zu vergessen drohte. Für seine Bemühungen um eine Versöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern wurde ihm 1971 in Oslo der Friedensnobelpreis verliehen.

Ab Juni wird sein Name den neuen Hauptstadt-Flughafen BER schmücken. 2009 hatte sich der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft für diesen Beinamen entschieden. Bei der Fahrt zum Terminal werden Reisende den Schriftzug "Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt" an der Außenseite sehen können. Auch die freie Fläche vor dem Terminal wird Willy-Brandt-Platz genannt werden. Und falls Berlin-Besucher Schwierigkeiten haben sollten, Willy Brandt historisch zu verorten, können sie sich an einer Installation neben den Check-In-Schaltern über das Leben des SPD-Politikers informieren.

Start der Kampagne

Nun beginnt für den Flughafen BER die entscheidende Phase. In wenig mehr als zwei Monaten sollen die ersten Flieger am Morgen des 3. Juni von dort abheben. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) stellten daher am Freitag zusammen mit Flughafenchef Rainer Schwarz die Kampagne vor, mit der in den kommenden Wochen für den BER geworben werden soll. Sie ist ganz auf den Namensgeber Willy Brandt ausgerichtet und soll vor allem die Berliner und Brandenburger auf den neuen Flughafen einstimmen. Die ersten Plakate hängen bereits in der Stadt. Zudem soll der Kurzfilm "Willy Brandt begrüßt die Welt" unter anderem in 262 Kinos in der Hauptstadtregion sowie im überregionalen Fernsehen zu sehen sein.

Klaus Wowereit ist sehr zufrieden mit der Wahl des Namensgebers. "Berlin hat Willy Brandt viel zu verdanken", sagte Wowereit. Oft werde er nach politischen Vorbildern gefragt, so Wowereit. Für ihn habe Willy Brandt diese Rolle übernommen. "Er hat viel für den Weg zur Wiedervereinigung getan und das war damals nicht bei allen hoch angesehen." So habe Brandt etwa durch den Abschluss des Passierscheinabkommens, das den Besuch von West-Berlinern im Ostteil der Stadt regelte, das Leben für die Bürger erträglicher gemacht.

Auch Ministerpräsident Platzeck betonte, wie wichtig Willy Brandts Streben nach einer Annäherungen zwischen Ost und West für viele Bürger in der DDR war. Platzeck selbst ist in Potsdam nahe der Glienicker Brücke aufgewachsen. Dort konnte er die Abendnachrichten aus dem Westfernsehen empfangen. "Willy Brandt war damals für uns die Stimme der Freiheit, die aus dem Westen Berlins in den Osten herüberkam", sagte Platzeck.

Eine Million Euro kostet die Werbung für den neuen Flughafen. In der Öffentlichkeit ist das Bauprojekt vor allem wegen der Sorge um Fluglärm umstritten. Dazu hat erst in der vergangenen Woche eine Entscheidung des Verkehrsministeriums beigetragen, derzufolge die Flugzeuge in einem eng definierten Bereich östlich und westlich des Flughafens später als bislang geplant den Landeanflug beginnen dürfen. Bewohner von Potsdam und der Region Teltow befürchten nun, dass diese Entlastung der einen für sie wiederum eine größere Störung bedeutet. Diese Unsicherheit über die tatsächlichen Auswirkungen trübt bei einigen die Freude auf den Hauptstadt-Airport.

Die Politiker betonten daher erneut, wie sehr die Region wirtschaftlich von dem Flughafen profitieren werde. Die anvisierten 40.000 zusätzlichen Arbeitsplätze seien laut Wowereit eine seriöse Prognose und sogar noch vorsichtig kalkuliert. Ministerpräsident Platzeck verglich den Flughafen mit einem eigenen Konjunkturpaket. So hätten Firmen in der Airport-Region bereits mehr als zweieinhalb Milliarden Euro investiert. Über 60 Prozent der Bauaufträge gingen zudem an Unternehmen in Brandenburg.

In dem Werbefilm des neuen Flughafens sieht man zu Beginn Berlin aus der Luft. Die Sonne steht tief. Golden spiegelt sie sich wider. Da ertönt die Stimme Willy Brandts im Hintergrund, der "einen ganz herzlichen Gruß an die Berlinerinnen und Berliner in allen Teilen der Stadt" richtet. "Dies ist ein schöner Tag nach einem langen Weg". Brandt sprach diese Worte am 10. November 1989 vor dem Rathaus Schöneberg. In der Nacht zuvor war die Berliner Mauer gefallen.

Brandt hatte als Bürgermeister Berlins 1963 den US-Präsidenten John F. Kennedy im Westteil der Stadt empfangen. 1970 setzte er als Bundeskanzler durch den Kniefall vor dem Mahnmal für die Opfer des Aufstandes im Warschauer Ghetto ein Zeichen, das Deutschlands Bild in der Welt veränderte. Er starb 1992.