Kommentar

Potsdam muss Klarheit schaffen

Wenn in knapp drei Monaten die ersten Jets von der neuen Startbahn in Schönefeld abheben, dann werden es viele Anwohner schmerzhaft zu hören bekommen. Erst in fünf Prozent der Häuser, die unter den An- und Abflugrouten am BER liegen, sind bisher tatsächlich Schallschutzfenster eingebaut.

Das liegt einerseits an der Zurückhaltung der Eigentümer. Gerade einmal zwei Drittel der Anspruchsberechtigten haben rechtzeitig die notwendigen Anträge gestellt, viele schreckten offenbar vor dem bürokratischen Aufwand zurück. Daher ist es richtig, dass die Flughafengesellschaft jetzt aktiv auf die Hausbesitzer zugehen will, um ihnen beim Ausfüllen der Anträge zu helfen. Doch dass selbst diejenigen, die bereits eine Kostenübernahme in der Tasche haben, nicht darauf eingehen, hat einen anderen Grund. Sie wollen spürbar mehr Lärmschutz, als ihnen die Flughafengesellschaft zubilligt. Und sie haben dafür gute Argumente: Denn die Baugenehmigung, die einst die Landesregierung dem Flughafenprojekt erteilte, legt eine Obergrenze von 55 Dezibel fest, die tagsüber nicht überschritten werden darf. Der Flughafenbetreiber sieht das aber anders. Verständlich, drohen ihm doch Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe, wenn er alle Forderungen erfüllt. Er spielt den Ball zurück nach Potsdam und fordert eine Klarstellung, mit der die bisherige Praxis bestätigt wird. Die Regierung ist in der Zwickmühle: Gibt sie den Forderungen der Anwohner oder denen des Finanzministers nach? Für den Airport und seine Akzeptanz wäre es gut, wenn sie rasch Klarheit schafft.