Schlaganfall

Jörg Schönbohm auf dem Weg der Besserung

Ob beim Tennismatch oder beim Wortgefecht auf der politischen Bühne: Auch als Pensionär hatte Jörg Schönbohm nichts von seiner Vitalität eingebüßt. Beim politischen Aschermittwoch hielt er als Ehrenvorsitzender der Brandenburger CDU in diesem Jahr die Hauptrede.

Zwei Jahre nach seinem Rückzug als Innenminister trat der 74-Jährige regelmäßig als Gast in den TV-Late-Night-Sendungen des Moderators Benjamin von Stuckrad-Barre auf. Vorige Woche warb er bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Potsdam für einen konservativen Kurs der Bundes-CDU. Jörg Schönbohm schien in bester Form. Gerade erst war er zum Präsidenten des Tennisclubs Blau-Weiß im Grunewald gewählt worden. Umso mehr sorgte die Nachricht für Bestürzung, dass der ehemalige Brandenburger Innenminister am Mittwoch einen Schlaganfall erlitten hat. Derzeit wird er im Benjamin-Franklin-Klinikum der Charité behandelt.

Die CDU schickte einen Blumenstrauß ins Benjamin-Franklin-Klinikum der Charité in Berlin-Steglitz. "Im Namen aller Mitglieder der Märkischen Union" wünschte ihm CDU-Landeschefin Saskia Ludwig eine "schnelle und gute Genesung". Sie sagte: "Wir drücken ihm die Daumen für eine kraftvolle Erholung." Und sie fügte hinzu: "Brandenburg braucht ihn." Der Generalsekretär der CDU-Bundespartei, Hermann Gröhe, wünscht Jörg Schönbohm "viel Kraft und Zuversicht in diesen sicher nicht einfachen Tagen". Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) schrieb an seinen früheren Stellvertreter: "Leider kann man sich nicht gegen alles im Leben wappnen, so dass wenigstens tröstlich ist, Sie in guten Händen zu wissen. Werden Sie schnell wieder gesund!" Platzeck fügte hinzu, er sei betroffen darüber, dass Schönbohm in eine Klinik eingeliefert werden musste.

Was war passiert? Am Mittwochmorgen sei ihr Mann ungewöhnlich lange im Bett geblieben, sagte Schönbohms Frau Evelin. Als er zum Frühstück hinunter kam, habe er nicht mehr richtig sprechen können. Nach Rücksprache mit einem Neurologen wurde er ins Benjamin-Franklin-Klinikum gebracht worden. Von Kleinmachnow aus, wo die Schönbohms wohnen, ist es nicht weit nach Steglitz-Zehlendorf. Die Ärzte stellten ein Blutgerinnsel im Gehirn fest. Schönbohms Sprachfähigkeit ist dadurch eingeschränkt, nicht aber sein Denkvermögen. Es zeigen sich auch keine Lähmungserscheinungen. Eine Sprecherin der Charité sagte am Freitag, Jörg Schönbohm werde in der Klinik für Neurologie behandelt. Seine neurologischen Ausfälle hätten sich erfreulicherweise bereits verbessert. Deshalb werde er voraussichtlich schon in den nächsten Tagen die Klinik verlassen können. Das Klinikum in Steglitz ist auf die Behandlung von Schlaganfall-Patienten spezialisiert.

Auch aus Berlin erreichten Schönbohm viele Genesungswünsche. Der frühere General war in Berlin von 1996 bis 1998 Innensenator. In dieser Zeit avancierte er wegen seines harten Durchgreifens gegen die Hausbesetzer zur Hassfigur der linken Szene. 1999 übernahm er den märkischen Landesverband der CDU. Nachdem es ihm gelang, die Alleinherrschaft der SPD zu brechen, wurde er Innenminister. Er blieb es zehn Jahre lang.

Jörg Schönbohm, der gern provoziert, und die Partei waren nicht immer in Frieden miteinander. Im Jahr 2007 gab er den Landesvorsitz nach heftigen Grabenkämpfen ab. Erst seit Kurzem erlebt er unter der konservativen Nachfolgerin Saskia Ludwig ein unerwartetes Revival.

Teilnahme an Wahl fraglich

An der Bundesversammlung am 18. März, die den neuen Bundespräsidenten wählt, wird er voraussichtlich nicht teilnehmen können. Für ihn soll ein Ersatzdelegierter nachrücken. Ob Schönbohm weiterhin bei den Late-Night-Sendungen auftreten wird, ist noch offen.