Countdown Flughafen: Noch 92 Tage

Westpolen knüpft große Hoffnungen an den BER

Der Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld wird nicht nur für Berliner und Brandenburger, sondern auch für die Bevölkerung östlich der Oder zum Heimatflughafen werden. "Polen gehört schon heute zu unserem wichtigstem Einzugsgebiet, für Breslau oder Posen sind wir der offizielle Flughafen", sagt Flughafenchef Rainer Schwarz.

Elzbieta Nowocien kann ihm da nur zustimmen. "Ganz Westpolen ist über das Autobahnnetz hervorragend an den Flughafen in Schönefeld angeschlossen", sagt die in Berlin lebende polnische Dolmetscherin und Übersetzerin. "Mit dem BER werden noch mehr Besucher in die Stadt kommen, sowohl Touristen als auch Geschäftsreisende", ist sie überzeugt. Berlin habe dadurch eine Chance, mehr als bisher seine Rolle als ein Zentrum zwischen Ost und West wahrzunehmen. "Für Polen, vor allem Westpolen, wird es noch attraktiver, von einem Großflughafen aus dem 21. Jahrhundert aus Geschäfts- aber auch Urlaubsreisen zu unternehmen", so Nowocien.

Schon heute fahren rund 700 Shuttlebusse in der Woche die Passagiere zwischen Berlin und Polen hin und her. 2011 nutzten rund 700 000 polnische Fluggäste den Flughafen Schönefeld, 850 000 waren es in Tegel. Doch bei den zusammen 1,5 Millionen Fluggästen aus Polen soll es nicht bleiben. "Doch dazu brauchen wir auch Fernverkehrszüge", so Schwarz.

Denn anders als die Autobahnverbindungen ist das Schienennetz alles andere als hervorragend. Viele grenzüberschreitende Bahnverbindungen von Westpolen nach Berlin sind nach wie vor zu langsam und daher meist unattraktiv. So dauert eine Zugfahrt von Breslau (Wroclaw) nach Berlin mit fünfeinhalb Stunden heute mehr als doppelt so lange wie vor 70 Jahren. Seit Jahren fordert der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) daher einen konsequenten Ausbau der Strecken - bislang meist ohne Erfolg.

In seinem im Herbst 2011 erschienenen Weißbuch "Öffentliche Personenverkehre zwischen dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg und Westpolen" listet der Verkehrsverbund insgesamt sechs Bahnkorridore auf, die bis 2020 ausgebaut werden sollten. Laut einer aktuellen Kosten-Nutzen-Analyse der Universität Stettin (Szczecin) würde die Modernisierung der bestehenden Schienenwege von Berlin nach Stettin, Gorzów Wielkopolski, Zielona Góra, Küstrin (Kostrzyn), Posen (Poznan) und Breslau insgesamt 204 Millionen Euro kosten. Hinzu kämen laut dem Gutachten Investitionen von 58 Millionen Euro für Fahrzeuge. Für fast alle Strecken ergibt sich nach den Berechnungen der polnischen Experten ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis - angesichts der erwarteten Fahrgastzahlen, des wirtschaftlichen Aufschwungs durch die Schienenanbindung und des dadurch steigenden Bruttoinlandsprodukts.

Profitieren könnte davon nicht nur der Flughafen BER in Schönefeld, sondern die Wirtschaft beiderseits der Grenze insgesamt, davon ist Eric Schweitzer, Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), überzeugt. "Eine bessere Schienenanbindung der Metropolenregion Berlin-Brandenburg an die polnischen Wirtschaftszentren ist ein wichtiger Standortfaktor und deshalb dringend geboten", schreibt Schweitzer in einem Beitrag zum VBB-Weißbuch.

Elzbieta Nowocien hat noch einen anderen Wunsch an den neuen Großflughafen: "Die Frage der Ausschilderung sowie die Information in polnischer Sprache lässt mir nicht nur als Übersetzerin keine Ruhe", sagt sie. Leider werde der BER nur in Deutsch und Englisch ausgeschildert. "Dabei wären polnische Schilder gut, als Zeichen an die Gäste: Ihr seid hier willkommen", sagt sie. Aber immerhin: Die Homepage ist auf Polnisch vorhanden. Immerhin hier heißt es: "Serdecznie witamy na nowym glównym porcie lotniczym BER". Herzlich willkommen im neuen Großflughafen BER.

Weitere Informationen, Bilder, Videos und interaktive Grafiken zum Flughafen BER unter: morgenpost.de/flughafen