Kriminalität

Die Werkbank des Bombenbauers

Die Serie der unheimlichen Sprengstoffexplosionen in Hennigsdorf hat ein Ende gefunden. Mit der Festnahme eines 24-Jährigen aus dem Havelstädtchen scheint der mutmaßliche Rohrbomber gefasst, der vor vier Wochen erstmals enormes Aufsehen erregt hatte.

Am 27. Januar hatte der Kleinkriminelle gegen 22.20 Uhr mit zwei selbst gebastelten Rohrbomben am S-Bahnhof erhebliche Sachschäden angerichtet. Unter anderem war die Verglasung eines Fahrstuhls am Bahnsteig 1/5 durch die Wucht der Explosion vollständig zerstört worden. Der zweite Sprengsatz zerstörte zwei Fensterscheiben am Windfang des Zugangs der Gleise 6 und 7. Der Zugverkehr der Linie S 25 war in dieser Freitagnacht in Richtung Berlin für dreieinhalb Stunden unterbrochen.

Innerhalb von zehn Tagen kam es anschießend in der 25 000 Einwohner zählenden Stadt an drei Abenden zu weiteren Detonationen. Glücklicherweise sind in keinem der Fälle Personen verletzt worden. Die umfangreichen Ermittlungen des Staatsschutzkommissariats der Polizeidirektion Nord führten am Donnerstagnachmittag mit einer Wohnungsdurchsuchung zum Erfolg. Manuel T., der wegen verschiedener Delikte der Polizei bekannt war, wurde dabei in seiner Dachgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses in der Straße An der Wildbahn festgenommen. Am Freitag erging Haftbefehl wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Die Ermittlungen der Polizeidirektion Nord und der Staatsanwaltschaft Neuruppin dauern an. Am Dienstag und Donnerstag nach dem ersten Anschlag gingen weitere Rohrbomben hoch. Zunächst am 31. Januar kurz nach 20 Uhr auf dem wegen der klirrenden Kälte menschenleeren Havelplatz unweit einer Parkbank. Sachschaden gab es keinen. Als Passanten dann zwei Tage später abends um 18 Uhr in der Stauffenbergstraße wieder durch eine Explosion aufschreckten, fand die Polizei drei detonierte Rohrbomben. Ein weiteres Exemplar war nicht explodiert. Kriminaltechniker sicherten die Reste der Sprengvorrichtungen, die untersucht wurden. Eine zehn Mann starke Sonderkommission der Staatsschutzabteilung wurde eingerichtet, da ein politisches Motiv zumindest nicht auszuschließen war. Allerdings tauchten keine Bekennerschreiben auf. Der letzte Vorfall, der Manuel T. wohl zur Last gelegt werden wird, ereignete sich am 7. Februar in einem Waldstück im Stadtpark Konradsberg. Zeugen hatten Knallgeräusche und einen Feuerschein bemerkt. Die Polizei entdeckte Überreste einer Sprengvorrichtung anderer Bauart.

Rohre und Wunderkerzen

Die Auswertung der gesicherten Spuren an den Tatorten ergab dann auch Fingerabdrücke und DNA-Material. Die Fingerabdrücke brachten die Ermittler schließlich auf die Spur von Manuel T., woraufhin ein Richter einen Durchsuchungsbefehl erließ. Die Polizisten fanden Rohre und andere Gegenstände, die zum Bau der Rohrbomben benutzt worden waren. Entgegen erster Annahmen waren als Zünd- und Sprengmittel jedoch nicht nur Bestandteile von Polenböllern benutzt worden: Vor allem hatte Manuel T. Wunderkerzen verwendet. Der 24-Jährige muss für seine Rohrbomben enorme Mengen von Wunderkerzen zerlegt haben.

"Der Tatverdächtige ist bereits wegen Eigentumsdelikten, Sachbeschädigung und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz in Erscheinung getreten", sagte Polizeisprecher Thoralf Reinhardt. Wie die Morgenpost erfuhr, war Manuel T., der als Maler bei einer Ausbildungsstätte tätig war, bei Nachbarn dafür bekannt, im Innenhof seiner Wohnanlage hin und wieder mit Feuerwerkskörpern zu hantieren. Für die Rohrbomben nutzte er als Rohlinge Gehäuse von Taschenlampen und Metallkappen als Verschlüsse der Sprengkörper. Zum jetzigen Zeitpunkt schließt die Polizei ein politisches Motiv des Bombenbastlers aus.