Hochschulpolitik

Jüdisch-theologische Fakultät für Potsdam

Noch in diesem Jahr könnte es in Potsdam zur Gründung einer jüdisch-theologischen Fakultät kommen. Das stellte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) am Mittwoch im Landtag in Aussicht.

Bis zur Sommerpause werde ihr Ressort einen Gesetzentwurf vorlegen. Mit ihm würde das Hochschulgesetz geändert, um die Berufung konfessionsgebundener Professoren zu ermöglichen. "Der eigentliche Rechtsakt der Fakultätsgründung fällt in die Zuständigkeit der Universität."

In der Debatte begrüßten Redner aller Fraktionen ausdrücklich die neue Einrichtung, die nach Angaben des FDP-Fraktionsvorsitzenden Andreas Büttner europaweit einmalig wäre. Die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland nannte das Vorhaben, die Rabbinerausbildung stärken zu wollen, einen "bedeutenden Meilenstein".

Ein gemeinsamer Antrag von SPD, Linker, FDP und Bündnis 90/Die Grünen wurde einstimmig angenommen. In ihm wird die Universität Potsdam gebeten, ihre Zusammenarbeit mit dem ortsansässigen Abraham Geiger Kolleg zu intensivieren sowie "alle Maßnahmen zur Institutionalisierung der jüdischen Theologie zügig zu beraten". Die rot-rote Regierung soll das Vorhaben unterstützen.

Seit geraumer Zeit entwickelt eine Arbeitsgruppe der Universität ein Konzept für eine jüdisch-theologische Fakultät, von deren Gründung das Abraham Geiger Kolleg seinen Verbleib in der Stadt abhängig gemacht hat. Laut Kunst gibt es derzeit mehr als 350 Studenten an der Universität und dem Kolleg. An ihm werden jüdische Rabbiner und Kantoren ausgebildet. Sein Rektor Walter Homolka sondiert derzeit auch in Bayern und Thüringen die Chancen für die Gründung einer Fakultät. Die Allgemeine Rabbinerkonferenz würdige den Beschluss zur Gleichstellung von jüdischer Theologie als akademischer Disziplin, hieß es in einer Erklärung. Der Beschluss sei ein wichtiger Schritt, um das zu vollenden, was sich Geiger als Vater der akademischen Rabbinerausbildung bereits vor etwa 200 Jahren erhofft hatte. Ein Entschließungsantrag der CDU fand im Landtag keine Mehrheit. Er machte geltend, dass die Finanzierung der Fakultät nicht zulasten des Hochschuletats des Landes gehe dürfe.