Durchsuchungsbeschluss

Polizei kommt zu Claudia Pechsteins Geburtstag

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein kommt nicht aus den Schlagzeilen. Zu ihrem 40. Geburtstag am Mittwoch kamen nicht nur geladene Gäste, auch die Polizei fand sich ein. Ohne Einladung, dafür aber mit einem Durchsuchungsbeschluss.

Wie schon einmal im Mai vergangenen Jahres, ging es auch diesmal um Rocker, um zwei Mitglieder der Hells Angels, denen mit einer Generalvollmacht uneingeschränkter Zutritt zum Anwesen der mehrmalige Olympiasiegerin in Diensdorf (Oder-Spree) erteilt worden war. Die Männer, so die damalige Begründung von Pechsteins Anwalt, sollten auf dem Grundstück regelmäßig "nach dem Rechten sehen".

Die beiden Rocker, Christian M. und Danilo B., sollen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) an einem Mordversuch an einem ehemaligen Hells-Angels-Mitglied beteiligt gewesen sein. Ihre Berliner Wohnungen wurden am Mittwoch unter Beteiligung von Beamten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) ebenso durchsucht wie die Wohnungen dreier weiterer Männer. Sie stehen im Verdacht, im Mai vergangenen Jahres den ehemaligen Präsidenten der Berliner Hells Angels, Holger B., niedergestochen zu haben. B. hatte die Rockergruppe zuvor verlassen - etwas, das in Rockerkreisen gemeinhin als schlimmer Verrat gilt. Neben den beiden Hauptverdächtigen stehen noch fünf weitere Rocker im Fokus der Justiz. Insgesamt wurden am Mittwochvormittag zehn Objekte in Berlin und Brandenburg durchsucht.

Die ominöse Vollmacht, durch die die Eisschnellläuferin in die Nähe der Rockerszene gerückt wurde, war im Mai 2011 bei der Durchsuchung der Wohnung eines Berliner Höllenengels in Köpenick entdeckt worden. Claudia Pechstein erklärte dazu auf ihrer Internetseite kurz und knapp, sie pflege keinerlei Kontakte oder Geschäftsbeziehungen zu Mitgliedern der Hells Angels.

Um eine etwas ausführlichere Begründung für die ausgestellte Vollmacht bemühte sich anschließend ihr Anwalt Simon Bergmann. Unmittelbar nach der Trennung von ihrem Ehemann sei seine Mandantin zu ihrem neuen Lebensgefährten gezogen, habe aber Haus und Grundstück am Scharmützelsee nicht unbeaufsichtigt lassen wollen. Daher habe ihr Lebensgefährte ihr angeboten, zwei Bekannte zu beauftragen, auf dem Anwesen regelmäßig nach dem Rechten zu sehen. Damit die Männer sich auf etwaige Fragen von Nachbarn oder anderen Personen legitimieren konnten, habe seine Mandantin die Vollmacht ausgestellt, Claudia Pechstein kenne die beiden Männer überhaupt nicht und habe auch nicht gewusst, dass es sich bei ihnen um Hells Angels handele, betonte der Anwalt.

Umso mehr wissen die Behörden über die Bewacher des Pechsteinschen Anwesens. Christian M. ist bereits mehrfach wegen schweren Raubes, räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung vorbestraft. Danilo P., 2009 selber Opfer einer brutalen Attacke verfeindeter Rocker in Finowfurt (Barnim), soll zeitweilig in einer Wohnung in Berlin-Friedrichshain gelebt haben, die ihm Matthias Große, der Lebensgefährte von Claudia Pechstein, vermietete. Ob und welche Beziehungen Große zur Rockerszene unterhält, ist unklar. Der 44-Jährige war nach eigenen Angaben lange in der Sicherheitsbranche tätig, bevor er eine Bau- und Immobilienfirma gründete. Und er scheint nicht zimperlich zu sein. Sowohl Politiker als auch Journalisten berichteten mehrfach, sie seien von Große im Zusammenhang mit den Untersuchungen und Berichterstattungen in der seit Jahren schwelenden Dopingaffäre seiner Lebensgefährtin rüde angepöbelt und gar massiv bedroht worden. Claudia Pechstein ihrerseits nahm die Durchsuchungen am Mittwoch gelassen. "Das hat zwar zu etwas Aufregung an meinem Geburtstag geführt, aber als Polizeibeamtin unterstütze ich alle Maßnahmen, die zur Aufklärung von Straftaten führen", sagte die 40-Jährige.