Rügen

Bewegende Trauerfeier für Katharina

Der kleine Sarg ist bunt bemalt. "Sie freute sich", steht in Pinselschrift auf der Stirnseite geschrieben. Der Sarg steht im Gang der Feldsteinkirche in dem Dorf Burghagen (Prignitz). Daneben zeigt ein Foto ein Kind mit langen blonden Haaren und einem fröhlichen Lachen.

Familie und Freunde nehmen am Freitag Abschied von der zehnjährigen Katharina. Das Mädchen war am zweiten Weihnachtsfeiertag bei einem Steilküstenabbruch am Kap Arkona auf der Insel Rügen verschüttet worden.

Katharina war mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester spazieren, als sich plötzlich mehrere tausend Kubikmeter Kreide und Geröll lösten und 35 Meter in die Tiefe stürzten. Mutter und Schwester wurden verletzt. Katharina wurde nach verzweifelter, tagelanger und letztlich abgebrochener Suche vier Wochen nach dem Unglück tot geborgen.

Die winzige Kirche in Burghagen bei Plattenburg erlaubt nur eine Trauerfeier im kleinen Kreis. So hatten es sich die Eltern gewünscht. Doch vor der Kirche stehen mehr als 200 Trauergäste - Bewohner des kleinen Ortes im Norden Brandenburgs, Freunde von Katharina und Wegbegleiter ihres kurzen Lebens.

Pfarrer Matthias Frenzel will das Richtige sagen, um der Ratlosigkeit und Trauer zu begegnen. Doch muss er zugeben, dass er "die tragische Verkettung der Umstände" selbst nie begreifen wird. "Das Unglück hat uns unsere Ohnmacht zu verstehen gegeben", sagt der Pfarrer. Und es lasse Fragen zurück nach dem Warum und Wieso. "Aber was heißt es schon, einen Schritt voraus oder zurück zu sein, bei den vielen Schritten, die in einem Leben gegangen werden." Frenzel erinnert in seiner Andacht an Katharina als ein fröhliches, wissbegieriges Mädchen, das gern tanzte und Pferde liebte. "Sie wollte die Welt in Besitz nehmen mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit", sagt er.

In der Stunde der Trauer gedenkt der Pfarrer auch der Rettungskräfte, die auf Rügen tagelang nach dem Mädchen gesucht hatten und schließlich "das Sterben und die Vergeblichkeit ihrer Mühe erleben mussten". Der Einsatzleiter des Rettungsteams sitzt inmitten der Trauergemeinde, ebenso Vertreter der Rügen-Gemeinde Putgarten und der Gemeinde Plattenburg.

Das Glockenspiel der Dorfkirche läutet die Andacht ein, Bläser begleiten die Trauergäste bei ihrem Gang in die Kapelle. Im anschließenden Trauerzug von der Kirche zum Burghagener Friedhof tanzen weiße Luftballons mit Briefen, die Katharinas Freunde geschrieben haben.

"Mit unseren Augen sehen wir nicht alles", sagt Pfarrer Matthias Frenzel. "Aber es gibt ein Dann", fügt er hinzu. Daran glaubt auch Katharinas Familie: "Wir sehen uns wieder", steht auf dem Gebinde eines Blumengestecks, das die Grabstätte des Kindes schmückt.