Prozess

Staatsanwaltschaft klagt zwei Elite-Schüler an

Nach den Missbrauchsvorwürfen an der Potsdamer Sportschule Friedrich Ludwig Jahn hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei 16-Jährige erhoben. Den Jugendlichen werde eine gemeinschaftlich begangene Nötigung verbunden mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen, sagte Behördensprecher Ralf Roggenbuck am Dienstag.

Laut Anklage haben sich die Nachwuchshandballer am 27. September 2011 im Internat der Eliteschule an zwei Mitschülern im Alter von 13 und 14 Jahren vergangen. Wann sich die Schüler vor dem Jugendrichter des Amtsgerichts Potsdam verantworten müssen, ist noch offen.

Ein Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest. Anders als zunächst vermutet, sehen die Ermittler keinen sexuellen Hintergrund der Tat. "Es wird davon ausgegangen, dass es sich um eine Bestrafungsaktion ohne sexuelle Motivation gehandelt hat", sagte Roggenbuck.

Die "Eliteschule des Sports" gehört zum Olympiastützpunkt Potsdam. Träger der Schule ist die Stadt. In der Einrichtung lernen derzeit fast 600 sportbegabte Mädchen und Jungen. Sie werden unter anderem in den Sportarten Leichtathletik, Rudern, Kanu, Schwimmen, und Fußball sowie Handball gefördert. Der Fall hatte über Brandenburg hinaus für Schlagzeilen gesorgt und führte zu einer Reihe von personellen Konsequenzen. Die gesamte Führungsriege des Internats sowie ein Trainer wurden suspendiert und eine Übergangsleitung eingesetzt. Die Opfer hatten sich Betreuern anvertraut, diese jedoch unternahmen zunächst nichts und verschwiegen den Vorfall. Für das Bildungsministerium stand schnell fest, dass es in dem Wohnheim während der Nachtruhe einen Übergriff gegeben habe, der völlig inakzeptabel sei. Es kam auch zu dem Schluss, dass die Kommunikation nicht geklappt habe. "Das gesamte Krisenmanagement hat versagt, nachdem sich die Schüler Erwachsenen anvertraut haben", sagte damals Ministeriumssprecher Stephan Breiding.

Inzwischen gibt es nach Angaben der Stadt Potsdam eine neue Internatsleitung. Die frühere Chefin ist an anderer Stelle tätig. Zwei Mitarbeiterinnen wurde gekündigt. "In diesen Fällen lag nach unserer Ansicht ein grobes Fehlverhalten vor", sagte am Dienstag der Sprecher der Stadtverwaltung, Jan Brunzlow. Die Betroffenen wehren sich jedoch vor dem Arbeitsgericht gegen die Kündigung.

Ende September vorigen Jahres sollen die zwei 16-Jährigen Schüler nachts in das Zimmer der beiden 13- und 14 Jahre alten Achtklässler eingedrungen sein. Eines der Opfer gab später an, mit einem Besenstiel missbraucht worden zu sein. Die Angreifer beteuerten, sie hätten den Übergriff mit dem Besen nur angedeutet.

Die beiden 16 Jahre alten Schüler waren zunächst von der Schule suspendiert worden, durften aber einige Wochen später an die Eliteschule zurückkehren. Sie erhielten Auflagen wie ein Anti-Gewalt-Tranining.