Wiederaufbau der Matrosenstation

"Ich bringe Potsdam ein Kleinod zurück"

Eigentlich hätten die Bagger schon Ende Januar anrücken sollen. Bei den Minusgraden geht derzeit aber gar nichts. Michael Linckersdorff muss einmal mehr Geduld beweisen. Seine Begeisterung für sein "bislang faszinierendste Vorhaben" ist ungebrochen. Der Berliner Schmuck- und Kunsthändler will nahe der Glienicker Brücke die Kaiserliche Matrosenstation Kongsnaes wieder aufbauen.

Bei der Ausschreibung der Stadt Potsdam hatte er vor zwei Jahren mit einer Million Euro den höchsten Preis für das Gelände geboten. Seitdem herrscht keine Ruhe mehr an der idyllischen Schwanenallee.

Hafen mit historischen Schiffen

Der Gegenwind für die Linkersdorffschen Matrosenstations-Pläne ist enorm. Denn wer hier in der teuren Berliner Vorstadt mit bestem Seeblick wohnt, hat kein Interesse an dem Projekt, das die Touristen scharenweise anlocken könnte. Nicht, dass hier derzeit überhaupt nichts los ist. An den Wochenenden zieht von morgens bis zur Dämmerung eine Spaziergänger-Kolonne über die Schwanenallee. Viele Berliner kommen mit dem Auto. Wer keinen Parkplatz entlang des Schlossparks vor der Glienicker Brücke bekommt, stellt sein Auto in den kleinen Pflasterstraßen der Berliner Vorstadt ab. Zum Leidwesen der Anwohner. Setzt Michael Linckersdorff seine Pläne in die Realität um, fürchten sie noch Schlimmeres.

Der Investor kann die Aufregung nur zum Teil verstehen. "Ich will doch was Gutes" sagt er. "Ich liebe Denkmäler und bringe Potsdam ein wahres, in Deutschland einmaliges Kleinod zurück."

Zum Besichtigungs-Termin in die Schwanenallee hat Michael Linckersdorff Terrierdame Fritzi mitgebracht. Sie interessiert sich vor allem für den Schnee. Ihr Herrchen hingegen geht in seinen Schilderungen trotz atemraubender Kälte Punkt für Punkt mit Begeisterung das durch, was hier bald stehen soll: die Kaiserliche Matrosenstation mit der 1945 abgebrannten und von ihm wiedererrichteten Vente-Halle, dem einstigen Empfangspavillon. Sie soll ein kleines Café oder Restaurant mit Terrasse beherbergen. Aufgebaut ist bislang nur das einstige rote Holztor mit dem Schriftzug "Kongsnaes", was so viel bedeutet wie "Des Königs Landzunge".

Daneben sieht Linckersdorff schon den kleinen Hafen am Tiefen See mit bis zu 30 historischen Schiffen. Michael Linckersdorff zeigt auf den Grundriss der einstigen Vente-Halle, der sich im Schnee abzeichnet. "Hier passen doch gar nicht so viele Leute rein", sagt Linckersdorff. Der Vorwurf, ein überdimensioniertes Restaurant und ein Biergarten könnten entstehen und das noble Viertel mit Lärm überfluten, sei absurd, so Linckersdorff. Davon habe sich mittlerweile auch der Präsident der Deutschen Unesco-Kommission, Walter Hirche, überzeugen können. Der frühere Landesminister und FDP-Politiker hatte einen Brief ins Potsdamer Rathaus geschickt - mit der Bitte, ihn über ein geplantes Bauprojekt am Ufer des Jungfernsees zu informieren. "Die kontroverse Debatte um das Projekt hat mich alarmiert", begründete Hirche sein Schreiben. Vor allem der geplante moderne Küchen-Anbau an die Veste-Halle und die vorgesehene Außenbewirtschaftung sorgte für Unruhe. Nach einer Besichtigung teilte Hirche mit, er sehe keine Gefahr für das Weltkulturerbe.

Linckersdorff will zuerst mit der Restaurierung der drei Holzgebäude auf der anderen Seite der Schwanenallee beginnen: das Kapitänshaus, die Matrosenkaserne und das Bootshaus. Wilhelm II. hatte die drei Häuser im norwegischen Drachenstil zwischen 1891 und 1895 errichten lassen. Zu DDR-Zeiten wurden sie, selbst als hier der Mauerweg entlangführte, als Wohnhäuser genutzt. Inzwischen stehen sie seit Jahren leer.

Erst wollte Linckersdorff im Bootshaus neben Wohnungen einen öffentlichen Veranstaltungssaal mit 100 Plätzen schaffen. Nach den heftigen Protesten der Anwohner änderte er seine Pläne, wie er sagt. Ursprünglich hatte die Stadt eine gewerbliche Nutzung genehmigt, doch das Verwaltungsgericht Potsdam monierte, dass die Interessen der Nachbarn nicht genügend berücksichtigt wurden. Die Stadt zog daraufhin die Baugenehmigung zurück. "Ich baue nur Wohnungen", sagt Linckersdorff. Das Obergeschoss des Kapitänshauses möchte er mit der Familie selbst nutzen, den Rest vermieten. Arbeiter einer polnischen Firma sollen, sobald es geht, das Kapitänshaus einrüsten. Um künftig "weiteren Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen", betont Linckersdorff, habe er entschieden, aus dem Bootshaus kein Vereinsheim zu machen. Es soll nur drei Wohnungen beherbergen.

Der Bauherr hofft, dass die Arbeiten durch eine polnische Spezialfirma bis August abgeschlossen werden können. Dann könnte in enger Absprache mit dem Denkmalschutzamt der Innenausbau beginnen. Im Frühjahr 2013 will er die Wohnungen bereits vermieten.

Die Anwohner misstrauen dem Investor. Sie haben über den renommierten Berliner Anwalt Reiner Geulen Klage eingereicht. Es geht um das Boothaus, in dem Linckersdorff eigenen Angaben zufolge nur noch Wohnungen unterbringen will. An der Rückseite des Bootshauses will er über einen Glasanbau mehr Tageslicht schaffen und dort die Wohnküche einrichten. In der Klageschrift für das Gericht heißt es: "Völlig unakzeptabel ist die Genehmigung einer völlig überdimensionierten Küche; dies macht deutlich, dass hier alles andere als eine Wohnnutzung geplant ist." Die Anlieger mutmaßen, dass Linckersdorff in Wahrheit die Weichen für eine spätere gewerbliche Verbindung zur Gastronomie in der wieder aufzubauenden Vente-Halle auf der gegenüberliegenden Seite der Schwanenallee am Ufer des Tiefen Sees schaffen will.

Anwalt: Betrieb bis 24 Uhr

Anwalt Geulen sagt: "Für uns ist klar: Herr Linckersdorff plant am Jungfernsee eine Großgastronomie für mehrere hundert Personen." Dies sei für ihn aus den Bauanträgen aufgrund der Ausmaße der Anlagen ersichtlich. Teilweise sei nächtlicher Betrieb vorgesehen, am Wochenende bis 24 Uhr. "Sein Projekt stellt nichts anderes dar als einen wilhelminischen Rummelplatz mitten im Welterbe-Reich", so Geulen. Linckersdorff weist dies als Unterstellung und Verleumdung zurück: "Es ist völlig abwegig, bei drei Wohnhäusern und einem Café mit 60 Innenplätzen von einer Großgastronomie zu sprechen", so der Investor. Der mit der Stadt geschlossene Kaufvertrag sieht vor, dass der Investor nicht nur die Holzhäuser restaurieren soll, er muss auch die Vente-Halle aufbauen. "Ich werde mich durch nichts abhalten halten", gibt Michael Linckersdorff sich kämpferisch. Er wolle etwas Bedeutendes schaffen: Die "norwegische Visitenkarte in der Potsdamer Kulturlandschaft".