Anschlagsserie

Jagd nach dem Rohrbombenbastler

Seit knapp einer Woche erschüttert eine Serie von Rohrbombenanschlägen das brandenburgische Hennigsdorf (Oberhavel). Dreimal detonierten seit Freitag vergangener Woche gleich mehrere Sprengsätze und richteten zum Teil erheblichen Schaden an, Verletzte gab es dabei zum Glück nicht.

Inzwischen hat die zuständige Staatsschutzdienststelle der Polizeidirektion Nord eine Sonderkommission, eine sogenannte Besondere Aufbauorganisation (BAO) eingerichtet. Eine konkrete Spur zu dem oder den Tätern gebe es bislang nicht, sagte Polizeisprecher Toralf Reinhardt am Freitag auf Anfrage.

Die Ermittler stehen dem Sprecher zufolge gleich vor mehreren Problemen. So gebe es bisher weder Zeugen noch ein Bekennerschreiben. Völlig unklar sei auch, ob die Taten einen politischen Hintergrund haben, oder Jugendliche am Werk waren. Wichtige Informationen zur Aufklärung der Anschlagsserie und Überführung der Täter erhofft ich die Polizei durch die genauen Untersuchungen der detonierten Sprengsätze oder dessen, was von ihnen übrig geblieben ist durch Kriminaltechniker. Diese sind noch nicht abgeschlossen.

Aufruf zur Wachsamkeit

Bislang wissen die Ermittler nur, dass alle Sprengsätze mit Hilfe von Pyrotechnik selbst gebastelt wurden. Die Polizei mahnt die Bevölkerung in Hennigsdorf zur Wachsamkeit, sieht aber bislang keinen Anlass, die Präsenz im Bereich der bisherigen Anschlagsorte im Zentrum der Stadt mit 25 000 Einwohnern zu verstärken. "Wir gehen allerdings nicht von einer Gefährdung der Bevölkerung aus", sagte Reinhard und warnte davor, Panik zu schüren.

Den bislang letzten Anschlag erlebte Hennigsdorf am Donnerstagabend. Wie schon in den Fällen zuvor passierte es in der Innenstadt. Gleich mehrere Sprengsätze detonierten gegen 18 Uhr auf einer Grünfläche zwischen zwei Hochhäusern an der Stauffenbergstraße und der Friedrich-Engels-Straße. Ein Mann und eine Frau hatten unabhängig voneinander die Detonationen gehört und die Polizei alarmiert. Bei einer Suche auf der Grünfläche wurden die Reste von drei Rohrbomben gefunden, ein vierter Sprengsatz hatte nicht gezündet. Er wurde mit Hilfe eines Bomben-Roboters geborgen und gesichert. Der entstandene Sachschaden beschränkte sich bei dem jüngsten Anschlag auf eine Parkbank, die mehrere Meter durch die Luft flog.

Den ersten Anschlag gab es am vergangenen Freitag im Bereich des S-Bahnhofes. Am Fahrstuhl und an der Treppe zum Bahnsteig explodierten zwei Sprengsätze. Dabei wurden mehrere Wände, Scheiben und ein Fahrstuhl erheblich beschädigt. Der Bahnhof blieb für mehrere Stunden gesperrt, der Verkehr auf dem letzten Teilstück der S-Bahnlinie 25 zwischen den Bahnhöfen Schulzendorf und Hennigsdorf wurde unterbrochen.

Am 31. Januar detonierte erneut eine Rohrbombe, wieder im Bereich des Bahnhofes. Es gab nicht unerheblichen Sachschaden. Nach der Detonation fanden die Beamten bei der Suche am Tatort eine Metallabdeckung, die darauf hinweist, dass es sich bei dem Sprengsatz um eine selbst gebastelte Rohrbombe handelte. Bei der verwendeten Pyrotechnik handelt es sich nach ersten Erkenntnissen der Techniker unter anderem vermutlich um Bestandteile aus Feuerwerkskörpern. "Wenn man bedenkt, wie laut die Explosionen waren und welche Wirkung sie erzielten, müssen es wohl viele Knallkörper gewesen sein", sagte ein Beamter.

Leute erschrecken

Die Reaktion der Menschen in Hennigsdorf ist weniger von Sorge geprägt als von Interesse. "Man möchte ja schon wissen, wer dahintersteckt", meinte am Freitag eine Kioskverkäuferin im Bahnhof. Ihr Tipp: "Das sind Jugendliche, die sich einen Spaß daraus machen, Leute zu erschrecken". Sollte das zutreffen, müsse man den Tätern nachdrücklich klar machen, dass solche Anschläge alles andere als ein Spaß seien, sagte ein Ermittler dazu.