Kein Schlussstrich

Manfred Krug schaut nicht in Stasi-Akte

Der Schauspieler Manfred Krug hat sich dagegen ausgesprochen, einen Schlussstrich unter die Stasi-Akten zu ziehen. "Davon halte ich nichts", sagte Krug am Donnerstag. "So etwas hat es nach dem Krieg, auch unter Adenauer, genug gegeben.

Die sollen sich ruhig noch eine Weile gruseln davor, dass doch noch etwas rauskommt. Das ist doch wohl das Geringste, dass die Täter noch etwas Geduld aufbringen müssen." Er selbst blicke seit 20 Jahren nicht mehr in seine umfangreichen Stasi-Akten mit den Berichten über seine Bespitzelungen in der DDR. Er habe nicht gewusst, "wie viele in meiner Umgebung damit zu tun hatten". Es sei ein System der Erpressung und Belohnung gewesen. Vielleicht schreibe er noch ein Buch darüber.

Krug, der am 8. Februar 75 Jahre alt wird, stellte sein autobiografisches "MK Bilderbuch" als "Sammelsurium" vor. Es vereint über 1000 Fotos und Dokumente aus seinem Leben und seiner Karriere, die er mit anekdotenreichen, aber auch aufschlussreichen Texten begleitet.

Manfred Krug lebte bis zum Alter von zwölf Jahren in "Duisburg am Rhein". Nach der Scheidung seiner Eltern holte ihn sein Vater 1946 nach Leipzig. "Ich bin Herzenssachse geworden und bis heute geblieben", sagte Krug.

Er war einer der populärsten Film- und Fernsehschauspieler in der DDR und hatte 1976 die Protestresolution zahlreicher DDR-Künstler gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet. 1977 war er in den Westen gegangen, wo er bald vor allem als "Tatort"-Kommissar Stoever, als Lastwagenfahrer in der ARD-Vorabendserie "Auf Achse" sowie als Anwalt "Liebling Kreuzberg" bekannt wurde. "Ich bin kein Held, kein Star, ich bin einzigartig MK", sagte Krug bei der Buchvorstellung. Zu seiner Ausreise 1977 nach der Biermann-Ausbürgerung sagte er, er habe sich dem staatlichen Anspruch, "entweder du gehorchst, sonst knallts!'" nicht beugen wollen. Er habe nie vergessen, wie die SED mit seinem Film "Spur der Steine" in den 60er-Jahren umgesprungen sei, der gleich nach der Premiere verboten worden sei. "Die Premiere im Kino International hätte Goebbels nicht besser kaputt machen können. Bezahlte und einstudierte Kampfgruppen-Typen pöbelten über den angeblich antisozialistischen Film herum."

Zuvor war der "Tausendsassa des DEFA-Films", wie ihn eine DDR-Filmzeitschrift einmal nannte, einer der beliebtesten Schauspieler im "Arbeiter- und Bauernstaat", der sogar von SED-Chef Walter Ulbricht mit dem Nationalpreis ausgezeichnet wurde. Nach seinem Biermann-Protest wurde er beruflich kaltgestellt. "Die DDR reagierte wie eine sitzengelassene rachsüchtige Verlobte. Alle Schallplatten, Filme und Fernsehspiele wurden aus dem Verkehr gezogen", erinnert sich Krug in seinem Buch.