Urteil

Fünf Jahre Gefängnis für Rache an Vermieter

Dafür, dass er ein ganzes Mehrfamilienhaus in Erkner vorsätzlich in Schutt und Asche gelegt hat, ist Andreas T. verhältnismäßig glimpflich davongekommen. Wegen schwerer Brandstiftung verurteilte das Frankfurter Landgericht den 48-Jährigen gestern zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Die Kammer sah es nach einer umfangreichen Beweisaufnahme als erwiesen an, dass der gebürtige Cottbuser in der Nacht des 19. Juni vergangenen Jahres mit zwei Benzinkanistern bewaffnet in die Erkneraner Scharnweberstraße 27 ging, die Tür seines Nachbarn eintrat, das Benzin in dessen Wohnung verteilte und es dann mit einem Bademantelgürtel als Lunte anzündete. Das Benzin-Luft-Gemisch explodierte, beschädigte die Hauptgasleitung des Gebäudes, was Folgeexplosionen nach sich zog, sodass das 100 Jahre alte Haus schließlich fast komplett in die Luft flog.

Seinen zwei Komplizen hatte T. laut Urteil die Tat vorher angekündigt. Das hatten die beiden Männer, die neben T. auf der Anklagebank saßen, der Polizei bestätigt, im Prozess allerdings widerrufen. Das Gericht jedoch glaubte den damals beteiligten Polizeibeamten und dem Brandsachverständigen mehr. Die beiden Komplizen wurden wegen Beihilfe zur schweren Brandstiftung zu Bewährungsstrafen und gemeinnützigen Arbeitsstunden verurteilt.

Aufgrund "glücklicher Umstände", wie es der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs in der Urteilsbegründung formulierte, wurde außer dem Täter selbst, der Verbrennungen ersten und zweiten Grades erlitt, niemand verletzt. Die Gefährdung anderer Menschen war einer der wichtigsten Punkte des Prozesses. Die Anklagevertretung hatte dem 48-Jährigen, dessen Vorstrafenregister 28 Einträge enthält, versuchten Mord vorgeworfen und für ihn eine Freiheitsstrafe von elf Jahren gefordert. "T. ist allerdings kein Gewalttäter. Dass er mit der Tat jemanden töten wollte, war ihm nicht nachzuweisen", so der Vorsitzende Richter. Der 48-Jährige sei vielmehr überzeugt davon gewesen, dass das Haus zu diesem Zeitpunkt leer gewesen sei. Seine Motive sind laut Gericht jedoch klar: Er lag mit fast allen Nachbarn im Haus im Clinch, weil er ihnen vorschreiben wollte, was sie zu tun und zu lassen hatten. Auch mit der Vermieterin hatte er sich überworfen und seine Kündigung erhalten. Deshalb soll er nach Zeugenaussagen mehrfach damit gedroht haben, das Gebäude anzuzünden.

Dass er gerichtserfahren ist, zeigte T. zum Ende der Verhandlung: Er nutzte das Recht auf das letzte Wort zu einem knapp einstündigen Monolog. Darin attackierte er Anklagevertretung und Medien massiv, bestritt jeglichen Vorsatz und beantragte die Anerkennung mildernder Umstände.