Prozess

Haftstrafen für zwei pädophile Straftäter

Selten sprach in Moabit ein Sexualstraftäter so kritisch über seine Taten. Der 40-jährige Ralf K. ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern seit 2009 im Gefängnis Tegel untergebracht. Einen großen Teil dieser Zeit verbrachte er in der sozialtherapeutischen Anstalt.

Der Entlassungszeitpunkt des gelernten Pflegehelfers lag bislang bei September kommenden Jahres. Am Dienstag wurde dieser für vier Jahre angesetzte Aufenthalt von einer Moabiter Jugendstrafkammer aber um sechs Monate verlängert. Angeklagt war neben K. auch der 54-jährige Koch Roland S.

Beide gaben zu, am 7. Juli 2005 in der im Bezirk Lichtenberg gelegenen Wohnung von Roland S. einen neunjährigen Jungen sexuell schwer missbraucht zu haben. Ralf K. hatte das Kind in einem Lichtenberger Nachbarschaftsprojekt kennengelernt. Er war auch Initiator dieses Treffens und nahm mit einer Videokamera auf, wie Roland S. das Kind sexuell missbrauchte.

Vermutlich wäre das nie herausgekommen, hätte Roland S. nicht im Jahr 2010 diesen Film mindestens zweimal an andere pädophile Interessenten weitergegeben. Einer von ihnen stellte den Kinderporno-Film ins Internet. Polizisten aus Dänemark, die auf einschlägigen Websites recherchierten, hörten Ralf K.s deutsche Regieanweisungen und informierten das Bundeskriminalamt.

Aussprache mit Opfer

In Deutschland gelang es nach akribischer Suche, die Täter ausfindig zu machen. "Wir kriegen fast jeden", sagte der Staatsanwalt. "Manchmal braucht es aber seine Zeit." Als Ralf K. zu dem Kinderporno-Film befragt wurde, saß er schon wegen der ersten Verurteilung im Gefängnis Tegel. Er gab sofort alles zu. Gerade dieser Junge sei immens wichtig für sein weiteres Leben gewesen, sagte er am Dienstag vor Gericht. "Ich bin immer davon ausgegangen, dass er diesen Sex auch angenehm findet", so Ralf K. "Das war aber ein Irrtum. Er hat mir vor meiner Inhaftierung gesagt, dass er in mir einen Freund gesehen habe, einen Vertrauten. Deswegen habe er sich alles gefallen lassen. Aber im Nachhinein sei die Zeit mit mir die schlimmste Zeit seines Lebens gewesen."

Ganz anders Roland S. Der sah sich - zumindest zu Beginn des Prozesses - eher als Opfer von Ralf K. Angeblich habe ihn dieser, als er mit dem Neunjährigen kam, regelrecht überfallen. Er sei betrunken gewesen, habe nicht ablehnen können. Die Richter glaubten ihm nicht und hielten ihm Aussagen vor, die er bei der Polizei gemacht hatte: Da hatte er zugegeben, mit Ralf K. schon zuvor über derartige Treffs mit Kindern gesprochen zu haben. Es gab auch Protokolle von Chats mit anderen Pädophilen. Bei einem prahlte Roland S. noch 2010 damit, einen Fünfjährigen als Sex-Objekt bieten zu können.

Roland S. wurde zu zweieinhalb Jahren verurteilt. Ihm wird schriftlich mitgeteilt werden, wann und wo er seine Haft antreten muss. Derzeit hat er einen 400-Euro-Job als Koch. Wieder ist es ein Lichtenberger Nachbarschaftsprojekt. Da kämen Kinder aber nur in Begleitung Erwachsener, beteuerte er. Der Staatsanwalt blieb skeptisch. "Ich werde kommen und mir das anschauen", kündigte er an.