300. Geburtstag

Der "Alte Fritz", ganz modern

Mit flinken Handbewegungen zeichnet Peter Cange Augenbrauen, Pupillen und ein paar Falten in das noch unfertige Gesicht auf dem Blatt Papier vor ihm. "So langsam habe ich ihn im Kopf", sagt der 71-Jährige und meint damit Friedrich II.

Wie auf dem aktuellen Bild hat der Maler aus Neuenhagen bei Berlin den Preußenkönig schon unzählige Mal skizziert. Zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen zeigt die Burg Storkow (Oder-Spree) eine Auswahl von Canges Bildern in einer Sonderausstellung. Eröffnet wird die Schau am kommenden Dienstag, dem Geburtstag des Königs. An diesem Tag werden auch in Potsdam zahlreiche Jubiläumsveranstaltungen stattfinden.

Alle paar Jahre widmet sich Cange einem anderen Thema für seine Bilder. Der Geburtstag von Friedrich II. habe ihn dazu angeregt, den König von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten, sagt der Baruther. Anfangs habe er die berühmten Friedrich-Darstellungen von Anton Graff oder Daniel Chodowiecki als Vorlagen benutzt, erzählt er. Doch mittlerweile könne er den Monarchen fast im Schlaf zeichnen.

Auf den Zeichnungen mit Tusche, Buntstift, Aquarell und Gouache-Farben ist der König mal als junger Feldherr, mal als "Alter Fritz" mit gebeugtem Rücken auf einem Pferd oder im Porträt aus nächster Nähe zu sehen. Rund 80 "Blätter", wie Cange seine Bilder nennt, hat er mittlerweile dem König gewidmet. Eigentlich sei er Designer, sagt Cange. Zu DDR-Zeiten habe er unter anderem als freiberuflicher Messegestalter gearbeitet. Doch nach der Wende gab es den größten Auftraggeber nicht mehr, und die Arbeit fehlte. "Ich musste mir etwas Neues suchen." Schließlich besann er sich auf sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und begann wieder mit dem Malen. "Zeichnen ist wie Schwimmen, das verlernt man nicht", sagt der Künstler.

Für das Atelier die Wand eingerissen

Kurzerhand ließen er und seine Frau eine Wand im obersten Stock ihrer Neuenhagener Doppelhaushälfte einreißen, um dort ein großzügiges, helles Atelier einzurichten. Unter den holzverkleideten Dachschrägen stapeln sich Canges Werke nun zwischen Tusche-Fässchen, Stiften und Pinseln.

Etwa 20 Blätter sollen auf der Storkower Burg gezeigt werden. Bis zum 27. März ist die Ausstellung mit dem Titel "Des Königs neue Bilder" im großen Saal zu sehen. Dann sei es erst mal genug mit Friedrich, sagt Cange und grinst unter seinem grauen Schnauzer. Was danach komme, wisse er noch nicht. Ein Zyklus zu Richard Wagner würde ihn reizen, sagt er. Der feiert 2013 seinen 200. Geburtstag.

Doch zunächst steht erst einmal noch Friedrich der Große im Mittelpunkt. Am Dienstag wird in der Landeshauptstadt Potsdam der 300. Geburtstag gefeiert und des Preußenkönigs gedacht. Auftakt ist um 9 Uhr bei der traditionellen Kranzniederlegung am Grab des Königs am Schloss Sanssouci. Neben dem Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Hartmut Dorgerloh, haben sich auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) angekündigt.

Am Abend veranstaltet der Verein Kulturland Brandenburg ein öffentliches Geburtstagsfest für Friedrich. Mit Audio- und Videoinstallationen, Ausstellungen und DJs sollen die Besucher in die Potsdamer Innenstadt gelockt werden. In Berlin findet an diesem Tag der offizielle Festakt um 14 Uhr im Konzerthaus am Gendarmenmarkt statt. Dort sollen unter anderem Bundespräsident Christian Wulff und Georg Friedrich Prinz von Preußen sprechen. Eingeladen haben Platzeck und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

In Berlin und Brandenburg wird es im Friedrich-Jahr noch viele Konzerte, Ausstellungen und Festivals geben. So stehen zum Beispiel die Musikfestspiele vom 9. bis 24. Juni in Potsdam-Sanssouci unter dem Motto "Rührt euch! - Friedrich der Große, die Musik und Europa". In Berlin zeigt das Musikinstrumentenmuseum in Tiergarten vom 26. Januar bis 24. Juni die Ausstellung "Friedrichs Montezuma. Macht und Sinne an der Preußischen Hofoper". Zu sehen ist auch die faszinierende Welt des höfischen Theaters.