Bundespolizei

Kollege Hund - Verbrecherjagd auf Augenhöhe

Für Tony ist es ernst. Er kann nicht unterscheiden, ob er jetzt echte Verbrecher sucht oder die in Schutzjacken eingepackten Kollegen seines Herrchens. Das wird ihm auch nicht beigebracht. Die Fährte der gesuchten Buntmetalldiebe - so das Szenario an diesem Tag in den brandenburgischen Wäldern - hat er aufgenommen.

Sich in die Leine stemmend, zerrt er den Polizisten und dessen Partner hinter sich her. Der Spur nach, die der Mensch nicht sehen kann. Wenig später entdeckt er einen "Täter" hinter einem Baum, bellt ihn an und schüchtert ihn so sehr ein, dass dieser sich widerstandslos festnehmen lässt. Und als ein zweiter plötzlich laut brüllend und einen Baseballschläger schwingend aus einem Gebüsch springt, packt er zu. Dann wird auch dieser Täter überwältigt und abgeführt.

Obwohl die Szenen gestellt waren, war es auch für Diensthundführer Peter S. eine angespannte Situation. Denn es handelte sich nicht um eine Übung, sondern um die jährliche "Jahreseignungsprüfung", die alle 65 Mensch-Hund-Teams der Bundespolizeidirektion Berlin mit Sitz in Blumberg ablegen müssen. Der Berliner Morgenpost wurde ein Einblick gewährt.

Die Vorgabe an diesem nasskalten Morgen: Die Teams werden auf die Diebe angesetzt, die mit ihrem Wagen in einen Wald geflüchtet sind und das Fahrzeug zurückgelassen haben. An diesem Auto entdecken sie einen Handschuh des Fahrers, dieser wird dem Hund im wahrsten Sinne des Wortes unter die Nase gehalten, anschließend ist die Suche freigegeben. Ein Beamter hat die fünf Meter lange Leine in der Hand, ein Kollege sichert ihn.

"Wer durchfällt", so Dienststellenleiter René Kaiser, "bekommt einige Tage später eine zweite Chance, um seine Fehler zu korrigieren und dies der Prüfungskommission zu beweisen. Wer es dann auch noch nicht schafft, muss den Verband verlassen und bekommt eine andere Verwendung zugewiesen."

Diese strengen Regeln sind den fünf zur Prüfung angetretenen Beamten bekannt. Und man sieht dem Polizisten Peter S. nach seinem Durchlauf auch an, dass er den strengen Blick seines Chefs richtig deutet. "Der Hund hat hundertprozentig gearbeitet. Er hat die Spur aufgenommen, obwohl Du ihm den Handschuh nicht ausreichend lang sondern viel zu hektisch gezeigt hast. Die erste Festnahme war gut, die zweite leider nicht, denn Ihr habt dem Täter den Baseballschläger nicht abgenommen, er hatte ihn die ganze Zeit über in der Hand und stellte somit eine Gefahr für Euch da." Das Endergebnis: Befriedigend. Tonys Leistung hat die Quote verbessert, und Peter S. weiß das. "Kinder, achtet auf so etwas, das ist lebenswichtig für Euch. So, der Nächste", klatscht René Kaiser in die Hände.

Am Ende des Tages werden alle bestanden haben - und sich ihre Gedanken machen über das, was es zu verbessern gilt. Denn, so Kaiser, verbessern könne man immer etwas.

Einsatz in Flugzeugen und Bahnen

Die Hunde sind während der vergangenen Jahre in der alltäglichen Polizeiarbeit immer wichtiger geworden. Das ergibt sich aus der vielseitigen Verwendungsmöglichkeit der Tiere. "Die Zeiten, in denen einfach ein Beamter mit einem Schäferhund unterwegs war, sind längst vorbei", so Berlins Bundespolizeisprecher Meik Gauer. "Es gibt speziell ausgebildete Tiere, die im Kampf gegen die Kriminalität und Gewalt aber auch gegen Terrorismus eingesetzt werden", so Gauer. So seien die Sprengstoffhunde für das Lokalisieren und Anzeigen von Waffen, Munition sowie von Explosivstoffen geschult. Sie werden auch zur Suche nach verdächtigen Gegenständen in Flughafenbereichen und abgestellten Flugzeugen eingesetzt, auch in Bahnen und bei Großveranstaltungen.

Der klassische Schutzhund mindere die "Gewalt-, Angriffs- und Fluchtbereitschaft" von Straftätern. "Diese Tiere sind besonders bei Großlagen wie den Castor-Transporten und bei Fußballspielen sehr wertvoll geworden", so Bundespolizeisprecher Meik Gauer. "Zu ihren Aufgaben gehört aber auch die Unterstützung an Absperrungen, wo mit Aktionen von Demonstranten gerechnet werden muss, sowie das Suchen und Finden von verunglückten Personen und das Erschnüffeln von Beweismitteln, beispielsweise weggeworfene Waffen."

Nach Dienstschluss gehen die Tiere mit ihrem Herrchen nach Hause - denn der "Kollege" ist gleichzeitig immer auch Familienmitglied. "Die Hunde wissen ganz genau, wann sie Feierabend haben", so ein Beamter. "Abends spielt meiner mit meinen Kindern im Garten, sein Körbchen steht bei uns im Flur."

Szenenwechsel. Ein anderes Team stellt sich der Prüfung und wird ebenfalls von dem Täter mit dem Baseballschläger überrascht. Der Hund schüchtert ihn durch lautes und aggressives Bellen ein. Dabei springt er bis in eine Höhe von zwei Metern, seine Schnauze ist nur wenige Zentimeter vom Gesicht des verkleideten Bundespolizisten entfernt. Plötzlich ein Kommando, das Tier legt sich vor den Gesuchten, behält ihn aber im Auge, bis sein Herrchen kommt. Die Prüfer sind zufrieden. "Ein solches Tier kann schwere Verletzungen verursachen. Und deswegen ist es so wichtig, dass es perfekt vom Menschen beherrscht wird", berichtet Diensthund-Chef René Kaiser. "Um das immer wieder sicherzustellen, sind wir heute hier im Wald."