Ermittlungen

Baby in Potsdam ermordet - Keine Spur von der Mutter

Im Fall des toten Säuglings, der am Freitag neben einer Garage in Potsdam-West gefunden worden ist, sucht die Polizei weiterhin nach der Mutter des Kindes. Sie konnte auch während der Weihnachtsfeiertage nicht ermittelt werden. Es gebe bislang keine heiße Spur, hieß es am Montag aus dem Lagezentrum in Potsdam.

Bis Freitagabend lagen zwei Hinweise von Zeugen vor. Ein konkreter Tatverdacht habe sich daraus bislang nicht ergeben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt wegen Mordes.

Fest steht bislang, dass das Baby bei der Geburt noch gelebt hatte. Als ein Anwohner des Fundortes an der Kantstraße am Freitag gegen 9.30 Uhr sein Auto aus der Garage holen wollte, entdeckte er ein Handtuchbündel. "Mir ist das Blut in den Adern gefroren, als ich mir das genauer angesehen habe", sagte er. "In dem großen Handtuch war ein kleiner Mensch, ein Baby, tot." Bei dem Kind handelte es sich um ein Neugeborenes, das nur wenige Tage alt war, wie eine Polizeisprecherin sagte. Das Baby könne dem Anschein nach noch nicht lange dort gelegen haben. Eine Notärztin konnte nur noch den Tod des Säuglings feststellen. Polizisten mit Spürhunden suchten noch am selben Tag den Tatort ab, allerdings ohne Erfolg. Der Garagenkomplex in einem Plattenbauviertel liegt direkt an der Bahnstrecke Potsdam-Beelitz-Schönefeld.

Wann und wie das Kind starb, ist bislang nicht geklärt. Bei der Obduktion des kleinen Mädchens seien jedoch Hinweise auf äußere Gewalteinwirkung gefunden worden, die zum Tod geführt haben könnten, teilte eine Polizeisprecherin mit. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass das Neugeborene aus einem fahrenden Zug geworfen worden sein könnte. Sicher ist dies allerdings nicht.

Bei den Ermittlungen setzt die Polizei auf die Veröffentlichung von Fotos des Handtuchs, in das das Baby eingewickelt war. Es handelt sich um ein helles Frottierhandtuch der Marke "Facotti" mit der Aufschrift "Fitness". Außerdem wird die Bevölkerung in einem Aufruf gefragt, wer möglicherweise in seiner Umgebung eine ehemals schwangere Frau bemerkt hat, die nun kein Kind bei sich hat. Zeugen können sich an jede Polizeidienststelle wenden.

Die Anwohner der Potsdamer Kantstraße waren nach dem Fund der Babyleiche schockiert. Das Wohngebiet gilt nicht als sozialer Brennpunkt. "Das macht mich wütend", sagte ein Mann. Niemand habe das Recht, so mit Leben umzugehen. "Wenn so ein Würmchen nicht gewollt ist, kann man es in eine Babyklappe legen", sagte der Mann. Eine Frau vermutete, dass jemand sich ganz bewusst die Kantstraße ausgesucht habe. "Unsere Straße ist eine Sackgasse. Der Bahndamm ist abgelegen. Da kommt eigentlich keiner so schnell hin", sagte sie. Auch sie vermutete, dass jemand das Baby aus einem Zug geworfen haben könnte. Das sei wahrscheinlicher, als dass es dort abgelegt worden sei, sagte die Potsdamerin.