Steuerhinterziehung

"Gewisse kriminelle Energie"

Sie hatte das Ergebnis wohl schon geahnt. Nadja Auermann wirkte jedenfalls sehr gelassen, als Richter Jürgen Kohls im Moabiter Kriminalgericht das Urteil verkündete: Das ehemalige Topmodel habe sich der Einkommensteuerhinterziehung schuldig gemacht und muss eine Geldstrafe von 90 000 Euro zahlen.

Ausgangspunkt dieses Prozesses war eine Villa im Köpenicker Ortsteil Hessenwinkel. Nadja Auermann hatte das am Dämmeritzsee gelegene Anwesen 1998 gekauft. Allerdings nur als eine Art Renditeobjekt, wie sie zu Beginn des Prozesses betonte. Keinesfalls habe sie dort gewohnt. Wegen ihrer kleinen Kinder habe sie in Schutt und Baustaub ja auch gar nicht leben können. Deswegen sei sie auch nur ab und zu angereist, um die Rekonstruktionsarbeiten an dem Haus zu beaufsichtigen. "Mein Wohnsitz befand sich damals eindeutig noch in Monaco", sagte sie.

Richter Kohls sah das nach der 17-tägigen Beweisaufnahme anders. "Nach Meinung des Schöffengerichts haben Sie zwischen von 1999 bis 2002 eindeutig in diesem Haus gewohnt", sagte er, an Auermann gewandt. Bei dieser Einschätzung sei es unerheblich, ob es sich um einen ständigen Wohnsitz gehandelt habe.

Zeugen sahen Auermann in der Villa

Der Richter erwähnte ein Grundsatzurteil des Bundesfinanzhofs, in dem es um eine eigentlich im Ausland lebende deutsche Flugbegleiterin ging. Die Frau hatte sich in Deutschland in der Nähe eines Flughafens eine nur 26 Quadratmeter große Wohnung gemietet, die sie lediglich für ihre mehrtägigen Zwischenaufenthalte nutzen wollte. Die Wohnung war deswegen auch nur spartanisch eingerichtet. Das habe den Bundesfinanzhof jedoch nicht davon abgehalten, diese kleine Wohnung als Wohnsitz zu definieren und die Flugbegleiterin wegen Hinterziehung der Einkommensteuer zu belangen, sagte Kohls.

Um die Definition des Wohnsitzes ging es auch in dem Prozess gegen Nadja Auermann. An mehreren Verhandlungstagen wurden Nachbarn, Handwerker und andere Zeugen vernommen, die berichten sollten, ob und wie lange sie Nadja Auermann, deren Kinder und den ebenfalls angeklagten Ex-Ehemann, den Schauspieler Wolfram Grandezka, auf dem Anwesen in Hessenwinkel gesehen hatten. Mehrere Zeugen hätten den Aufenthalt der beiden Angeklagten bestätigt, sagte Richter Kohls. Zudem gebe es Fotos, Einrichtungsskizzen für das Haus und eine Reihe von Terminen, an denen sich Nadja Auermann nachweislich in Berlin aufgehalten habe. "Sie gelten als sehr liebvolle Mutter", sagte der Richter. "Es ist deswegen für uns schwer vorstellbar, das Sie bei Ihren Berlin-Aufenthalten nicht im Haus in Hessenwinkel übernachtet haben wollen, wo Ihr damaliger Ehemann die noch sehr kleinen Kinder hütete."

In dem Prozess war von Verteidiger Robert Unger und auch von Nadja Auermann immer wieder betont worden, dass in der Villa praktisch ständig gebaut worden sei. Das Schöffengericht habe das durchaus auch zur Kenntnis genommen, sagte Richter Kohls. "In einem Haus mit rund 500 Quadratmetern Wohnfläche ist es jedoch sehr wohl möglich, daneben zu wohnen und zu bauen." Und letztlich sei das ja auch bewiesen worden: "Es gab in einigen Zimmern Möbel, Teppiche, Grünpflanzen und Bilder", sagt Kohls. "Es gab eine Küche, ein Bad und zwei Kinderzimmer, wo Schränke aufgestellt waren, in denen Kinderwäsche lag."

Freispruch für Ex-Ehemann

Wolfram Grandezka wurde vom Schöffengericht freigesprochen. Seine damalige Ehefrau hatte das Haus schon gekauft, als er seinen Beruf aufgegeben habe und nach Hessenwinkel gezogen sei, sagte Richter Kohls. Theoretisch hätte er mit Nadja Auermann eine gemeinsame Steuererklärung abgeben müssen. Doch er habe sie dazu ja kaum zwingen können. So handele es sich zwar um eine Unterlassung, die könne in diesem speziellen Fall aber nicht geahndet werden.

Das Gericht blieb mit seinem Strafmaß unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für Nadja Auermann eine Geldstrafe von 189 000 Euro gefordert hatte. Der Ankläger hatte Auermann in seinem Plädoyer Verschleierungstaktik und eine "gewisse kriminelle Energie" vorgeworfen. Das Ex-Topmodel habe mitmilfe einer Limited-Gesellschaft, die sie anlässlich des Hauskaufs in London gegründet habe, versucht zu verbergen, wer in dem Haus tatsächlich wohnte.

Auermanns Verteidiger Unger kritisierte nach der Urteilsverkündung, das Gericht habe Beweise unzureichend gewürdigt und sei "zu einem falschen Urteil gekommen". Die 40-Jährige erklärte knapp, dass sie "natürlich sehr unzufrieden" sei. "Ich werde natürlich in Berufung gehen."