DDR-Straßennahmen

Der falsch verstandene "Platz der Einheit"

In Brandenburger Städten gibt es noch zahlreiche Straßennamen, die nicht jeder Anwohner akzeptabel findet. Ob Ernst Thälmann-Platz, Wilhelm Pieck-Weg (früherer DDR-Präsident) oder Dr.-Kurt-Fischer-Straße (KPD-Funktionär) - die Liste ist lang.

Wie unterschiedlich dieses Erbe aus DDR-Zeiten bewertet wird, hat eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergeben. Wenn ein Name eindeutig schwer belastet gewesen war, sei er zumeist schnell getilgt worden, sagt der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher. Für ihn ist klar: "Das Thema ist weitgehend durch." Dem widerspricht der Historiker Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin. "Der Umgang mit umstrittenen Straßennamen ist symptomatisch für den mangelnden Willen zur Vergangenheitsbewältigung in Brandenburg." Als DDR-Experte ist er in der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur tätig. "Ernst Thälmann war ein Stalinist der übelsten Sorte", sagt der Historiker. Er weist darauf hin: "Eine Ermordung durch die Nationalsozialisten reicht nicht aus, um jemanden direkt in den Heldenstand zu erheben". Straßennamen müssten nach Meinung von Schroeder den Werten der Demokratie entsprechen. Pieck als Befürworter einer Diktatur hätte dort ebenso wenig zu suchen wie Straßen oder Plätze der "Einheit". Diese ehrten schließlich nicht die deutsche Wiedervereinigung, sondern die Zwangsvereinigung von SPD und KPD 1946.

Diesen Standpunkt vertritt auch die CDU-Fraktionschefin Saskia Ludwig. Gerade in einer aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft sei es wichtig zu wissen, was für Persönlichkeiten sich hinter so stark identitätsprägenden Dingen wie Straßennamen verbergen. "Ich halte es für nicht akzeptabel, dass 21 Jahre nach dem Sturz der SED-Diktatur immer noch Straßen nach kommunistischen Verbrechern wie Dr. Kurt Fischer benannt sind, ohne dass Bewohner wissen, wer dieser Mann ist und was er getan hat", betont sie.

Auch Frieder Weiße, Landesvorsitzender der Vereinigung Opfer des Stalinismus, hat kein Verständnis für nach Thälmann, Pieck und Co. benannte Straßen. "Ich sehe das als Indiz für mangelnde Aufarbeitung", betont er. Besonders auf dem Land sei die Zahl öffentlicher Plätze, die an die SED-Diktatur erinnerten, extrem. "Für einstige Opfer ist das die pure Demütigung", sagt er.