Abschuss von "Problemwölfen"

Feuer frei auf Brandenburgs Wölfe

Die Brandenburger Union will, dass der streng geschützte Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. Es regelt, wann welche Tiere unter welchen Voraussetzungen geschossen werden dürfen. "Jäger sollten zumindest Problemwölfe schießen dürfen", sagte CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski.

Er ist auch umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion. In der Jägerschaft stößt der Politiker mit seiner Forderung weitgehend auf Unterstützung, die Naturschutzverbände reagieren entsetzt.

"Der Ansatz ist richtig", unterstützt der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, Bernd Möller, die Forderung des CDU-Abgeordneten. "Doch zunächst sollte der 17 Jahre alte Wolfs-Managementplan überarbeitet werden" - also die Leitlinien zum Umgang mit diesen Raubtieren. Es werde allerdings der Zeitpunkt kommen, an dem eine Übernahme des Wolfs ins Jagdrecht nötig werde. Der Wolf vermehre sich in Brandenburg immer weiter - und greife immer öfter auch Schafe oder Gänse an. Da das Tier in Europa unter Naturschutz stehe, müsse endlich exakt definiert werden, was ein "Problemwolf ist". Festgelegt werden sollte, "wie viele Wölfe das Land überhaupt verträgt". Es sei bislang auch nicht geklärt, wer in welcher Höhe die Halter von getötetem Vieh entschädigt. Laut brandenburgischem Umweltministerium haben im vergangenen Jahr Wölfe 15 Mal Nutztiere angegriffen. Es wurden 61 Schafe, zwei Rinderkälber und 23 Dammwildtiere gerissen. Bis Mitte dieses Jahres seien 34 Nutztiere durch Wolfsattacken getötet worden.

Viele Jäger in Südbrandenburg, wo zahlreiche Wölfe leben, sind dafür, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Zu ihnen gehört auch Jürgen Herold, der die Hegegemeinschaft Senftenberg-Nord leitet. Er sagt: "Das strikte Schießverbot gegen die Wölfe muss aufgehoben werden." Der 75-Jährige sagte der Lausitzer Rundschau: "Ich kann nicht nachvollziehen, dass in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft der Wolf verhätschelt wird, Interessen von Nutztierhaltern aber blauäugig übersehen werden." Die Jäger, so Herold, wollen den Bestand durch Jagd regulieren, aber keinesfalls die Wölfe ausrotten.

Der CDU-Mann Dieter Dombrowski möchte nicht nur die Entschädigungen und Investitionen für Schutzzäune geregelt sehen. Er sieht ein weiteres Problem. "Liegt der Wolf stundenlang schwer verletzt auf der Straße, darf der Jäger ihn nicht töten." Er müsse dafür die Polizei holen. Dombrowski steht auch politisch nicht allein mit seiner Forderung. FDP-Landeschef Gregor Beyer sieht auch die Notwendigkeit, die rechtlichen Voraussetzungen für den "Umgang mit Problemwölfen" zu schaffen. Der Abschuss müsse als " Ultima ratio" möglich werden. Auch Beyer sieht Versäumnisse beim Wolfsmanagement. Der ursprünglich vorbildliche und in Deutschland einmalige Plan sei längst von der Wirklichkeit überholt.

In Brandenburg lebt inzwischen etwa die Hälfte der bundesweit geschätzten 80 Wölfe. Bis Mitte der 90er-Jahre gab es zwischen Elbe und Oder kein einziges Wolfsrudel. Umweltministerin Anita Tack (Linke) und die Naturschutzorganisation World Wide Fund für Nature (WWF) feierten erst jüngst die Rückkehr der Wölfe in die märkischen Wälder als großen Erfolg. In den kommenden Jahren sei Brandenburg als "potenzielles Wolfserwartungsland" zu betrachten, so die Ministerin. Im Ministerium wird der Vorschlag zur Aufnahme ins Jagdrecht zurückgewiesen. "Wir sind dabei, den Wolfsmanagement-Plan zu überarbeiten", sagte eine Sprecherin.

Gerade erst besiegelten in Potsdam der WWF und das Umweltministerium eine Kooperation zum Wolfsschutz und -management. Man müsse "wieder lernen, wie Italien, Polen oder Rumänien, mit dem Wolf zu leben", sagte Volker Homes, Artenschutz-Chef beim WWF Deutschland.

Die Naturschutzverbände reagieren auf die Forderungen der CDU und der Jäger ablehnend. Der Naturschutzbund (Nabu) kämpft derzeit in Sachsen gegen die dort geplante Novellierung des Jagdrechts. "Der Bund allein hat die Kompetenz zur vollständigen und umfassenden Regelung der Naturschutzgesetze. Den Bundesländern wurde zwar das Recht eingeräumt, individuelle Regelungen zu schaffen. Von dieser Abweichungsgesetzgebung wurde der Artenschutz jedoch ausdrücklich ausgenommen", sagt Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. Sollte die Novelle umgesetzt werden, müsse "mit einer Klage vor dem Verfassungsgericht gegen diesen Irrweg gerechnet werden".

In Berlin kann man so viel erleben, in Brandenburg soll es wieder Wölfe geben...

Rainald Grebe, Kabarettist, im Brandenburg-Lied