Prozess wegen Brandstiftung

Eine explosive Mischung

Andreas T. kann sich noch gut an den Augenblick der Explosion erinnern. "Da schoss plötzlich ein Feuerball aus der Wand", sagt der 51-Jährige auf der Anklagebank. Der Katastrophe vorausgegangen war seine nächtliche Aktion: T. verteilte gut 15 Liter Benzin in der angeblich völlig zugemüllten Wohnung seines Nachbarn in Erkner, um "den Dreck abzubrennen" und den Mieter zu vergraulen, wie er sagt.

Dass sein Feuerzeug tatsächlich zum Einsatz kam, daran will sich der Angeklagte nicht mehr erinnern. Dabei ist sein spektakulärer Rachefeldzug, der T. von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird, erst ein knappes halbes Jahr her. In der Nacht zum 19. Juni flog das gut 100 Jahre alte Mehrfamilienhaus an der Scharnweberstraße 27 in Erkner in die Luft.

Durch mehrere Explosionen und das anschließende Feuer wurde es komplett zerstört. Fünf Mietparteien waren auf einen Schlag obdach- und besitzlos. Wie durch ein Wunder wurde niemand ernsthaft verletzt. Nur ein Mieter war außer T. in jener Nacht Zuhause. Dem Mann, der in einer Wohnung im Erdgeschoss wohnte, gelang es mit knapper Not, aus dem Gebäude zu flüchten.

Der mutmaßliche Täter Andreas T. erlitt Verbrennungen ersten und zweiten Grades, schaffte es aber ebenfalls noch aus dem Haus, bevor alles zusammenstürzte. Wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit besonders schwerer Brandstiftung und versuchter Brandstiftung mit Todesfolge sitzt der bieder wirkende Mann seit Donnerstag auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dass er den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen hat.

Mitangeklagt sind zwei Bekannte des Mannes, die in der Nacht mit von Partie gewesen sein sollen und denen Beihilfe angelastet wird. Die Anklage wirft T. niedere Beweggründe und den Einsatz von "gemeingefährlichen Mitteln" vor. Über die verheerende Wirkung des Benzins will der allerdings gar nicht Bescheid gewusst haben. Ein kleines Feuer sollte es werden, sagt der Angeklagte, der angeblich selbst die Feuerwehr anrufen wollte. Dass er gleich das komplette Haus zerstört, will er nicht gewollt haben. "Ich konnte es gar nicht fassen."

Auch von Rache als Motiv will der gebürtige Cottbuser nichts hören. Er habe lediglich bei seinem Nachbarn, mit dem er ursprünglich zusammengewohnt hatte, nach dem Rechten schauen wollen, beteuert er wortreich vor Gericht. Warum T. dazu die Tür der fremden Wohnung eintreten musste, kann er nicht plausibel erklären. Sein Geheimnis bleibt vorerst auch, was er mit den beiden Benzinkanistern vorhatte, die er extra in das Auto verladen hatte, mit dem er und seine beiden Kumpane in jener Nacht unterwegs waren. Jede Menge Bier war angeblich im Spiel. Und überhaupt sei er "schockiert" gewesen wegen der "Messi-Wohnung", die er selbst erst kurz zuvor noch renoviert haben will.

Die beiden Mitangeklagten hatten in den polizeilichen Vernehmungen noch angegeben, dass T. bereits im Auto von seinen Plänen gesprochen habe, das Haus anzünden zu wollen. Vor Gericht widerrufen sie jedoch sämtliche bisher gemachten Aussagen.

Streit mit den Nachbarn

T. soll mit den meisten seiner Nachbarn Streit gehabt haben, weil er sich offenbar als Hausverwalter aufspielte und versuchte, anderen Vorschriften zu machen. Die Besitzerin des Hauses ist seine ehemalige Lebensgefährtin. Doch die beiden überwarfen sich wegen überzogener Rechnungen, die der Angeklagte der Vermieterin für seine Sanierungsleistungen im Haus stellte. Daraufhin kündigte sie ihm die Wohnung. T. wohnte zwar schon bei seiner neuen Freundin, doch wurmte ihn offenbar der Rausschmiss.

Dass der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt ist, wird spätestens beim Blick in das Vorstrafenregister des 51-Jährigen klar: Nach Angaben der Anklagevertretung enthält es 28 Einträge. "Der Mann ist ein Ganove", sagt Staatsanwältin Annette Bargenda vor Gericht.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.