Protest-Camp gegen die Kürzungen bei freien Schulen

Nacht für Nacht, von montags bis freitags, wacht Axel Kalhorn über das Lager am Fuße des Brauhausberges. Das strengt an. Nur wenige Meter entfernt von dem Container, in dem der Vater von zwei Kindern sein spartanisches Lager aufgeschlagen hat, tost den ganzen Tag über der Verkehr. Der 43-Jährige, dessen Sohn die freie Schule in Angermünde besucht, ist seit Mitte Oktober die Woche über ununterbrochen im Einsatz.

Er will bis 16. Dezember durchhalten. Dann werden Eltern, Lehrer und Schüler von freien Schulen das "Bildungscamp" unterhalb des Landtages abbrechen. Bis dahin soll feststehen, ob der Landtag die von der rot-roten Regierung geplanten Kürzungen bei den freien Schulen ab dem Schuljahr 2012 absegnet. Derzeit ist geplant, dass die Zuschüsse für die freien Schulen bis 2015 um mehr als 40 Millionen Euro gekürzt werden.

Mit Isomatten und Schlafsäcken

Sechs Eltern haben das Camp organisiert. 20 000 Euro lässt sich die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen den Rund-um-die-Uhr-Aufstand kosten. In dem größeren der zwei beheizten Container auf dem eingezäunten Gelände herrscht dauerndes Kommen und Gehen. Um die 25 Schulgruppen waren seit Oktober hier; tagsüber werden Protestplakate angefertigt, abends wird diskutiert und gesungen.

Am Donnerstagvormittag sind Schüler der evangelischen Grundschule Finsterwalde und des evangelischen Gymnasiums Doberlug-Kirchhain mit Isomatten und Schlafsäcken im Camp eingezogen. Die 13-jährige Jessica will für eine "größere Anerkennung der freien Schulen kämpfen". Die gleichaltrige Louise sagt: "Die Politiker sparen an der falschen Stelle." Und Ela, die ebenfalls die achte Klasse besucht, gibt zu bedenken: "Wir sind die Erwachsenen von morgen." Die etwa 20 Schüler der fünften bis achten Klasse sind mit Religionslehrer Mathias Lehmann angereist. Er hofft, dass "den freien Schulen kein Geld gestrichen wird".

Die Schülergruppe hatte auch gleich Tuchfühlung mit der Politik. Oben im Landtag konnte sie die Anhörung der Volksinitiative "Schule in Freiheit" vor dem Bildungsausschuss verfolgen. Die Volksinitiative reichte im Herbst fast 38 000 Unterschriften im Landtag ein. Ihr Hauptziel: mehr Selbstständigkeit der Schulen. Die Bildungspolitiker von SPD und Linke sind aber dafür, die Initiative abzulehnen, wie sie am späten Nachmittag bekannt gaben. Die Opposition von CDU, FDP und Bündnisgrünen gaben ein Minderheitenvotum für die Initiative ab.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen, Christoph Schröder, forderte in der Anhörung die Gleichstellung von staatlichen und freien Schulen, auch finanziell. Dafür müssten die Zuschüsse für freie Träger zunächst von 65 auf 85 Prozent der Gesamtkosten angehoben werden. Schröder kritisierte zudem die Haltung von Bildungsministerin Martina Münch (SPD). Sie lehnt eine "Monopolstellung" freier Schulen im ländlichen Raum ab. Staatliche Schulen können sich hier wegen des Schülermangels teilweise nur schwer behaupten. Schulen in freier Trägerschaft seien eine willkommene Ergänzung, so Münch. Einen Versorgungsauftrag hätten sie aber nicht. Künftig müssten "lokale Bildungslandschaften" unter Kooperation freier und öffentlicher Schulen geschaffen werden, forderte Schröder. Auch Andreas Kaczynski, der dem paritätischen Landesverband vorsteht, äußerte Unverständnis. "Der Staat hat doch auch keine Probleme damit, dass die Kitas in vielen Orten vorwiegend von freien Trägern betrieben werden", so Kaczynski.

Der Protest der freien Schulen hat zumindest teilweise Erfolg gezeigt: Statt um 20 Millionen Euro sollen die Zuschüsse für die 129 freien Schulen bis 2015 um knapp 13,5 Millionen Euro jährlich sinken. Die Organisatoren des Bildungscamps sehen sich damit aber nicht am Ziel. Sie fürchten um die Existenz der freien Schulen.