Zulassung

Neue Triebwagen für die Ostdeutsche Eisenbahn

Während die Deutsche Bahn weiter warten muss, kann ihr größter privater Konkurrent in der Region, die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg), sich über neue Fahrzeuge freuen.

Am Montag konnte das Nahverkehrsunternehmen im Stadler-Werk in Velten (Oberhavel) den ersten von sechs Gelenktriebwagen (GTW) vom Hersteller übernehmen. Die dieselelektrischen Triebwagen mit jeweils 100 Sitz- und bis zu 158 Stehplätzen werden ab Fahrplanwechsel am 11. Dezember auf den Regionalbahnlinien OE 33 (Berlin-Wannsee-Jüterbog) und OE 51 (Rathenow-Brandenburg/H.) eingesetzt. Die wichtigen Zubringerlinien werden gegenwärtig noch von der Märkischen Regiobahn, einer Tochter des französischen Veolia-Konzerns, bedient. Die Odeg hatte den Betriebsauftrag für beide Linien in den kommenden elf Jahren im Ergebnis einer Ausschreibung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg gewonnen.

Eine der Bedingungen der Ausschreibung war der Einsatz neuer Züge, die die Odeg vor zwei Jahren beim Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler bestellt hat. Doch wie derzeit in so vielen Fällen mussten Hersteller und Betreiber bis zuletzt um die Zulassung der neuen Fahrzeuge durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) bangen. Ursprünglich bereits für Anfang September avisiert, verschob die Behörde die Genehmigung mehrfach und erteilte sie erst am 23. November.

Die neuen Triebwagen können bis zu 140 km/h schnell fahren und erfüllen auch die neueste EU-Crash-Norm. Besonders auffällig im Innern sind die beiden Mehrzweckbereiche, die viel Platz für Kinderwagen, Koffer und bis zu zwölf Fahrräder bieten. Ausgestattet ist der GTW, der in Pankow und Velten gebaut wird, auch mit einer besonders großen, rollstuhlgerechten Zugtoilette. Der Geschäftsführer der Stadler Pankow GmbH, Michael Daum, ist optimistisch, dass sein Unternehmen auch den zweiten Auftrag für die Odeg termingerecht erfüllen wird. Wie berichtet, wird die Odeg ab Dezember 2012 auch den Zugverkehr auf den beiden wichtigen Regionalexpress-Linien RE 2 und RE 4 übernehmen. Stadler will dafür 16 Doppelstock-Triebzüge liefern. Für die Neuentwicklung gibt es in Deutschland bislang auch noch keine EBA-Zulassung. Stadler will den ersten Zug des neuen Typs bis Januar 2012 fertigstellen.

Die Deutsche Bahn und der Hersteller Bombardier ringen unterdessen weiter um die EBA-Zulassung für insgesamt 32 Triebzüge vom Typ Talent 2, die in der Region Berlin-Brandenburg eingesetzt werden sollen. In dieser Woche ist ein weiteres Spitzengespräch zwischen Bundesverkehrsministerium, Hersteller und Zulassungsbehörde geplant.