Fahrgastverband

Bahn drohen hohe Strafen wegen fehlender neuer Züge

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Thomas Fülling

Nach der Ankündigung, vorerst keine neuen Züge in Berlin und Brandenburg einzusetzen, muss die Deutsche Bahn mit Strafzahlungen rechnen. "Der Einsatz der Talent-2-Triebwagen ist fest vereinbart.

Wenn die Züge nicht fahren, gibt es Vertragsstrafen", sagt Elke Krokowski, Sprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), der Berliner Morgenpost. Über die genaue Höhe könne sie aber noch keine Aussagen machen.

Bereits in der Vergangenheit musste das bundeseigene Verkehrsunternehmen Abzüge in zweistelliger Millionenhöhe hinnehmen, vor allem, weil die Berliner S-Bahn nicht vertragskonform fährt. Aber auch wegen häufiger Zugverspätungen im Regionalverkehr haben die Länder Berlin und Brandenburg ihre Zahlungen an den Bahnkonzern wiederholt reduziert.

Alte Doppelstockwagen fahren weiter

Die Bahn hatte dem VBB zu Wochenbeginn offiziell mitgeteilt, dass sie auf den Regionalbahnlinien RB 10 (Nauen-Berlin), RB 13 (Wustermark-Berlin), RB 14 (Nauen-Berlin-Flughafen Schönefeld), RB 20 (Potsdam-Oranienburg), RB 21 (Potsdam-Wustermark), RB 22 (Potsdam-Flughafen Schönefeld) und RB 23 (Potsdam-Michendorf) nicht wie geplant ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember die neuen Talent-2-Triebwagen einsetzen kann. Stattdessen fahren weiterhin lokbespannte Züge mit Doppelstockwagen, die größtenteils noch für die Deutsche Reichsbahn der DDR gebaut wurden und inzwischen mehr als 30 Jahre alt sind.

Ursprünglich wollte die Bahn-Tochter DB Regio auf den sieben Regionallinien 32 neue Talent-2-Triebwagen einsetzen. Doch der Hersteller, das kanadische Unternehmen Bombardier, konnte die Züge bisher nicht ausliefern. Denn für den Einsatz fehlt ihnen noch immer eine wichtige Voraussetzung: die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA). Der Behörde reichen unter anderem die Sicherheitsnachweise zur Leistungsfähigkeit der Bremsen nicht aus.

Aus diesem Grund stehen mehr als hundert Züge vom Typ Talent 2 unter anderem in Hennigsdorf und Wustermark ungenutzt auf Abstellgleisen. Zwar hatte das EBA Ende Oktober den vierteiligen Talent-2-Zügen, die in Nürnberg und im sogenannten Moselnetz fahren sollen, sein Okay gegeben. Doch für die aus drei oder fünf Segmenten bestehenden Varianten, wie sie für Berlin und Brandenburg bestimmt sind, steht die Zulassung noch aus.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb ist enttäuscht über die Verzögerung. "Das bedeutet für die Fahrgäste nicht nur einen erheblichen Komfortverlust. Sie müssen auch weiter mit vielen Verspätungen rechnen, denn der neue Fahrplan lässt sich mit den alten Zügen kaum einhalten", sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Der Grund dafür: Die Elektro-Triebwagen können deutlich besser beschleunigen als die Züge mit schweren Doppelstockwaggons.

Diese Befürchtung teilt der Verkehrsverbund nicht. "Bei der Bestellung der Trassen haben wir ein Fehlen der Talent-Triebwagen bereits mit eingerechnet", sagt VBB-Sprecherin Krokowski dazu.

Verkehrsverbunds-Chef Hans-Werner Franz bedauert dennoch den Ausfall der neuen Züge. "Die positive Qualitätsentwicklung im Regionalverkehr wird ausgebremst. Der Zeitplan vom Kauf neuer Fahrzeuge über die Fertigstellung und Zulassung bis hin zum Betriebseinsatz scheint zu einem schlecht kalkulierbarem Risiko geworden zu sein." Franz fordert, dass die Neufahrzeuge spätestens zur Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER im Juni 2012 einsatzbereit sind.

Schafft die Bahn das nicht, bleibt ihr nur, auch dort alte Doppelstockwagen einzusetzen. Viele dieser Waggons dürfen jedoch aus Sicherheitsgründen nicht in unterirdische Bahnhöfe wie den unter dem BER-Terminal fahren. Sie müssten für viel Geld nachgerüstet werden. Auch können die von Loks gezogenen Züge nicht so gut beschleunigen wie die Talent-Triebwagen. Ob der neue Airport ab Juni 2012 dann tatsächlich in einer halben Stunde per Zug vom Hauptbahnhof erreicht werden kann, erscheint da fraglich.