Rekordmieten

Wohnen in Potsdam wird zum Luxus

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Katrin Starke

In Potsdam zu wohnen, bleibt ein teures Vergnügen. Bezahlbarer Wohnraum in der Landeshauptstadt wird knapp, weil Belegungsbindungen für Wohnraum wegfallen und es außerdem an Förderprogrammen des Landes für den Neubau fehlt. Die Lage für Familien und Menschen mit kleinem Budget, die auf Wohnungssuche sind oder ihren Wohnraum halten wollen, dürfte sich damit weiter verschärfen.

Trotzdem wird Potsdam weiter wachsen, zogen Potsdams Baudezernent Matthias Klipp (Bündnisgrüne) und Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos) das Fazit aus dem am Mittwoch veröffentlichten Wohnungsmarktbericht.

Innenstadt ist sehr beliebt

"Um die Situation auf dem Wohnungsmarkt zu entspannen, benötigen wir dringend Unterstützung - gerade vonseiten des Landes. Hier handelt es sich nicht um ein Luxusproblem", sagte Klipp. 155 354 Einwohner mit Hauptwohnsitz in Potsdam zählten die Statistiker Ende 2010. "Heute wohnen etwa 157 000 Menschen in Potsdam", sagte Hans-Joachim Böttche, Bereichsleiter Wohnen der Stadt. Seit elf Jahren wächst die Zahl der Potsdamer. Beliebt bei Zuzüglern sind vor allem Quartiere in Potsdam West, der Innenstadt und in den nördlichen Vorstädten. "Doch die Dynamik wie auch die Folgen für den Wohnungsmarkt konnten wir in dieser Tragweite nicht erkennen", sagte der Verwaltungsmann.

Etwas Erfreuliches bietet der Wohnungsbericht denn doch: Die Zahl der Neubauten steigt deutlich. 1389 neue Wohnungen - verteilt auf die ganze Stadt - wurden im vorigen Jahr fertig gestellt. Das sind fast 400 Wohnungen mehr als der vom Stadtentwicklungskonzept Wohnen beschriebene Bedarf. Vor allem kleine Wohnungen sind entstanden, allein 684 Zwei-Raum-Wohnungen.

Die seien aber beim Mietpreis nicht unbedingt sozial verträglich, stellte Klipp fest. Heutige Baustandards und Baukosten, die abhängig von Tarifverträgen im Handwerk "nicht ohne" seien, würden die Investitionskosten in die Höhe treiben. "Bei ungefördertem Wohnungsbau ist in Potsdam von mindestens acht Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter auszugehen", sagte Klipp. Der Stadt blieben nur wenige Möglichkeiten, Einfluss auf den künftigen Mietpreis zu nehmen. "Natürlich könnten wir alle städtischen Grundstücke an Bauherren verschenken. Die Grundstückskosten machen jedoch letztlich nur 15 bis 20 Prozent der Gesamtkosten aus. Die Mieten könnten auf diese Weise nur um einen Euro pro Quadratmeter gesenkt werden."

Nun sei die Verwaltung über eine Neuregelung der Stellplatzsatzung Investoren und damit ihren Mietern entgegenkommen. "Pro Wohneinheit musste bislang ein Stellplatz nachgewiesen werden, bei Wohnraum über 100 Quadratmetern zwei Plätze. Entsprechend hoch fiel die Ablösesumme aus. Bis zu 6000 Euro pro Stellplatz können fällig werden. Die Quote haben wir auf 0,5 reduziert", sagte Klipp. Letztlich sei Landeshilfe aber unumgänglich. Doch damit sieht es schlecht aus. "Wir haben uns über die Wiederaufnahme der Neubauförderung durch das Land im Jahr 2010 gefreut - auch wenn Potsdam im ersten Jahr bei über 500 beantragten Wohnungen nur 50 bekommen hat. Wir wurden aufs nächste Jahr vertröstet. Aber in 2011 ist das Programm aus Geldmangel still und heimlich ausgesetzt worden. 2012 sieht es nicht besser aus", so Klipp weiter.

Fakt sei, dass die im Stadtentwicklungskonzept Wohnen erwähnten notwendigen 1000 neuen Wohnungen pro Jahr kaum ausreichten. Das beweise die große Nachfrage. Und die gestalte sich sogar unabhängig vom Mietpreis. "Wohnungen werden in allen Preissegmenten händeringend gesucht", bestätigt Bereichsleiter Böttche. 3000 Anträge auf Wohnberechtigungsscheine wurden 2010 gestellt. "Mehr als 1000 konnten wir bis Jahresende nicht bedienen. Uns fehlen die entsprechenden Wohnungen."

Auch im alten Bestand drohen die Mietpreise zu explodieren. Die Grenze von 5,50 Euro Kaltmiete, die die Stadt als angemessene Wohnkosten pro Quadratmeter bewertet, sei nicht zu halten, bestätigte Klipp. Zumindest, wenn die Wohnungsgesellschaften sanieren. Mit Modellprojekten zur flexiblen Wohnungs- und Mietbindung, die das kommunale Wohnungsunternehmen Pro Potsdam neben Bonusprogrammen für den Umzug von großen in kleinere Wohnungen testet, will die Stadt gegensteuern.

Modellprojekt soll weitergehen

Die Idee, die bereits umgesetzt wird: Pro Potsdam fördert einkommensschwachen Potsdamern den Mietpreis. Allerdings nur so lange, wie dies aufgrund der wirtschaftlichen Lage der Betroffenen notwendig ist. Bis September 2011 wurden rund 60 Wohnungen in dem Modellversuch unterstützt. "Unsere Erfahrungen sind sehr positiv. Wir wollen das Modell 2012 ausbauen. Es sichert uns die dringend benötigten Mietpreis- und Belegungsbindungen in Potsdam", sagte Müller-Preinesberger. Zudem verhandele Pro Potsdam mit dem Infrastrukturministerium über ein Modell, weitere Belegungs- und Mietpreisbindungen zu erhalten.