Interview mit Ferdi Breidbach

"Es gibt keinen Frieden mit diesem Flughafen"

Die Flughafengegner sind über das Urteil empört. Mit Ferdi Breidbach, dem Vorsitzenden des Bürgervereins Berlin-Brandenburg, sprach Joachim Fahrun.

Berliner Morgenpost: Herr Breidbach, wie bewerten Sie die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts?

Ferdi Breidbach: Das ist ein Skandalurteil, weil es keinerlei Rücksicht auf den Artikel 2 des Grundgesetzes nimmt. Darin heißt es, dass jeder das Recht auf körperliche Unversehrtheit genießt.

Berliner Morgenpost: Hatten Sie denn etwas anderes erwartet?

Ferdi Breidbach: Ich hatte erwartet, dass es Einschränkungen bis 23 Uhr geben würde. Aber hier ist die Zeit zwischen 22 und 23 Uhr vollkommen frei gelassen worden. In dieser Stunde dürfen bis zu 103 Flugzeuge fliegen, 77 im Durchschnitt. Damit wird diese Stunde zur Hauptbetriebszeit gemacht.

Berliner Morgenpost: Was wollen Sie jetzt machen?

Ferdi Breidbach: Wir warten die schriftliche Begründung ab. Und dann werden sich die Bürgerinitiativen überlegen, ob das passiert, was notwendig ist: dass dieses Urteil vor dem Europäischen Gerichtshof landet. Denn dort sind die Prämissen anders. Da steht das Recht des Menschen an erster Stelle und nicht wirtschaftliche Interessen.

Berliner Morgenpost: Sehen Sie außer dem juristischen Weg andere Möglichkeiten, etwas zu ändern?

Ferdi Breidbach: Wenn man sich auf die Politik verlässt, ist man verlassen. Was passiert ist, ist auch ein Ergebnis von Politik und von Gesetzen. Aber ein Gericht hat Spielräume. Die hat es nicht genutzt. Die Richter haben in ihrem Beschluss wörtlich übernommen, was die Behörde vorgetragen hat.

Berliner Morgenpost: Hätte man nicht die Begründung für die Nachfrage nach Nachtflügen im Prozess stärker angreifen müssen?

Ferdi Breidbach: Hier werden die Gesetze der Marktwirtschaft auf den Kopf gestellt. Das Angebot von Flugzeugen wird zur Nachfrage im Markt gemacht. Das ist Zentralverwaltungswirtschaft. Wir haben in einer Umfrage nachgewiesen, dass 95 Prozent der Menschen zwischen 22 und 6 Uhr nicht fliegen wollen. Die Flugzeuge werden in den Markt gedrückt und die Passagiere werden zwangsrekrutiert.

Berliner Morgenpost: Warum hätte Berlin ein strengeres Nachtflugverbot haben sollen als Frankfurt?

Ferdi Breidbach: Weil in Berlin die Besiedlung noch näher an die Startbahnen rückt als in Frankfurt. Irgendwann werden sie eine dritte und vierte Startbahn bauen. Damit werden sich meine Enkelkinder befassen. Es gibt keinen Frieden mit diesem Flughafen.