Berufsverbrecher

Immer wieder zurück ins Gefängnis

Kabel der Alarmanlagen durchtrennen, Überwachungskameras mit Bauschaum umhüllen, Fenster und Türen aufhebeln, in Windeseile Räume, Schränke und sogar Tresore öffnen und durchsuchen. In der Nacht zum 20. Juni 2006 erbeutete Mike N. so mit zwei Helfern im Straßenverkehrsamt des Landkreises Oder-Spree in Fürstenwalde 2500 Blanko-Fahrzeug-Zulassungen sowie mehr als 23 000 Dokumentenklebesiegel.

Wegen schweren Bandendiebstahls und wegen des Vorbereitens von Dokumentenfälschungen wurde der Angeklagte nun am Montag vor dem Frankfurter Landgericht zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt.

Allein wegen des Einbruchs in die Fürstenwalder Führerscheinstelle wäre die Strafe für N. nicht so hoch ausgefallen. Doch der 38-jährige Thüringer ist ein Berufsverbrecher, wie es Rechtsanwalt Ullrich Knye bezeichnete. Wenn man das Strafregister seines Mandanten liest, wird klar, dass er in seinem Leben so gut wie noch nie legal gearbeitet hat - eine Lehre zum Industriemechaniker brach der Angeklagte ab, mit einer eigenen Kneipe ging er pleite, lebte zum Schluss von Sozialhilfe. N. hat mehr Zeit seines Erwachsenenlebens hinter Gittern, als davor verbracht hat. Den Ermittlungen zufolge hatte sich die Bande, von denen mehr als fünf Mitglieder inzwischen bekannt sind, zusammengetan, um in ganz Deutschland auf nächtliche Raubzüge zu gehen. Der in Schwerin lebende Meißener soll einer von zwei Bandenchefs gewesen sein, die geeignete "Einbruchs-Objekte" auskundschafteten und alle wichtigen Entscheidungen trafen - einschließlich des Anteils jedes Bandenmitglieds an der Beute. Dafür hatte sich N. 2008 bereits vor dem Landgericht Koblenz verantworten müssen - sieben Einbrüche in Postfilialen, Schnellrestaurants und Einkaufsmärkte konnten ihm nachgewiesen werden. Die bisherigen Strafverbüßungen hätten ihn jedoch "in keinster Weise" beeindruckt, resümiert der Anklagevertreter in seinem Plädoyer. Der Vorsitzende Richter Stefan Gömann versucht es im Zuge der Urteilsverkündung erneut. "Wenn Sie nicht allmählich die Kurve kriegen, bleibt der Knast ihr Lebensschwerpunkt", warnte er.