Jungengymnasium

Opus Dei treibt seine Schulpläne voran

Horst Hennert ist ein freundlicher Mann im dunkelblauen Anzug; das einzig Auffallende an ihm ist seine blau-rot-gestreifte Krawatte. Nichts an ihm scheint ungewöhnlich. Der 67 Jahre alte Studienrat aus dem Rheinland ist derzeit viel in Potsdam unterwegs - als Geschäftsführer der "Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft".

Der Verein möchte eine Privatschule eröffnen. Auch das ist nichts Ungewöhnliches in der brandenburgischen Landeshauptstadt, in der sich immer mehr Familien niederlassen. Kein anderer Schulträger stieß bislang aber auf so viel Widerstand wie die Fördergemeinschaft. Denn hinter ihr steht Opus Dei - die geheimnisumwitterte, nicht erst seit Dan Browns Roman "Sakrileg/Da Vinci Code" berühmt-berüchtigte Kirchenorganisation. Und Horst Hennert, der für die Genehmigung eines Jungengymnasiums in Potsdam kämpft, leitet das Opus-Dei-Zentrum in Berlin.

Sieg vor Gericht

Vor Jahren schon wollte Opus Dei in Potsdam das Jungen-Gymnasium eröffnen, doch das Land lehnte den Antrag ab - begründet wurde das vor allem damit, dass sämtliche Schulen im Land koedukativ geführt werden, also von Mädchen und Jungen besucht werden. Das müsse auch für die freien Schulen gelten. Laut Paragraf 3 des Brandenburgischen Schulgesetzes sind Schulen im Land so zu gestalten, "dass gleicher Zugang, unabhängig von der wirtschaftlichen und sozialen Lage, der nationalen Herkunft, der politischen oder religiösen Überzeugung und des Geschlechts, gewährleistet wird". Die Fördergemeinschaft klagte gegen die Ablehnung des Antrags. Mit Erfolg. Nach dem Urteil ging das Land in Revision. Am 8. September wies das Oberwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) diese jüngst ab. Es befand es im Rahmen der Privatschulfreiheit für zulässig, dass ein freier Schulträger grundsätzlich auch eine geschlechtergetrennte Schule gründen kann. Das OVG entschied damit wie zuvor das Verwaltungsgericht: Der Gründung einer Schule nur für Jungen stehe nichts im Wege.

Das Urteil liegt seit einigen Tagen auch schriftlich vor. Das Bildungsministerium prüft derzeit nach Auskunft eines Sprechers, wie es damit umgehen wird. Selbst wenn der Verein um Opus Dei auch diese Hürde noch nehmen würde, so ist die Organisation mit ihrem Vorhaben noch nicht am Ziel. "Es ist ein Abenteuer", sagt Horst Hennert. "Nicht nur juristisch". Denn längst haben die einst interessierten Eltern ihre Kinder an andere Schulen geschickt. Längst ist die Ruinenberg-Kaserne, die vor sechs Jahren als Schulgebäude vorgesehen war, von Neu-Potsdamern bewohnt. Vor allem ist der Widerstand gegen die "obskure Geheimtruppe des Vatikan", wie sie viele Potsdamer nennen, so groß wie nie zuvor.

Die rot-rote Landesregierung hat kein Interesse an einem von Opus Dei geführten Gymnasium. Bevor der Verein 2006 den Antrag auf Errichtung eines reinen Jungengymnasiums stellte, will Hennert sich noch mit mehreren zunächst aufgeschlossenen Politikern über die Gründung einer reinen Jungenschule unterhalten haben. Mit dem damaligen Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) zum Beispiel. Oder der früheren Justizministerin Beate Blechinger, die Vize-Schulleiterin am katholischen Gymnasium Bernardinum in Fürstenwalde war. "Selbst Oberbürgermeister Jann Jakobs zeigte sich nicht uninteressiert", erinnert sich Hennert.

Aber schon 2009 haben Potsdams Stadtverordnete entschieden, dem Opus Dei weder ein Grundstück noch ein Gebäude zur Verfügung zu stellen. Nächste Woche wollen die Stadtverordneten nach Informationen der Berliner Morgenpost erneut beschließen, dass es keine Unterstützung für Opus Dei geben wird. "Ich kenne die Vorbehalte", sagt Horst Hennert. "Aber sehen Sie doch selbst, an mir ist nichts Geheimnisvolles. Und Opus Dei wird als Laienorgansation in der katholischen Kirche vom Papst anerkannt." Die vor 40 Jahren gegründete Fördergemeinschaft, die seit 1972 in Jülich im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen ein Mädchengymnasium betreibt, favorisiert weiterhin Potsdam als Standort für eine Jungenschule. Geschäftsführer Hennert erklärt die Gründe: "Hierher sind wie auch in die Region Kleinmachnow und Stahnsdorf viele aus den alten Bundesländern gezogen". Darunter wären sicherlich genügend Eltern, die ihre Kinder auf eine Schule solcher Prägung schicken wollen. Ein Internat sei nicht geplant. "Die Erziehung ist Elternsache", sagt Hennert.

Selbst die ab Herbst 2012 in Aussicht gestellten geringeren Zuschüsse für freie Schulen schrecken Opus Dei nicht ab. Sollte das Land Brandenburg ernst machen mit den geplanten Kürzungen, würden die freien Schulen bei den jährlichen Zuschüssen schlechter gestellt als in Berlin. Doch dort erhalten freien Träger erst nach einem Durchlauf der Schüler den staatlichen Zuschuss, in Brandenburg schon nach zwei oder drei Jahren.

Schulprogramme genau prüfen

Noch will Opus Dei nicht aufgeben. Die Fördergemeinschaft sucht weiter nach einem Standort in Potsdam. Währenddessen äußern immer mehr Politiker offen ihre Ablehnung. So wie der SPD-Bildungsexperte im Brandenburger Landtag, Thomas Günther: "Erzkonservative Erziehungsmethoden, wie Opus Dei sie vertritt, kann ich nicht gutheißen." Schulprogramme und Lehrpläne müssten sehr genau geprüft werden.