Kinderbetreuung

Zu wenige Erzieher in den Kitas

Brandenburgs Kitas beklagen Personalmangel. Obwohl die Landesregierung seit vergangenem Jahr 900 zusätzliche Erzieher-Stellen geschaffen hat, reicht das Personal immer noch nicht aus. Etwa 100 Kindertagesstätten wollen am heutigen Mittwoch beim Aktionstag "Baustelle Kita" auf die prekäre Situation aufmerksam machen.

Ihre Erzieher gehen demonstrieren oder laden Politiker in die Einrichtungen ein. Besonders in den übervollen Kitas in den Berliner Umlandgemeinden klagen Eltern und Erzieher über zu wenig Zeit für die Förderung der Kinder und die Überlastung der Mitarbeiter. In Großbeeren (Teltow-Fläming) etwa ist am heutigen Mittwoch ab 16 Uhr ein Protest vorm Rathaus geplant.

Hohe Belastung, zu wenig Förderung

Mitmachen wollen alle örtlichen Kitas, darunter auch die kommunale Kita Ulmenstraße. Sie ist aufgrund des Zuzugs junger Familien erst vor etwa einem Jahr eröffnet worden. Die Kita-Leiterin Jaqueline Hönow sagt: "Wir betreuen derzeit 21 Kinder - und haben zwei Erzieherinnen sowie eine Erzieherin in der Ausbildung." Doch viele Mütter und Väter der zu betreuenden Kinder arbeiten im Schichtdienst - im Handel etwa oder bei der Polizei. Um den Bedarf abzudecken, hat die Kita Ulmenstraße von Montag bis Freitag von 5.30 bis 20 Uhr geöffnet. Das erfordert einen hohen Personalaufwand.

Die Großbeerener Kita "Löwenzahn" des Deutschen Roten Kreuzes bietet nicht nur ebenfalls verlängerte Öffnungszeiten, sie ist auch in den Ferien geöffnet. "So machen sich nicht nur Krankheit oder Fortbildungstage der Erzieherinnen bemerkbar, sondern auch die 30 Tage Urlaub im Jahr", sagt die Leiterin der Kita, Simone Rathmann. 211 Kinder besuchen die Kita Löwenzahn, 54 sind davon im Krippenalter, 131 älter als drei Jahre. Von den 25 Erzieherinnen sind drei in der Ausbildung.

Nach dem derzeitigen Kita-Gesetz wurde die Gruppengröße pro Erzieherin bei Kindern bis zu drei Jahren von sieben auf sechs und zudem bei den über Dreijährigen von 13 auf 12 verkleinert. Vorausgegangen war eine landesweite Protestaktion mit mehr als 10 000 Wunschzetteln und 6000 Briefen an Regierungschef Matthias Platzeck (SPD). Das Land lässt sich die Verbesserung des Betreuungsschlüssels im Jahr zusätzliche 36 Millionen Euro kosten. Es zahlt 205 Millionen Euro an die Kreise und vier kreisfreien Städte. "Die Belastungen sind für die Erzieher trotz der Verbesserungen enorm hoch", klagt Simone Rathmann. "Die Kinder individuell zu fördern, ist unser Anspruch, er ist aber schwer zu erfüllen."

Ute Günzel, ehemals Kita-Leiterin in Oranienburg, hatte mit Mitstreiterinnen 2008 die "Kita-Initiative" in Brandenburg gegründet. Dass die rot-rote Landesregierung aufgrund der gebündelten Proteste Hunderte Erzieher einstellte, sieht sie als Erfolg. "Wir haben jetzt aber den Eindruck, die Regierung ruht sich darauf aus", sagt Ute Günzel. "Nötig ist ein Stufenplan." Bei den bis zu Zweijährigen sollte nach dem Vorbild Berlins ein Erzieher für fünf Kinder zuständig sein, bei den Zwei- bis Dreijährigen ein Betreuer für sechs Kinder und bei den bis Sechsjährigen ein Erzieher für neun Kinder.

Schlechter als andere

Auch Tino Schiers wird am heutigen Mittwoch vor dem Rathaus in Hohen Neuendorf (Oberhavel) an einer der Aktionen teilnehmen - obwohl seine Tochter mittlerweile in die Schule geht. Schiers führt das Kita-Netzwerk in Oberhavel an. "Es muss sich ändern, dass Brandenburg bei der Personalausstattung hinter anderen Ländern her hinkt", sagt er. Stephan Breiding, Sprecher des Bildungsministeriums, sieht derzeit keine Möglichkeit. Er sagt: "Natürlich wäre es sinnvoll, noch mehr Erzieher-Stellen zu schaffen." Mit Blick auf die Haushaltslage sei an einen weiteren Zuwachs derzeit nicht zu denken.