Graffiti AG

Drachen und Monster an der Turnhalle

Die Fassade der Carlo-Schmid-Oberschule ist trist. Die massiven Betonwände des Gebäudes aus den 80er-Jahren sind teilweise mit roter Farbe übertüncht, doch auch das kann ihre Wucht nicht mindern. Auf der Turnhallenwand aber thront ein grüner Drache, kleine Monster tummeln sich in einem großen Yin-und-Yang-Zeichen.

Und Namensgeber Carlo Schmid blickt einen, umgeben von der Silhouette Spandaus, mit strengem Blick an.

Diese Phantasielandschaft ist das bisher größte Werk von Sven Proske und seiner Graffiti AG. "Die Schüler verbringen oft den ganzen Tag in der Schule. Wo man sich so lange aufhält, soll man sich auch wohlfühlen", sagt der Kleinkindpädagogik-Student. Mit dem Graphikdesigner Robert Zirk gestaltet der 32-Jährige mit 15 Schülern im Alter von 12 bis 16 Jahren die etwa 250 Quadratmeter große Turnhallenwand.

Sven Proske hat einen Gürtel mit Spraydosen umgeschnallt, eine Schutzmaske und Kopfhörer hängen um seinen Hals. Er erklärt dem 12 Jahre alten Zamo, wie man die Nase eines Monsters ganz dünn sprayen kann. Zamo weiß schon ganz genau, warum ihm Graffiti so viel Spaß macht: "Man kann der Kunst einfach freien Lauf lassen. Man muss nicht nach Befehlen malen", sagt er. "Gut gemacht", lobt Proske ihn. Das Monster hat mittlerweile auch einen Mund erhalten, der zu einem schiefen Grinsen verzogen ist.

Schultisch-Malereien

Begonnen hat alles mit ein paar bemalten Schultischen. Vor zwei Jahren saß Sven Proske in einer siebten Klasse der Oberschule. Der Student gab zu dieser Zeit einen Computergraphik-Kurs im Kunstunterricht der 12. und 13. Klasse. Aber er hatte eine Freistunde und begleitete eine befreundete Lehrerin in deren Klasse. "Auf den Tischen waren geniale Zeichnungen. Ich dachte mir, aus so viel Talent muss man etwas machen. Das kann man nicht einfach versickern lassen", erinnert er sich. Seit eineinhalb Jahren kommen rund 15 Schüler jeden Freitagnachmittag in seine Graffiti AG. Für das Turnhallenprojekt treffen sie sich sogar jeden Tag in den Herbstferien.

Der 16 Jahre alte Philip steht auf einer Leiter. Er trägt eine Schutzmaske, sprüht mit brauner Farbe konzentriert die feine Holzmaserung der Rückseite eines Skateboards. "Das Illegale ist für mich persönlich uninteressant. Ich male und zeichne auch sonst viel", sagt Philip. In seiner MSA-Prüfung sei Graffiti auch Prüfungsthema gewesen. In der AG könne er zudem Bilder sprayen, die länger erhalten bleiben. "Es gibt zu wenig legale Flächen", sagt er. Dort seien die Graffitis deshalb schnell wieder übersprayt. "Einmal blieb eines meiner Bilder, eine Echse, eine Woche." Da sei er - obwohl er immer sehr selbstkritisch ist - schon stolz gewesen.

Anfangs übte die Gruppe noch auf Schreibblöcken und Leinwänden - mit Spraydosen von der Polizei. "Man hat uns den Tipp gegeben, in der Asservatenstelle nachzufragen. Dort sammelt die Polizei die Dosen, die sie von illegalen Sprayern einkassiert", sagt Proske. Mittlerweile wird das Projekt vom Quartiersmanagement in Spandau finanziell gefördert.