Hauptstadtflughafen

"Wir wollen keine dritte Startbahn"

Rund 7700 Teilnehmer haben am Sonntag nach Angaben der Organisatoren erneut gegen den Hauptstadtflughafen Berlin Brandendenburg (BER) demonstriert. Es war der erste Protest eineinhalb Wochen nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, das Nachtflüge erlaubt hatte.

Die zahlreichen BIs aus Stahnsdorf, Kleinmachnow, Wannsee, Potsdam, die BI Fluglärmfreie Havelseen und die BI Spandauer Süden hatten zu dieser Bündnisdemonstration aufgerufen. Mit Pauken, Trommeln und Trillerpfeifen protestierten sie lautstark gegen den Flughafenneubau, den Flugverkehr und die damit verbundenen Beeinträchtigungen in ihrem Lebensumfeld. Über die Waltersdorfer Chaussee zogen die Demonstranten in Richtung Bahnhof Schönefeld. Auf der Bundesstraße 96, auf der Höhe des Flughafens, gab es eine Abschlusskundgebung. Die Straße war teilweise gesperrt, auch der BVG-Busverkehr war teilweise eingeschränkt.

"Es ist schade, dass nicht mehr alle Teilnehmer an einem Strang ziehen", sagte Hanna Sternsdorf aus Gatow. "Mittlerweile denken viele nur noch an ihre eigenen Interessen und vergessen darüber die der anderen betroffenen Teilnehmer." So unterschiedlich die Demonstranten, so verschieden waren an diesem Sonntag auch ihre Forderungen. "Gegen Nachtflüge", "Gegen ein internationales Drehkreuz", "Gegen Überflüge", verlangten Familien, Kinder, Senioren und angereiste Radfahrergruppen. Auch der komplette Baustopp wurde gefordert und die Verlegung nach Sperenberg. "Der Standort für den geplanten Flughafen muss geändert werden", so eine IG aus Neu Zittau. "Es liegen längst sinnvolle Alternativen für Schönefeld vor."

Der größte gemeinsame Nenner unter den Demonstrierenden war aber die Forderung nach einem Nachtflugverbot. Vor dem Hintergrund der jüngsten Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes, dass es am künftigen Flughafen BER kein komplettes Nachtflugverbot geben wird, befürchten die meisten starke Einschränkungen in ihrer Lebensqualität. "Dieses Urteil ist ein Schlag ins Gesicht", sagte Udo Preissner aus Lichtenrade. "Ich fürchte um die Gesundheit meiner Tochter. Ein gesunder Schlaf ist nicht mehr möglich."

Das Gericht hatte Klagen von Anwohnern und Anrainer-Gemeinden zurückgewiesen und die geplante Regelung bestätigt. Danach sind zwischen 22 Uhr und Mitternacht sowie zwischen 5 und 6 Uhr durchschnittlich 77 Starts und Landungen erlaubt, maximal 103. Der Bürgerverein Berlin-Brandenburg (BVBB) will das Urteil nicht akzeptieren und kündigte bereits eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg an. Für weitere schlechte Stimmung sorgen unter den Flughafengegnern auch die Aussagen aus der Berliner Landespolitik. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte erklärt, dass bei hinreichendem Passagierzuwachs von der nächsten Berliner SPD/CDU-Landesregierung der weitere Ausbau des Flughafens in Schönefeld betrieben werde.

"Die brandenburgische Politik darf es nicht zulassen, dass die Menschen in Brandenburg von der Berliner Politik, den wirtschaftlichen Interessen der Flughafengesellschaft und der Airlines geopfert werden", sagte BI-Sprecher Wolfgang Brenneis. "Unser Ziel ist es, den Bau weiterer Startbahnen am Flughafen in Schönefeld zu verhindern."

Auf Brandenburger Seite sind für die Volksinitiative "landesplanerisches Nachtflugverbot" 23 000 gültige Unterschriften zusammengekommen. Bis Dezember werde der Landtag hierüber befinden, so die Initiatoren. Auch in Berlin sind vergangene Woche 30 000 Unterschriften im Abgeordnetenhaus eingereicht worden. Eine Prüfung, ob das Begehren erfolgreich ist, ist noch nicht abgeschlossen, so Christiane Dorn vom Verein zur Förderung der Umweltverträglichkeit des Verkehrs.

Der Termin für die nächste Großdemonstration steht schon fest. Am 19. November wollen die Mitglieder der Interessengruppen vom Potsdamer Platz vor das Kanzleramt ziehen.