Unfall

Lkw fährt in Schlafzimmer

Früh am Morgen stand plötzlich ein Lastwagen im Schlafzimmer. Um 4.25 Uhr am Dienstagmorgen raste der Lkw in die Wand eines Einfamilienhauses in Rägelin (Ostprignitz-Ruppin). Die 81 Jahre alte Bewohnerin wurde schwer verletzt, schwebt aber nicht in Lebensgefahr.

Der 50 Jahre alte polnische Fahrer war laut Polizei in einer Linkskurve von der Fahrbahn abgekommen und zunächst über die Borsteinkante gefahren. Danach rammte er ein Verkehrsschild. Anschließend riss er den Zaun eines Nachbargrundstückes auf, schleifte Teile davon mit und kam schließlich mit seinem Lkw im Schlafzimmer der Seniorin zum Stehen. Die schwer zuckerkranke Frau wurde nach Angaben eines Zeugen aus ihrem Bett geschleudert und in ihrem Schlafzimmer eingeklemmt. Ein Nachbar berichtete, der Lkw-Fahrer habe blutüberströmt an seine Tür geklopft.

Er sei daraufhin sofort zum Haus der Seniorin gerannt und habe auch die Feuerwehr alarmiert. Der Nachbar versuchte zunächst vergeblich, die eingeklemmte Frau selbst zu befreien. Da sie jedoch unter einer aus den Fugen gerissenen Tür lag, konnten erst Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr sie befreien. Die Seniorin kam schwer verletzt in ein Krankenhaus. Auch der Lkw-Fahrer kam mit schweren Verletzungen in eine Klinik. Das Wohnhaus ist stark einsturzgefährdet.

Gegenüber der Polizei habe der Fahrer angegeben, dass er sich plötzlich unwohl gefühlt und die Bremse mit dem Gaspedal verwechselt habe. Zunächst war unklar, ob der Lkw überhaupt geborgen werden konnte. Gegen Mittag wurde das Fahrzeug schließlich mit schwerem Gerät aus dem Haus gezogen. Der Gesamtschaden liegt bei rund 70 000 Euro. Sachverständige der Bauaufsicht nahmen das Haus an der Neuruppiner Straße in Augenschein. Nach einer ersten Einschätzung der Polizei könnte es unbewohnbar bleiben. Die Kriminalpolizei in Neuruppin hat mittlerweile die Ermittlungen übernommen.

"Das ist nicht das erste Mal, dass hier ein Unfall geschieht", sagte Bürgermeisterin Gabriela Wobersky. Obwohl in diesem Bereich nur 30 Stundenkilometer erlaubt seien, führen viele zu schnell.

Pro Tag sollen mehr als 60 Lkw durch die enge Straße mit der scharfen Kurve fahren. Die Landesstraße, auf der der Unfall passierte, verläuft parallel zur Autobahn Hamburg-Berlin (A 24). Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass der Lastwagenfahrer die Autobahnmaut sparen wollte. Alle Bemühungen, in Zusammenarbeit mit dem Landkreis den zunehmenden Lkw-Verkehr in diesem Bereich zu unterbinden oder auch umzuleiten, seien bislang gescheitert, so Wobersky.