Tiere

Wild sucht Jäger

Wenn die Nächte wieder länger werden, gehen Rehe, Hirsche, Wildschweine und Co. in den brandenburgischen Wäldern verstärkt auf Futtersuche. Besonders in der Dämmerung streifen die scheuen Waldtiere umher - zum Leid der Autofahrer. Plötzlich steht in der Dämmerung ein Stück Wild auf der Straße.

Und die Autofahrer sollten nicht ausweichen. Zu ihrer eigenen Sicherheit, denn in der Regel steht beim Manöver ein Baum im Weg. Fachleute raten deshalb, Hinweisschilder auf Wildwechsel unbedingt ernst zu nehmen. Besonders in Brandenburg. In der Region gibt es derzeit nämlich überreichlich Wild. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Potsdam sind bei Zusammenstößen mit Hirschen, Rehen und Wildschweinen von Januar bis Juli vier Menschen getötet und 76 verletzt worden. Im Vorjahr waren es zum Zeitpunkt zwei Tote und 97 Verletzte.

Jagdsaison startet

Die Jäger sind bemüht, den Wildbestand einzudämmen. Im vergangenen Winter wurden rund 160 000 Tiere erlegt, sagt der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, Bernd Möller. "Das sind immerhin 7000 Stück mehr als in der Vorsaison." Den größten Anteil hätten Wildschweine, die das ganze Jahr bejagt werden dürfen. Es seien gut 72 000 der sogenannten"Schwarzkittel" sowie 68 000 Rehe erlegt worden. Geschossen wurden auch noch 8800 Stück Rot- und 13 600 Stück Damwild sowie 980 Muffelwild.

Die fleißigsten Jäger gibt es nach Angaben des Agrarministeriums im Landkreis Oder-Spree, dort haben die Waidmänner 1210 Hirsche erlegt. Fast 4600 geschossene Stück Damwild in Potsdam-Mittelmark seien ebenso unübertroffen wie der Abschuss von fast 8500 Stück Rehwild in der Uckermark, sagt Möller. Der Landkreis führe auch beim Erlegen von Schwarzwild mit fast 8700 Tieren. Die Brandenburger Jagdsaison 2011/12 auf Schalenwild geht in diesen Tagen wieder los.

In die Zahlen nicht eingerechnet sind illegal erlegte Tiere. "Wilderei spielt eine Rolle", sagte Möller. Es werde immer wieder ein Schuss gehört, den man nicht zuordnen könne. Und es werden auch immer wieder Überreste von Wild entdeckt. "Die Wilderei ist nicht weg. Es werden aber sehr wenig dabei erwischt", räumt er ein.

Den Grund für einen anhaltend hohen Wildschweinbestand sieht der Verband im Anbau von Mais und anderen Pflanzen zur Energiegewinnung. Die großen Schläge bieten im Sommer optimale Deckung. Selbst mit Hunden sei es nicht möglich, die Rotten im Feld aufzuscheuchen. Viel Futter im Winter lässt die Populationen trotz der hohen Anzahl an Abschüssen stetig wachsen.

Für Bauern und Förster sind die vielen Wildschweine ein Problem. Nach den letzten Erhebungen wurden 2009 Schäden von knapp sechs Millionen Euro verursacht. Landwirte meldeten Ausfälle durch verwüstete Äcker und abgefressene Stellen in Höhe von 5,4 Millionen Euro, sagt Holger Brantsch vom Landesbauernverband. Der Appetit der Tiere auf junge Baumtriebe habe die Förster rund 500 0000 Euro gekostet. Da weder Jäger noch strenge, futterarme Winter den wilden Bewohnern etwas anhaben können, werde der jährliche Schaden auch in Zukunft etwa auf diesem Niveau bleiben, meint der Verband.

Baumbestand nicht gefährdet

Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade sagt, im Landeswald sei die natürliche Verjüngung von Kiefer und Buche trotz Verbiss gesichert. Verbesserungswürdig sei die Situation bei Hainbuche, Esche und Ahorn. Das Ministerium stellt vor einiger Zeit fest: Die Diskussion um überhöhte Wildbestände und Schäden vor allem an jungen Waldbäumen gehöre zu den Dauerbrennern forstpolitischer Debatten. Auf der Internetseite wird darauf verwiesen, dass es in einigen Regionen einen Bestand von mehr als elf Stück Schalenwild pro 100 Hektar Waldfläche gebe. Erstrebenswert sei ein Bestand von drei Stück.

In der Mark gibt es laut Jagdverband mehr als 12 000 Jäger, davon sind 9800 organisiert. Den nötigen Nachwuchs zu finden, ist kein Problem: Jährlich bestehen bis zu 300 Anwärter die schwierige Jagdprüfung. Die Durchfallquote beträgt etwa 30 Prozent.